Polizeipräsident: »Mehr Delikte in Sachen Kinderpornografie«

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Der Sicherheitsbericht für den Landkreis liegt nun in aktueller Fassung vor. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Mit insgesamt »guten« Zahlen hat Robert Kopp, Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, den Sicherheitsbericht für den Landkreis Berchtesgadener Land im Landratsamt vorgestellt. »Das Berchtesgadener Land ist ein sicherer Ort.« So stieg die Anzahl der Straftaten im vergangenen Jahr zwar, von 4 648 (2019) auf 4 926 Fälle. Rechnet man ausländerrechtliche Delikte mit ein, liegt die Zahl bei 8 661. »Wir befinden uns aber auf gleichbleibendem Niveau«, sagte Kopp. Beunruhigend ist hingegen die Zunahme von Sexualdelikten im Bereich der Kinderpornografie. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen diese um über 40 Prozent zu.


Sicherheitslage im Landkreis »gut«

In Sachen Kriminalstatistik wurden 2020 6 396 Tatverdächtige ermittelt (2019: 5802). Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen lag bei 4 902 beziehungsweise 76,6 Prozent. 3 685 davon seien Zuwanderer gewesen (2019: 3103). Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter den Tatverdächtigen lag bei 1 246 beziehungsweise 19,5 Prozent.

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Landrat Bernhard Kern attestierte dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd »eine von gutem Austausch geprägte Arbeit«. Die Polizeidienststellen im Landkreis seien gut aufgestellt. Das vergangene Jahr sei herausfordernd gewesen, sagte Kern. Die Sicherheitslage im Berchtesgadener Land sei aber weiterhin gut. Besser als in den meisten Regionen des Freistaats, bilanzierte Präsidiumsleiter Robert Kopp. Die Bilanz des vergangenen Jahres sei »vorzeigbar und gut«, obwohl die Herausforderungen »komplex« seien.

40 Einsätze pro Tag

14 676 Einsätze waren im Jahr 2020 durchgeführt worden, weniger als 2019. Pro Tag sind das rund 40 Einsätze. Eine steigende Tendenz stellt Robert Kopp in Sachen Versammlungen fest. Für das vergangene Jahr zählt man beim Polizeipräsidium 64 im Landkreis – Tendenz steigend. Gegen die Einhaltung von Mindestabständen und das Tragen von Masken habe es immer wieder Verstöße gegeben, die geahndet wurden. Personen aus dem Spektrum der Querdenker hatten bei unterschiedlichen Versammlungen Anlass für Kontrollen gegeben. »Für uns als Polizei ist das ein völlig neues Tätigkeitsfeld in großer Dimension.«

34 300 Mal kontrollierten Polizisten »mit Augenmaß, aber notwendiger Konsequenz« – Corona stand dabei häufig im Vordergrund. Die Prämisse der Polizeibeamten: »mögliche Infektionsketten zum Abreißen zu bringen.« Wer fünf Minuten nach Ausgangssperre mit dem Auto auf der Straße unterwegs gewesen sei, musste laut Kopp aber nichts befürchten. »Wer aber eine illegale Partei schmeißt, dem können wir nicht helfen, da müssen wir hinschauen und handeln«, sagte der Präsidiumsleiter.

Insgesamt gesehen lag die Aufklärungsquote bei 74,6 Prozent, teilte Robert Kopp mit, »das ist der höchste Stand in den vergangenen zehn Jahren«. Bayernweit liege die Quote bei 66, deutschlandweit bei 57 Prozent. Von vier Personen würden drei gefasst: »Wenn sich jemand Sorgen machen muss, dann die Täter«, schlussfolgerte Kopp, der Lob übrig hatte für die Sicherheitswachten in Reichenhall und Freilassing. Er bezeichnete diese als »verbindendes Element« im Bereich der Sicherheit.

Rückgang bei Diebstählen und Einbrüchen

Bei einfachem und schwerem Diebstahl verzeichnet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Landkreis einen Rückgang, den höchsten seit zehn Jahren. 974 Taten zählten die Polizeibeamten (2019: 1071). Auch Wohnungseinbrüche wurden in geringerem Maße gezählt (2020: 25; 2019: 30) Die Gewaltkriminalität verharre auf gleichbleibendem Niveau »wie vor fünf Jahren« (2020: 130/2019:131) Schwere Körperverletzungen zählte die Polizei in 102 Fällen. 641 Rauschgiftdelikte gab es, viele davon wurden an der Grenze festgestellt. 2015 waren es nur 200 Fälle. Ein Tötungsdelikt stellte die Polizei fest. 2019 waren es noch vier. Eine Zunahme von Fällen verzeichnete Kopp bei der Straßenkriminalität (2020: 663; plus 9,4 Prozent), bei Vermögens- und Fälschungsdelikten (2020: 881; plus 19,1 Prozent) und bei in Zusammenhang mit der Zuwanderung stehenden Vergehen nach den strafrechtlichen Nebengesetzen (2020: 4 667; plus 12,1 Prozent). In Bad Reichenhall konnte eine Serie mehrerer Delikte aufgeklärt werden.

29 Kinderporno-Straftaten im Landkreis

Einen hohen Anstieg stellt Robert Kopp bei Straftaten im Bereich der Kinderpornografie fest. 29 Straftaten hatte es im Landkreis gegeben. »Das ist ein neues Phänomen, das hier aufschlägt.« Das Internet ermögliche es, an Dinge zu gelangen, die niemand nutzen sollte. Selbst unter Jugendlichen sei die Thematik präsent. »Wir werden uns anders aufstellen müssen, denn die Entwicklung ist nicht unproblematisch«, so der Polizeipräsident. Hinter jedem Fall stehe ein sexuell missbrauchtes Kind.

Keine eigenen Zahlen für den Landkreis gibt es im Bereich der häuslichen Gewalt. Erfasst werden Sachverhalte, die thematisch zutreffend sind – allerdings gilt die Zahl von 1 723 präsidiumsweit. 78,9 Prozent der von häuslicher Gewalt Betroffenen seien weiblich gewesen. »Dramatisch ist, dass bei 41 Prozent der Fälle Kinder mit im Spiel waren«, sagte Robert Kopp.

Landrat Bernhard Kern kündigte an, demnächst eine Wohnung im Landkreis bereitstellen zu wollen, in der Betroffene unterkommen können. Kopp sagte, Straftaten im Internet würden häufiger begangen und zunehmend zum Problem. »Man muss ehrlich sein: Es werden nicht alle Fälle zur Anzeige gebracht.« Das Internet öffne Menschen Tür und Tor, dennoch sei jeder Einzelne auf sich gestellt, etwa keine Passwörter herauszugeben und darauf zu achten, worauf man klicke.

Grenzen ziehen wolle Kopp vor allem in sozialen Medien: »Hasspostings nehmen zu.« Es dürfe nicht sein, dass Menschen im Internet gehetzt werden. Zudem steige linker, rechter und religiös motivierter Extremismus. »Es ist eine Situation, auf die wir achtgeben müssen.« Auch Landrat Kern zeigte sich überzeugt davon, »nicht alles hinnehmen zu müssen«.

Verkehrsunfälle rückläufig

Auf rückläufigem Niveau befinde sich pandemiebedingt die Zahl an Verkehrsunfällen. Auf den Straßen wurde deutlich weniger Verkehr verzeichnet, vor allem zu Beginn der Pandemie. Zu 2 505 Verkehrsunfällen kam es im Jahr 2020. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von 652 Verkehrsunfällen. 586 Unfälle wurden wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort erfasst (2019: 789). 2020 haben vier Personen im Straßenverkehr ihr Leben verloren, darunter ein Fußgänger, ein Radfahrer, ein Motorradfahrer sowie ein Pkw-Fahrer.

Kilian Pfeiffer

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