»Klimaneutral leben – hier und heute« – Online-Vortrag in Kooperation mit der VHS Rupertiwinkel

Bildtext einblenden
Dr. Lucia Jochner-Freitag gab den rund 40 Teilnehmern ihres Vortrags Tipps für ein klimaneutrales Leben. Foto: JML

Berchtesgadener Land – Im Rahmen des Interreg-Projekts »Grenzenlos Nachhaltigkeit lernen« organisierte die Biosphärenregion Berchtesgadener Land gemeinsam mit der VHS Rupertiwinkel einen Online-Vortrag zum Thema »Klimaneutral leben – von der Theorie in die Praxis«, an dem rund 40 Interessierte teilnahmen.


Die Referentin Dr. Lucia Jochner-Freitag erläuterte zuerst die wichtigsten Hintergründe zum Thema Klimawandel, um dann konkrete Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen. Anhand der Temperaturentwicklung auf der Erde in den vergangenen 12 000 Jahren zeigte sie, dass bis heute die weltweite Durchschnittstemperatur um 1 Grad Celsius zugenommen hat. Dabei betonte die Landschaftsökologin, dass das Einhalten der 1,5 Grad-Grenze entscheidend ist, um das Überschreiten sogenannter Kipppunkte des Klimasystems der Erde und damit eine sprunghafte Änderung unseres Klimas zu verhindern.

Laut aktuellen Zahlen setzt der deutsche Durchschnittsbürger pro Jahr 11,2 Tonnen CO2-Äquivalente frei. Auf individueller Ebene könne man aber heute schon klimaneutral und gut leben. Jochner-Freitag empfiehlt, zunächst mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes den eigenen CO2-Fußabdruck zu ermitteln und mit diesem Werkzeug Einsparpotenziale zu entdecken. Das Konzept des klimaneutralen Lebens biete hier in zwei aufeinander aufbauenden Schritten eine gute Hilfestellung: Erstens die Vermeidung und Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen und zweitens die Kompensation des unvermeidbaren Anteils.

Relevant für den eigenen ökologischen Fußabdruck sind laut der Ökologin vor allem die vier großen Bereiche Wohnen, Mobilität, Ernährung und sonstiger Konsum. Im Bereich Wohnen machen Heizung und Strom den Großteil der Emissionen aus. Durch Gebäudedämmung und Einbau einer klimafreundlichen Heizung können große Mengen an CO2 eingespart werden. Schneller und kostengünstiger umzusetzen sind kleinere Maßnahmen, wie zum Beispiel der Wechsel zu Ökostrom und die Absenkung der Wohntemperatur um ein Grad Celsius.

Beim zweiten großen Thema, Mobilität, sagte die Referentin, man sollte das Auto, so oft es geht, stehen lassen und lieber den Bus, die Bahn oder das Fahrrad nutzen. Viel bringt der Verzicht auf Flugreisen und Kreuzfahrten, die große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase freisetzen. Auch die Ernährung kann klimafreundlich gestaltet werden. Wer den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung folgt und nur ein bis zweimal pro Woche Fleisch isst, spart ein Fünftel der Treibhausgase im Vergleich zu einer fleischbetonten Ernährung ein. Sich frisch, regional, saisonal und womöglich mit ökologisch angebauten Lebensmitteln zu ernähren, ist ebenfalls gelebter Klimaschutz.

Beim vierten Punkt Konsum sollte das »Kaufen« als letztes kommen. Bei jedem Kaufwunsch sei es ratsam, zu überlegen, ob das Produkt wirklich benötigt wird und wenn ja, ob man es nicht ausleihen kann. Gute Ideen sind auch, Dinge zu reparieren und der Kauf von gebrauchten Gegenständen.

Der zweite Schritt auf dem Weg zu einem klimaneutralen Leben ist die Kompensation der unvermeidbaren Emissionen. »Eine gute Wahl ist die Unterstützung von mit dem Goldstandard zertifizierten Anbietern«, so die Vortragende. Die Kompensation von einer Tonne CO2 kostet projektabhängig etwa 25 Euro. Beispiele dafür sind Aufforsten in Deutschland, Solaranlagenbau in Afrika oder Bereitstellen von energieeffizienten Kochern in Indien.

Zum Schluss sprach Dr. Lucia Jochner-Freitag die Einladung aus, sich auf den Weg zu einem klimaneutralen Leben zu machen. fb

Mehr aus Berchtesgaden