Fällt der Weihnachtsurlaub ins Wasser? – Dehoga-Kreisvorsitzender Johannes Hofmann übt Kritik an Politik

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Als vor etwas mehr als einem Jahr der Lockdown ausgerufen wurde, war der Markt von Berchtesgaden wie leer gefegt. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – »Wir wurden hinters Licht geführt”, sagt der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands im Berchtesgadener Land Johannes Hofmann. Vor etwas mehr als einem Jahr mussten bereits Tausende Urlaubsgäste von einem auf den anderen Tag abreisen. »Nicht der erneute Lockdown ist ausschließlich das Schlimme, sondern eine Politik, die immer wieder versichert hat, dass es keinen weiteren Lockdown geben wird.«


Johannes Hofmann ist geimpft – bereits dreifach, wie er versichert. Er ist ein Impfbefürworter, das sagt er lieber gleich vorweg. »Solidarität mit der Gesellschaft ist wichtig«, erklärt er und schiebt nach: »Gesundheitliche Aspekte haben immer Vorrang.« Johannes Hofmann ist bekannt für klare Worte, selten nimmt er ein Blatt vor den Mund. Er ist das Sprachrohr für Gastronomen und Hoteliers im Landkreis, der deutschlandweit den längsten Lockdown seit Beginn der Corona-Pandemie hinter sich hat.

Die Saison ist zwar vorbei, Urlaubsgäste sind aber noch immer da und die Betriebe bereiten sich bereits auf das Weihnachtsgeschäft vor. Gastronomen und Hoteliers hatten nach dem ersten Lockdown schwer mit den Folgen zu kämpfen, verordneten Kurzarbeit, Mitarbeiter wechselten in andere Branchen, auch, weil Tourismusbetriebe nicht dafür bekannt sind, gut zu bezahlen. Angekündigte Tarifverhandlungen, sagt Johannes Hofmann, seien erst einmal vom Tisch.

»Gescheitert.« Denn kein Unternehmer könne unter diesen Bedingungen in die Zukunft blicken. Die Situation sei »schockierend und gravierend zugleich.« Unter den Mitgliedern der Dehoga herrsche eine regelrechte »Depression« vor. »Begründet ist der Frust und der Ärger auf der Hinhaltetaktik der Politik, Betriebe geöffnet zu lassen«, weiß Hofmann. Anhand dieser Auskunft sei in den Betrieben »viel Geld investiert, neue Arbeitsverträge abgeschlossen und eine Menge finanzieller Mittel in Werbung gesteckt worden«, sagt er. »Eine Politik, die sich ständig ändert, die Richtung wechselt und auf deren Aussagen kein Verlass ist, ist eine falsche Politik.« Während des ersten Lockdowns sei noch eine riesige Protestwelle losgetreten worden, die wöchentlich bei Veranstaltungen im gesamten Landkreis immer wieder für Aufmerksamkeit sorgte. Mittlerweile habe sich unter den Beteiligten eine Art Lethargie ausgebreitet, »eingebrockt durch Politiker, die versagt haben«.

Die Folge: »Die Gastgeberbranche ist wieder der Buhmann, obwohl unsere Hygienekonzepte bis ins Detail ausgearbeitet sind«, so Johannes Hofmann.

Der Großteil derer, die bis zuletzt als Gäste im Berchtesgadener Land weilten, fiel in die 2 G-Gruppe. Umso unverständlicher empfindet Johannes Hofmann die Maßnahmen: »Die, die genesen sind und sich impfen lassen haben, hätten die Möglichkeit haben sollen, bleiben zu dürfen.« Derweil sind aber die letzten Gäste aus den »Corona-Hotspots«, zu denen das Berchtesgadener Land zählt, abgereist – mindestens bis 15. Dezember ist alles geschlossen.

Besonders hart getroffen hat es ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen, berichtet der Kreisvorsitzende: Als vorvergangenen Oktober der Lockdown ausgerufen wurde, verbrachten sie den Urlaub gerade in Berchtesgaden, mussten tags drauf nach Hause abreisen. »Das Paar war nun wieder zu Gast im Talkessel, erneut kam die Ankündigung des Lockdowns während ihres Aufenthalts. Mittlerweile haben die beiden die Heimreise angetreten. Ob sie einen dritten Versuch wagen werden? Das kann sich Johannes Hofmann kaum vorstellen.

Er vermutet, dass sogar die touristenstarke Weihnachtszeit in Gefahr sei. Etliche Hotels beklagen Stornierungen wegen der jüngst angekündigten Verschärfung der Maßnahmen und der seit Tagen auf hohem Niveau befindlichen Inzidenzen von über 1 000. Das Berchtesgadener Land und die grenznahen Nachbarlandkreise rangieren seit Tagen in dunklem Lila auf den Corona-Karten.

Der Dehoga-Kreisvorsitzende befürchtet deshalb Teilstornierungen: Wenn ein Gast heute seinen Weihnachtsurlaub storniert, würde er zur Kasse gebeten, »für den Hotelier bestünde Recht auf Schadenersatz«, erklärt Johannes Hofmann. »Vom Gesetzgeber ist das bislang alles noch nicht final geregelt, weder Unternehmer noch Gast wissen Bescheid«, sagt er.

Die Dehoga sei stark dahinter, dass die Mitglieder, Hoteliers und Gastronomen, wieder staatliche Hilfsgelder beantragen. »Das dürfte dieses Mal deutlich schneller gehen, weil das Prozedere bereits bekannt ist«, erwartet Johannes Hofmann. Um Planungssicherheit für die Zukunft zu erhalten, sei die Politik aufgefordert, schnellstmöglich zu liefern. Die Branche könne sich unsichere Zeiten nicht erlauben.

Kilian Pfeiffer

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