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Schule zu Hause – Wie gut funktioniert der Online-Unterricht im Talkessel?

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Berchtesgaden: Schule zu Hause – Wie gut funktioniert der Online-Unterricht im Talkessel?
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Rektorin Martha Kienzerle (l.) und Konrektorin Alexandra Busch versuchen, den Unterricht über die Homepage der Grundschule Berchtesgaden zu steuern. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgadener Land – Bayerns Schüler lernen seit über einer Woche von zu Hause aus. Angeleitet werden sie von ihren Lehrkräften via Internet. Nachdem die Schulleitungen durch das Kultusministerium am vorletzten Freitag von der Schließung der Schulen erfahren haben, war viel Arbeit und Improvisationstalent nötig, um das erstmalige Projekt zu starten.


Nach wenigen Tagen Testzeit sind natürlich noch keine schlüssigen Erkenntnisse und Lernerfolge auszumachen, der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich dennoch bei den Schulen im Talkessel umgehört. 

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Der Schulleiter des Gymnasiums Berchtesgaden, Andreas Schöberl, sprach im Hinblick auf die Abiturprüfungen von verschiedenen Szenarien, die man derzeit durchspiele. Nachdem das Abitur verschoben wurde, gewinne man mehr Zeit für die Vorbereitung und könne auf die Prüfungen gezielt eingehen (siehe Ende des Artikels)

Eine Notbetreuung gibt es am Gymnasium nicht: Der Bedarf sei nicht gegeben. Man arbeite mit dem Lernprogramm »Mebis« und gebe den Kindern Lernaufgaben. Auch wenn es zunächst Probleme gab – das System war aufgrund der Menge an Nutzern überlastet – funktioniere der Online-Unterricht inzwischen gut. 

Eine weitere Variante ist das Versenden der Lernaufgaben per E-Mail. Die Lehrkräfte schicken diese an ihre Schüler, mit dabei sind auch Lösungsvorschläge, so können die Schüler kontrollieren, ob sie die Aufgaben richtig gelöst haben. Sie können darüber hinaus auch telefonisch oder per Chat mit den Lehrern in Verbindung treten. 

»Der Lehrauftrag besteht weiterhin«, so der Schulleiter. Andreas Schöberl gibt aber auch zu, dass das Online-Angebot den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann. Was fehlt, seien Feinheiten und auch eine gewisse Gruppendynamik. 

Erfahrungen nutzen 

Ähnlich stellt sich die Situation für das CJD am Dürreck dar. Der Unterschied liegt aber darin, dass die Internatsschüler nun teilweise über das ganze Land verteilt sind. Als einen Vorteil sieht Schulleiter Stefan Kantsperger die Erfahrungen an, die man über Jahre hinweg mit dem virtuellen Klassenzimmer für die Sportler der Eliteschule gemacht habe.

Kaunzner spricht von zwei Systemen. Zum einen würden alle externen Schüler in ganz Deutschland via Fernunterricht betreut. Eine Restgruppe von 30 Schülern wird in der nach wie vor »Corona-freien« Buchenhöhe unterrichtet, während Kaunzner das System von seinem Büro aus am Dürreck betreut. 

Auf der Buchenhöhe ist das gesamte medizinische Angebot intakt, die schulischen Aufgaben werden von freiwilligen Lehrern und Pädagogen betreut. Die meisten Lehrer arbeiten aus dem »Home Office« und sind telefonisch oder über das Internet erreichbar. Ohne größere Erfahrungen zu haben, sei man mit dem Ablauf bisher sehr zufrieden. 

Die Lehrer der CJD-Realschule in Schönau am Königssee arbeiten mit Videokonferenzen, dafür nutzen sie »ZOOM«. Die Kommunikation findet auch über »SDUI«, eine neue Kommunikationsplattform für Lehrer, Schüler und Eltern, statt. Mit den Schülern und Eltern wird ferner über E-Mail, Videochats sowie Lernplattformen wie Lernzept, Simpleclub und dergleichen gearbeitet. 

Die Rektorin der Mittelschule Berchtesgaden Annette Ritter hielt bereits am 13. März eine Dienstbesprechung ab. Sie wollte klären, wie ein eventueller Hausunterricht ablaufen könne. An die Eltern ging kurz darauf ein Informationsbrief. Die Kommunikation erfolgt nun per E-Mail und einer stets aktualisierten Homepage. Die Lehrkräfte versorgen die Schüler mit Arbeiten, hauptsächlich in Deutsch, Englisch und Mathematik sowie in den Abschlussklassen in allen prüfungsrelevanten Fächern, um den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, respektive den Mittleren Schulabschluss, nicht zu gefährden. 

Die erledigten Aufgaben werden von den Schülern zurück an die Lehrkräfte versendet, die nötige Korrekturen vornehmen und Hinweise geben. Nach Anlaufschwierigkeiten bekam die Schule alle E-Mail-Adressen der Schüler beziehungsweise deren Erziehungsberechtigter. 

»Die Schüler sind sehr fleißig und zuverlässig, die Eltern ziehen bei der enormen Doppelbelastung durch Beruf und Kinderbetreuung mit uns an einem Strang«, erklärte Annette Ritter. Alle Lehrkräfte organisieren ihre Aufgaben per Home Office und nehmen an einer umfangreichen Online-Fortbildung zur Digitalisierung teil. 

Überrumpelt von der raschen Entwicklung 

Man sei am 13. März von der neuen Entwicklung etwas überrumpelt worden, gab der Schulleiter der Grund- und Mittelschule in Bischofswiesen, Hans Metzenleitner, zu verstehen. Nachdem jedwede Ausführungsbestimmungen fehlten, berief Metzenleitner noch Abend eine Lehrerkonferenz ein. Danach nahm man schnell über WhatsApp-Gruppen und E-Mails Kontakt zum Elternbeirat und zu Eltern auf. Bei der Kommunikation zwischen Schule und Eltern spiele natürlich eine Rolle, ob es um Kinder der ersten Jahrgangsstufen oder um eine neunte Klasse gehe. 

Gerade bei der Abschlussklasse ergebe sich in Hinblick auf prüfungsrelevante Fächer eine besondere Situation. Für diese Schüler werden die Arbeitsunterlagen per Post versendet. Die Möglichkeit der Lernplattform »Mebis« sei zwar eine Option, in der Realität jedoch schwer durchführbar, weil man darin keine Erfahrung und auch nicht vorher geübt habe, so Metzenleitner. 

Rektorin Martha Kienzerle und Konrektorin Alexandra Busch von der Grundschule Berchtesgaden sprachen von einer bereitgestellten Notbetreuung. In einem Notfallplan wurde festgelegt, welche Lehrkräfte an der Schule zu sein haben. Mit den Grundschülern sei die Arbeit über die Online-Plattformen nicht möglich. Auf der Homepage der Schule werden deshalb Aufgaben für die Kinder aller Klassen eingestellt. Die Lehrer schreiben eine Art Wochenplan, der während der Woche abgearbeitet werden soll. In den Schulen seien Boxen aufgestellt, wo die abgearbeiteten Aufgaben abgegeben und sodann korrigiert werden. 

Nachdem die Schuleinschreibung für die ABC-Schützen wegen einer fehlenden einheitlichen Regelung letzten Dienstag abgesagt wurde, kam von der Regierung von Oberbayern eine Anweisung, wie die Schuleinschreibung zu erfolgen hat. Direktiven dazu erfolgen durch eine schriftliche Meldung an die betroffenen Eltern. Allerdings hängt alles davon ab, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt.

Prüfungen 2020

Berchtesgadener Land – Das Abitur in Bayern wurde aufgrund der Coronakrise auf den 20. Mai verschoben. An diesem Tag beginnen die Prüfungen. 

Schriftliche Prüfungen:

  • 20. Mai – Deutsch
  • 26. Mai – Mathematik
  • 29. Mai – 3. Prüfungsfach.
  • Mündliche Prüfungen: 15. bis 26. Juni.

Auch die Nachholtermine für die schriftlichen Abiturprüfungen werden so angesetzt, dass eine termingerechte Bewerbung für zulassungsbeschränkte Studiengänge möglich ist. Aufgrund der dynamischen Entwicklungen können weitere Veränderungen im 

Ablauf der Abiturprüfung nicht ausgeschlossen werden. 

Um 14 Tage verschoben werden auch die Prüfungstermine der Mittelschulen, Realschulen und Wirtschaftsschulen. 

Kultusminister Michael Piazolo bemerkte dazu abschließend: »Die aktuelle Situation ist eine Herausforderung für die ganze Schulgemeinschaft und erfordert flexibles Handeln. Wir müssen auf Veränderungen reagieren. Dabei müssen wir immer die Interessen der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen und die Belastungen für die Schulen im Blick behalten.«

Christian Wechslinger/fb 

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