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»Jede technische Frage kann gelöst werden«

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Ablenkung von der Politik: Roman Niederberger beim »RupertusThermen-Lauf«. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Digitalisierung, Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt: Für den SPD-Kreisvorsitzenden Roman Niederberger sind das die aktuellen Herausforderungen im Berchtesgadener Land. Deshalb will der Sozialdemokrat Landrat werden.


Roman Niederberger trat 1990 der SPD bei. »Es war eine bewusste Entscheidung.« Damals schaute sich Niederberger die verschiedenen Parteiprogramme an. Besonders überzeugt hat ihn die SPD. Drei Themen standen für ihn im Einklang: wirtschaftliche Stärke, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz. 2002 kandidierte Niederberger als Bürgermeister für die Gemeinde Piding, scheiterte aber. Von 2002 bis 2008 war er im Gemeinderat Piding. Seit zwölf Jahren ist er nun Kreisvorsitzender der SPD Berchtesgadener Land.

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Niederberger will aus zwei Gründen Landrat werden: »Ich habe die Erfahrungen durch meinen Beruf und aus verschiedenen Ehrenämtern.« Von 1988 bis 1990 machte der Sozialdemokrat eine Ausbildung im Mittleren Dienst im Finanzamt Berchtesgaden. 2006 wurde Niederberger Sachgebietsleiter beim Finanzamt Laufen und seit 2017 ist er Oberregierungsrat im Finanzamt Traunstein. »Das Landratsamt ist vergleichbar mit einer großen Behörde.« Als Beamter kenne er bereits die Strukturen. »Das Amt bedeutet eine große Verantwortung. Es ist nicht zu unterschätzen und ich bin nicht seit gestern in der Politik.«

»Kein Blick auf den Lohnzettel«

Unter dem Motto »Zsamhoitn« soll der soziale Zusammenhalt gefördert werden. »Alle sollen das Gefühl haben: Wir brauchen einander.« Niederberger will den gesellschaftlichen Zusammenhalt glaubwürdig verkaufen. Ihm sei die Zusammenarbeit mit Menschen wichtig, nicht die Bezahlung. »Ich schaue nicht auf den Lohnzettel.« Stattdessen will er den Bürgern zeigen, dass jede Berufsgruppe wertgeschätzt werden muss.

Niederberger hat soziale Berufe ausprobiert. Sei es für »Felicitas«, »AWO« oder »Diakonie«: Er hat beispielsweise eine Schicht als Pfleger mitgearbeitet. »Erst dadurch bekommt man einen Eindruck. Pfleger und Sozialarbeiter leisten enorm viel. Es waren anstrengende Tage«, erinnert er sich. Das Pflegepersonal müsse geschätzt werden. Ihm ist es deshalb auch ein Anliegen, die kommunale Verantwortung für Krankenhäuser zu übernehmen und diese zu fördern.

Niederberger gestaltet eine »sowohl als auch«-Politik. Ein Beispiel dafür sei das Thema Flächenverbrauch beim Wohnbau. »Wir dürfen die Wiesen nicht unnötig mit Wohnungen vollbauen. Der Klimaschutz darf nicht vernachlässigt werden.« Man müsse Wohnraum schaffen, ohne Grünflächen zu verschwenden.

Auch soziale Gerechtigkeit sei ein wichtiger Aspekt beim Wohnraum. »Andere sollen nicht das Gleiche durchmachen wie ich.« Der damals 18-Jährige lebte in München in einem Glasscherbenviertel in einer 16 Quadratmeter großen Wohnung.

Um den Klimaschutz zu fördern, will Niederberger öffentliche Verkehrsmittel stärken. Er pendelt seit 20 Jahren mit dem Bus oder mit der Bahn – bei gutem Wetter und kurzer Strecke ist er mit dem E-Bike unterwegs. »Ich war auch ein furchtbarer Autofahrer«, scherzt der 48-Jährige. Für den Landkreis sieht er Defizite im öffentlichen Verkehr. Er will das Angebot attraktiver gestalten: »Die B 20 ist ausgelastet wie eine Autobahn.«

Niederberger will, dass die Züge zwischen Berchtesgaden und Freilassing zunächst in einem halbstündigen Takt abfahren, in ferner Zukunft alle 15 Minuten. »Mehr Personen würden den öffentlichen Verkehr nutzen, wenn sie nicht eine Stunde auf den Zug warten müssten.« Viele kritisieren sein Vorhaben, da die Umsetzung technisch nicht möglich sei. »Jede technische Frage kann gelöst werden«, betont Niederberger.

»Ohne Visionen erreicht man keine Ziele«

Er will auch einen Radschnellweg zwischen Laufen und Schönau am Königssee etablieren und den ländlichen Bereich modernisieren. So setzt er sich für autonom fahrende Busse ein. »Ohne Visionen erreicht man keine Ziele. Als Landrat muss man Rückgrat haben.«

In der Freizeit geht Niederberger Laufen. Er nahm fast jedes Mal am »Rupertus-Thermen-Lauf« teil. »Es ist ein super Gefühl, wenn du nach einer langen Strecke das Ziel erreichst.« Zudem sammelt er leidenschaftlich Comics. Gerade »DC« und »Marvel« faszinieren ihn. »Früher bin ich als Nerd bezeichnet worden. Heute sind manche Filme aus den Comics auf Platz 1 in den Kinohits.« Seine Begeisterung spiegelt sich in den Wahlplakaten wider. Darauf sind Comics abgebildet. Ein weiteres Kennzeichen ist seine rote Krawatte, die er in der Öffentlichkeit trägt. »Sie stellt einerseits die Farbe der Partei dar, andererseits erkennt man mich sofort.«

Sollte Niederberger nicht Landrat werden, war das seine letzte Kandidatur. Der 48-Jährige will den Wahlsonntag gemütlich angehen. Am Vormittag verbringt er Zeit mit seinen Eltern, am Nachmittag mit seinen Freunden. »Die Nervosität kann ich wahrscheinlich nicht abstellen.«

Patrick Vietze

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