Schlimmer als ein Jahrhundert-Hochwasser am Kreisverkehr

Bildtext einblenden
325 Kubikmeter Wasser pro Sekunde flossen am Abend es 17. Juli im Bereich des Bahnhofskreisverkehrs durch die Ache. Das ist mehr als bei einem Ereignis, das nur alle hundert Jahre auftritt. Der Anstieg des Wasserspiegels lag aber zumindest in diesem Bereich unter den Prognosen. (Foto: privat)
Bildtext einblenden
Der Sportplatz Breitwiese wurde am 17. Juli komplett überflutet. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Sehr komplex ist die Analyse der starken Niederschläge am Abend des 17. Juli, die ein Todesopfer forderten und massive Schäden hinterließen. Nach den Worten von Marktbürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden war es vor allem die räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge, die die teils erheblichen Überschwemmungen verursacht hatten. Wie der Rathauschef am Dienstag im Marktgemeinderat Berchtesgaden erläuterte, hatte das zeitgleiche Zusammentreffen der Flutwellen am Kreisverkehr Berchtesgaden zu mehr als einem Jahrhundert-Ereignis geführt. Der Anstieg des Wasserspiegels blieb allerdings zumindest an diesem Ort unter den prognostizierten Werten.

»Die starken Niederschläge in der Nacht von 17. auf 18. Juli waren nicht absolut ungewöhnlich. Es handelte sich insgesamt um Ereignisse, die sich alle 10 bis 20 Jahre wiederholen«, sagte Franz Rasp auf der Sitzung im AlpenCongress. Bemerkenswert sei aber die räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge gewesen. Erst regnete es einige Zeit leicht, dann setzte der Starkregen ein. Es habe, so Rasp, nur wenige Blaiken, aber einige massive großflächige Rutschungen wie beispielsweise am Grünstein gegeben. »Und es sind Bäche aufgetreten, wo vorher keine waren.«

Vor allem die räumliche Verteilung der Niederschläge hält Rasp für »hochinteressant«. So hätten sich die Höchststände der Bischofswieser und Ramsauer Ache sowie der Königsseer Ache, verursacht durch die massiven Wassereintritte aus dem Krautkasergraben und dem Klingerbach, genau am Bahnhofskreisverkehr in Berchtesgaden getroffen. Dort gab es mit 325 Kubikmetern pro Sekunde mehr als ein Jahrhundert-Hochwasser (300 Kubikmeter pro Sekunde). »Es ergaben sich dabei aber neue Erkenntnisse zu den Überschwemmungsgebieten«, sagte Rasp. Denn der Wasserspiegel blieb in den Bereichen Kreisverkehr, Bavariakreuzung bis hinunter zur Breitwiese unter den prognostizierten Werten. »Leider haben die Prognosen aber für die Bereiche Fußballplatz, unterer Teil Bergwerkstraße, Wiesenweg und Kläranlage gepasst«, sagte Rasp.

Die Schäden an den kommunalen Einrichtungen in Berchtesgaden, unter anderem an den Straßen, bezifferte der Bürgermeister auf 3 bis 3,5 Millionen Euro. »Über die Privatschäden haben wir allerdings keinen Überblick«, sagte er. In den Nachbargemeinden Schönau am Königssee und Bischofswiesen beliefen sich die Schäden der Kommunen auf jeweils über 10 Millionen Euro. Dazu kämen allerdings noch die Schäden an der Bahnstrecke und an den Bundesstraßen.

»Die Hilfsbereitschaft, auch von privater Seite, war enorm«, betonte Franz Rasp, der auch das »hervorragende Zusammenspiel« aller Einsatzkräfte lobte. »Das Engagement der Feuerwehr, aber auch des Bauhofteams war hervorragend«, betonte der Bürgermeister. »An dem Abend waren alle da.«

Leider musste Franz Rasp in seiner Bilanz auch einen Todesfall in einem Berchtesgadener Reihenhaus vermelden. Zu dem tragischen Unglück war es durch Hangwasser gekommen, »wo es zuvor noch nie Wasser gegeben hatte«. Das Opfer hatte sich im Tiefparterre des Hauses aufgehalten. »Natürlich versucht man irgendwie, sein Hab und Gut zu retten. Das ist durchaus zu verstehen«, erläuterte Rasp. »Und dann passiert es schnell, dass die Tür zufällt und aufgrund des Wasserdrucks nicht mehr aufzubekommen ist.«

Auch zwei Unfälle mit Kraftfahrzeugen erwähnte der Rathauschef. Zum einen war ein Lkw des Technischen Hilfswerks im Bereich Schießstättbrücke verunglückt, weil es vermutlich beim Bergabfahren zu einer Überhitzung der Bremsen gekommen war (wir berichteten). »Das Lagebild war zunächst dramatisch, weil zwei eingeklemmte Personen befreit werden mussten«, sagte Rasp. Letzten Endes seien aber beide mit relativ glimpflichen Verletzungen davon gekommen und hätten das Krankenhaus auch bereits wieder verlassen.Und dann hat es noch ein Gemeindefahrzeug erwischt, dass sich aus ungeklärten Gründen in Bewegung gesetzt hatte und schließlich umfiel. Die Insassen kamen glücklicherweise mit leichten Verletzungen davon.

Mittlerweile sind laut Franz Rasp über 1 Million Euro an Spenden eingegangen, die über die Gemeinden an die Betroffenen verteilt werden. »Jeder kann sich bei uns per Telefon oder E-Mail melden«, sagte er. Man werde auch Einzelschicksale begleiten, so weit das möglich sei. Rasp ermutigte die Betroffenen, Anträge zu stellen.

Wann alle infrastrukturellen Maßnahmen abgeschlossen sein werden, weiß Franz Rasp noch nicht zu sagen. Es stünden unter anderem noch Begehungen verschiedener Wildbäche an. Ulli Kastner

Mehr aus Berchtesgaden