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Die derzeitige Situation um die Corona-Krise bereitet den Standlbetreibern am Wochenmarkt in Berchtesgaden Sorgen. (Foto: Eva Goldschald)

Berchtesgaden – Es ist Freitag neun Uhr der Wochenmarkt am Weihnachtsschützenplatz ist gut besucht. Es fühlt sich eigentlich an wie immer, wenn die Händler an den Standln ihre kulinarischen Schmankerl anbieten. Frischer Käse aus Oberösterreich bei Kamran Naveed, Obst von Sebastian Oberholzner aus Wals, frisches Brot von der Bäckerei Niedermaier aus Ramsau. Und doch ist die Situation eine andere.


Seit dem 21. März gelten in Bayern die Ausgangsbeschränkungen. Raus darf man nur aus einem triftigen Grund: zum Einkaufen, Spazierengehen, um Sport zu treiben, um zu arbeiten oder Bedürftige zu pflegen. Obwohl der Einkauf am Wochenmarkt der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden also »legal« ist, geht man mit einem gemischten Gefühl hin. Immer im Hinterkopf: »Bloß keinem zu nahe kommen.«

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Am Weihnachtsschützenplatz läuft alles ab wie immer. Niemand wirkt nervös, auch die Anzahl der Besucher ist nicht ungewöhnlich gering. Am Platz finden sich allerdings überwiegend ältere Leute ein. Einen Mundschutz trägt fast niemand.

Ein bisschen anders

Am Brotstand der Bäckerei Niedermaier stehen die Leute kreuz und quer. Der Sicherheitsabstand wird eingehalten, wo die Warteschlange beginnt, weiß aber keiner so recht. Inmitten der nun schon sternförmigen Schlange steht eine ältere Frau. Sie trägt eine Brille, hat ihr Brotsackerl in der Hand: »Ich finde, man darf sich nicht verrückt machen. Ich bin zwar alt, aber daheim einsperren kommt für mich auch nicht in Frage. Ich gehe jeden Tag eine Stunde spazieren. Beim Einkaufen halte ich natürlich immer genügend Abstand.«

Auf die Frage, wie es ihr denn sonst ginge, mit den Einschränkungen, sagt sie:« Ach, es ist schon schwer. Ich darf meine Enkel nicht sehen. Aber wir sehen uns über Video, Skype heißt das glaube ich. Das ist toll. Und so lerne ich bei der Technik noch was dazu auf meine alten Tage.« Trotzdem sei sie froh, wenn der ganze Spuk vorbei ist.

Der gleichen Meinung ist auch Gudrun Maier. Sie steht etwas mehr abseits. »Klar muss man aufpassen, aber trotzdem versetze ich mich jetzt nicht in Panik. Das, was schwer fällt, ist natürlich, dass ich meine Kinder nicht wirklich sehen kann. Aber jetzt hat man dafür mehr Zeit für kleinere Bergwanderungen.«

Nicht so einfach

Weniger sorglos sehen es die Standbetreiber selbst. Sebastian Oberholzner vom Gemüsebau Oberholzner in Wals ist mit seinem Stand endlich wieder da. Für ihn und seine Mitarbeiter ist es seit der Grenzschließung nicht mehr so einfach. »Wir kommen rüber, je nachdem, wer an der Grenze bei Marktschellenberg steht. Wir haben jetzt zwar eine Genehmigung vom Veranstalter des Wochenmarktes, aber eine Garantie ist das trotzdem nicht. Vor zwei Wochen mussten wir wieder umdrehen.« Die Zeit sei für ihn zwar schwierig, aber nicht so tragisch. »Schlimmer trifft es die Gastronomen. Denen geht ein Großteil ihrer Einnahmen flöten. Zumindest können sie die teilweise durch Lieferungen wieder einholen.«

Ähnlich geht es auch Kamran Naveed. Der Pakistani ist mit seinem Käsestand jede Woche hier, kommt aus Freilassing und muss nicht über eine Grenze. »Vor zwei Wochen war es sehr verrückt«, sagt er. »Es kamen fast keine Leute zum Markt, weil sie einen Tag zuvor schon alles eingekauft hatten. Das war kurz nach der Verkündung von Ministerpräsident Markus Söder. Da wurden alle panisch. Für uns war das schon hart und auch beängstigend.« Insgesamt liefe es für ihn aber gut. Nach diesem kurzen Tief kämen immer noch etwa 80 Prozent der Besucher, die sonst auch da sind. Das sei ok.

Am härtesten trifft es Barbara Cramer von der gleichnamigen Gärtnerei. Im Frühling liefe das Hauptgeschäft, die Leute bereiten ihre Gärten und Balkone für den Sommer vor, säen Gemüse, pflanzen Blumen. Cramer liefert zwar nach Hause oder die Leute dürfen bei ihr vorbestellen und Pflanzen, Erde und Co. bei der Gärtnerei abholen. Dasselbe wie sonst sei es natürlich nicht. »Man möchte das, was man kauft, ja vorher ansehen, durch die Gärtnerei schlendern, sich Inspiration holen. Das geht jetzt nicht.« Sie und ihre Mitarbeiter arbeiten Vollzeit, da die Pflanzen trotzdem versorgt werden müssen. »Die Einnahmen vom normalen Frühlingsgeschäft fehlen uns aber ganz enorm.« Der Verkauf am Wochenmarkt ist nur ein kleiner Trost für die Floristin. Hier kann Barbara die Leute zumindest ein wenig beraten und kleinere Geschäfte abwickeln.

Auf den ersten Blick ist am Wochenmarkt alles wie immer. Die Stände sind gut besucht, Leute unterhalten sich, machen Scherze und tauschen sich aus. Und doch liegt ein leichtes Unbehagen in der Luft. Niemand steht eng beieinander, umarmt sich zur Begrüßung oder zum Abschied. Die Situation ist eben doch eine andere. Der Wochenmarkt am Weihnachtsschützenplatz findet nach wie vor jeden Freitag von 8 bis 12 Uhr statt. Eva Goldschald

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