Mitglieder halten der Alpenvereinssektion Berchtesgaden die Treue

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Blicken trotz weitgehend ruhender Vereinsaktivitäten und geschlossener Kletterhalle positiv in die Zukunft (v.l.): 1. Vorsitzender Beppo Maltan, Gabi Schieder-Moderegger, die die Hüttenwirte beim Corona-Konzept unterstützte, sowie 3. Vorsitzender und Kletterhallenreferent Gerhard Benischke. (Fotos: Ulli Kastner)
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Mit einem neuen Folder will die Sektion mehr Bergsteiger auf den Untersberg locken und damit das Steinerne Meer entlasten.

Berchtesgaden – Fast ein wenig sehnsüchtig blickt man bei der Alpenvereinssektion Berchtesgaden auf die wenigen Wochen im Sommer zurück, als gemeinsame Bergtouren, Kurse und Klettern in der vereinseigenen Halle im Bergsteigerhaus Ganz weitgehend möglich waren. Aktuell ist die Situation im größten Verein des Landkreises wieder so wie im Frühling: Es geht fast nichts mehr. Immerhin halten die rund 11 600 Mitglieder dem Verein größtenteils die Treue. »Es gibt nicht mehr Austritte als sonst. Und insgesamt wächst der Verein – vielleicht ein wenig langsamer – weiter«, sagt Geschäftsstellenleiterin Christine Graßl.

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Genau an dem Tag, an dem die Sektion im März letzten Jahres ihre Jahreshauptversammlung 2020 abhalten wollte, wurde der erste Corona-Fall im Berchtesgadener Land bekannt. Nach der Absage der Versammlung konnte man die Mitglieder das ganze Jahr über lediglich über die Homepage und Social Media informieren. Dieser Tage soll aber der neue Jahresbericht mit allen Aktivitäten des abgelaufenen Jahres erscheinen. »Und wenn es die Lockerungen zulassen, haben wir die nächste Hauptversammlung für Mai geplant«, erklärt Christine Graßl. Auf dem Programm stehen unter anderem Neuwahlen. Die Vorstandschaft will wieder antreten, allerdings soll es für einige die letzte Wahlperiode sein. Auch Beppo Maltan, seit 15 Jahren 1. Vorsitzender der Sektion, denkt in drei Jahren an einen Rückzug. Offiziell gewählt werden sollen auf der Hauptversammlung auch die Referenten Öffentlichkeitsarbeit (Daniel Hrassky) und Tourenwesen (Jörg Fegg). Und die im letzten Jahr ausgefallenen Mitgliederehrungen will man unbedingt nachholen.

Tourenprogramm ruht

Aktuell aber ist man davon noch weit entfernt. Im Bergsteigerhaus Ganz mit angegliederter Kletterhalle, wo das Vereinsleben normalerweise geradezu pulsiert, wo gemeinsam geklettert, diskutiert, ausgebildet und auch gefeiert wird, herrscht derzeit absolute Stille. Lediglich die verbliebenen Mitarbeiter(innen) in der Geschäftsstelle kommen an einigen Stunden pro Woche ihrer Verwaltungsarbeit nach, die auch in Corona-Zeiten getätigt werden muss. Obwohl die Geschäftsstelle zweimal wöchentlich einen halben Tag für Besucher geöffnet ist, kommt fast niemand. »Es lässt sich alles per E-Mail und Telefon regeln«, weiß Christine Graßl. Sie und ihre Mitarbeiter(innen) in der Geschäftsstelle haben unter anderem mit dem Jahresabschluss aktuell genug zu tun, die Kletterhallen-Beschäftigten aber bekamen die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren.

Es gibt Kurzarbeit und die 400-Euro-Kräfte wurden gänzlich ausgestellt. Natürlich ruht derzeit auch das komplette Tourenprogramm. So war es auch schon im Frühling bei der ersten Corona-Welle. Da denkt man derzeit gerne an den Sommer zurück, in dem man – im erlaubten Rahmen – wenigstens einige Wochen lang gemeinsam in die Berge gehen konnte. »Vor allem unsere etwas älteren Mitglieder in der Mittwochsgruppe waren sehr aktiv«, weiß Christine Graßl. Sogar das Dreitausender-Projekt mit der Besteigung von Wildem Freiger, Larmkogel und Schwarzenstein konnte von Sektionsmitgliedern realisiert werden. Der Kletterkader war viel am Fels unterwegs, die Mountainbiker erkundeten unter anderem das Karwendelgebirge. »Es war vieles zumindest weitgehend normal. Aber Mitte Oktober war es dann schlagartig vorbei, alles musste runtergefahren werden«, erinnert sich Christine Graßl. Dabei hätte die Reise nach Sizilien mit Wanderungen auf den Liparischen Inseln und einer Besteigung des Vulkans Stromboli noch ein richtiger Höhepunkt des Bergsteigerjahres 2020 werden sollen.

Bei der Sektion geht man davon aus, dass das Tourenprogramm noch länger ruhen wird. »Im April oder Mai könnte es sich vielleicht langsam ein wenig normalisieren«, schätzt Christine Graßl. Dann wird man sehen, ob die Engadin-Durchquerung stattfinden kann. Geplant wären unter anderem auch Mountainbike-Kurse auf Kühroint, Kletterausbildungen, Familientouren sowie eine viertägige Mountainbiketour durch die Schweiz und Touren in der Bernina und den Walliser Alpen. Fernreisen hat man schon gleich gar nicht angesetzt.

Corona-Unterstützung für die Hüttenwirte

Bei den sektionseigenen Berghütten geht 1. Vorsitzender Beppo Maltan davon aus, dass die bevorstehende Saison ähnlich verlaufen wird wie die letztjährige. Nur gut 50 Prozent der sonst üblichen Übernachtungen konnten im letzten Jahr verbucht werden. »Die Buchungsanfragen konnte bei weitem nicht erfüllt werden«, weiß Gabi Schieder-Moderegger, die zusammen mit den Hüttenwirten die Corona-Auflagen umsetzte. »Es war wirklich eine super Zusammenarbeit mit den Hüttenwirten«, betont Gabi Schieder-Moderegger. Das sieht auch 1. Vorsitzender Beppo Maltan so: »Die Hüttenwirte waren für die Hilfe auch sehr dankbar, denn die immer wieder neuen Regelungen waren nur schwer durchschaubar.« Bei der Ausarbeitung des Corona-Konzepts war die Sektion Berchtesgaden sogar federführend, denn DAV-weit gab es so etwas bislang nicht. Dass keine Corona-Fälle auf den Hütten auftraten, ist für Beppo Maltan eine Bestätigung der guten Vorarbeit. Nur einmal brauchte man am Kärlingerhaus das vorgeschriebene Isolationszimmer, weil es einen Verdachtsfall gab. Doch das Testergebnis war schließlich negativ.

Daniel Hrassky, Referent für Öffentlichkeitsarbeit in der Sektion, kann der reduzierten Betriebsamkeit auf den Berghütten sogar etwas Positives abgewinnen: »Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn sich der Massentourismus etwas mehr in Richtung Qualitätstourismus entwickelt.« Um das Gebiet Funtensee und Steinernes Meer in dieser Hinsicht ein wenig zu entlasten, gab die Sektion Berchtesgaden jetzt auch einen Folder heraus, der eine neu ausgearbeitete Untersbergrunde beschreibt und vor allem zusätzliche Besucher ins aufwändig sanierte Stöhrhaus ziehen soll. Die Vier-Tages-Tour führt von der Hintergern zum Stöhrhaus, dann über die Toni-Lenz-Hütte hinüber zum Zeppezauerhaus. Am dritten Tag geht es über den Salzburger Hochthron zurück zum Stöhrhaus und am letzten Tag über den Scheibenkaser und die Almbachklamm hinaus zur Kugelmühle.

Hallenkletterer müssen pausieren

Traurig über den aktuellen Lockdown sind vor allem auch die zahlreichen Kletterer in der Region, die normalerweise tagtäglich Leben ins Bergsteigerhaus Ganz bringen. Die fehlen im Moment ganz besonders, denn klettern dürfen aktuell nur die jungen Athleten des Bayerischen Landeskaders im Rahmen von Einzeltrainings. Ansonsten sind in der Kletterhalle aktuell nur die Routenschrauber aktiv, damit den Sportlern bei einer Wiedereröffnung der Halle ein großes Spektrum an neuen Linien geboten werden kann.

Natürlich blieb im letzten Jahr mit den beiden Lockdowns die Zahl der Kletterhalleneintritte deutlich hinter den Erwartungen zurück. »2019 war mit 33 000 Eintritten unser bestes Jahr. im Letzten Jahr hatten wir nur 18 000 Eintritte«, sagt 3. Vorsitzender und Kletterhallenreferent Gerhard Benischke. Dabei verlief der Sommer nach der abschnittsweisen Wiedereröffnung ab Mai eigentlich ganz gut. Aber der erneute Lockdown im Oktober machte alle Hoffnungen auf einen versöhnlichen Jahresabschluss zunichte. Nun hofft man in der Sektion auf entsprechende Finanzhilfen, mit denen die Einnahmeausfälle wenigstens zum Teil kompensiert werden könnten. Sehr hilfreich waren da die Finanzspritzen vonseiten des DAV-Bergsportfachverbands Bayern, mit denen zur Unterstützung der Nachwuchskletterer zahlreiche neue Klettergriffe für den Routenbau angeschafft werden konnten. Denn aufgrund der angespannten Finanzlage in der Sektion herrscht seit mittlerweile zwei Jahren für die Kletterhalle eine Haushaltssperre.

»Corona-Variante« für den »Jennerstier«?

Ein wenig Hoffnung hat man aktuell in der Sektion noch, was die Durchführung des »Jennerstiers« in diesem Winter betrifft. Zwar kann wohl nicht wie in den letzten Jahren ein kombinierter Skibergsteiger-Wettkampf für Spitzen- und Breitensport durchgeführt werden. Aber man denkt derzeit an eine neue Variante. Man könnte Ende Februar an zwei oder drei Tagen eine Strecke zwischen Tal- und Mittelstation einrichten, in der sich die Breitensportler zu beliebiger Zeit zwischen 9 und 17 Uhr mit Zeitnahme messen können. Für die Spitzensportler könnte dann am 20. März ein eigenes Vertical-Rennen zur deutschen und österreichischen Meisterschaft mit zirka 50 Teilnehmern ausgeschrieben werden. Aber all das steht derzeit noch in den Sternen. Ulli Kastner

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