Landkreis will Kapazitäten ausweiten

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Das Gymnasium Berchtesgaden wäre aktuell für die Installation einer PV-Anlage geeignet. (Archivfoto: Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Der Landkreis Berchtesgadener Land ist seit 20 Jahren einem »integrierten Klimaschutzkonzept« verpflichtet. Dabei soll die Energieversorgung zur Gänze auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Dem Kreisausschuss für Umweltfragen, Energie, Landkreisentwicklung und Mobilität wurde jetzt ein Sachstandsbericht mit einem Ausblick auf weitere geplante Projekte vorgelegt. Nicht alle Gebäude kommen für eine Erweiterung der Photovoltaikanlagen (PV) infrage.


Insgesamt verzeichnet der Landkreis aus seinen Liegenschaften einen Stromertrag von 1 880 MWh und deckt damit bereits heute den Stromverbrauch seiner gesamten Liegenschaften aus PV-Anlagen ab. In den Fokus rücken nun ungenutzte Potenziale aller Dachflächen der kreiseigenen Gebäude mit einem Stromertrag von bis zu 1 348 690 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a). Der Kreisausschuss stimmte der Planung einhellig zu.

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Veronika Schmidtner, Projektmanagerin für Energie, Klimaschutz und Mobilität in der Stabstelle Landkreisentwicklung, führte die Liegenschaften und ihre Potenziale im Einzelnen auf. Aktuell hätten nur fünf von zwölf Gebäuden des Trägers Berchtesgadener Land das nötige Potenzial zum Anschluss der PV-Anlagen. Sie sollen auf ihre statische und wirtschaftliche Eignung geprüft werden.

Davon betroffen sind das Sonderpädagogische Förderzentrum St. Zeno in Bad Reichenhall, die Staatliche Realschule für Knaben in Freilassing, die Landwirtschaftsschule in Laufen, das Karlsgymnasium in Bad Reichenhall und das Gymnasium Berchtesgaden. An Haushaltsmitteln stehen 5 500 Euro im Jahr 2021 zur Verfügung.

Für 2022 müssen noch 2700 Euro eingeplant werden, wobei der Aufwand für eine statische Prüfung des Gymnasiums in Berchtesgaden noch unklar sei. Bei allen anderen Gebäuden sei aufgrund ihrer Lage, wegen des Denkmalschutzes oder statischer Gegebenheiten eine weitere Prüfung nicht sinnvoll. Das Gebäude des Landratsamtes werde im Rahmen des Neubaus mit einer PV-Anlage versehen.

Klimaschutzmanager Manuel Münch bekräftigt, »es gilt sinnvolle Größen zu finden und man muss entscheiden, ob der Landkreis selbst die Anlagen errichtet oder sie für Energiegenossenschaften oder andere Firmen zur Verfügung stellt«. Kreisrat Simon Köppl (Grüne) bedauerte mehrfach, dass ein Antrag seiner Partei im März 2021 nicht zum Tragen komme, weil die Darlegungen des Sachstandsberichtes des Landratsamtes sich vollumfänglich damit decken würden. »Man muss an dem Thema dranbleiben und darf sich keine Denkbarrieren auflegen«, sagte er.

Daniel Längst (FW) hakte nach, ob es denn noch andere Deponien gebe, die sich für PV-Anlagen eignen. Landrat Bernhard Kern verwies auf die alte, seit Jahrzehnten stillgelegte Deponie in den Marzoller Auen in Bad Reichenhall. Manfred Hofmeister (BLR) informierte, dass vor einigen Jahren bereits die Stadtwerke Bad Reichenhall angefragt hatten und der Betrieb als unwirtschaftlich gewertet worden war. Vor allem die hohen Kosten für die Verlegung von Leitungen war ein großes Hindernis gewesen. Landrat Bernhard Kern bat Manuel Münch um ein Telefonat mit der Stadt.

Johann Niederstrasser (FW) ist die Stromausbeute zu niedrig angesetzt. Manuel Münch relativierte, dass bei bestehenden Dachneigungen der Winkel hin zur Sonneneinstrahlung nicht so optimal angepasst sei, wie etwa bei Anlagen auf einer Freifläche. Sven Kluba (CSU) lobte die Vorbildfunktion des Landkreises. »Es sollte für Vereine und Firmen ein Signal sein, selbst aktiv zu werden.«

Gerd Spranger

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