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Es gibt keinen »Schuldigen« für massiven Ausbruch im BGL – »Maßnahmen für viele Eltern eine bittere Pille«

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Vielen Fragen der Medienvertreter musste sich unter anderem Landrat Bernhard Kern (Mitte) stellen. (Foto: Gabriel)

Berchtesgadener Land – Die verschärften Corona-Maßnahmen im Berchtesgadener Land gelten seit Dienstag, 14 Uhr. Bernhard Kern, Landrat des Berchtesgadener Landes, hat am Nachmittag eine weitere Pressekonferenz einberufen, um alle Anfragen der Medien gebündelt beantworten zu können. Um die 50 Medienvertreter aus Deutschland und Österreich füllten den Saal des Landratsamtes in Bad Reichenhall.


Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamtes, reagierte auf eine mehrmalige Anfrage der Bild-Zeitung zu einer Party und dem Geschehen in einer Shisha-Bar ungehalten: »Sie werden Ihre Schlagzeile von mir nicht bekommen. Es gibt keinen Schuldigen.«

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Tenor der Pressekonferenz: Die Maßnahmen sind wichtig, um das Infektionsgeschehen eindämmen zu können. »Wir haben sehr intensiv über die Allgemeinverfügung beraten«, so Landrat Bernhard Kern. Diese nun geltenden, scharfen Einschränkungen sollen nur 14 Tage gelten. »Wir hoffen, dass wir ab dem ersten Schultag nach den Ferien, dem 9. November, den Schulbetrieb wieder normal aufrecht erhalten können.« Auch Kindertagesstätten sollen an diesem Tag wieder öffnen.

Zu den Maßnahmen hat es eine Besprechung per Video mit den Bürgermeistern des Landkreises und den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gegeben. »Die Bürgermeister tragen diese Verantwortung mit. Das ist sehr gut und gibt mir als Landrat ein gutes Gefühl«, berichtete Kern. Wichtig sei, die Zahlen »runterzubringen« und beim Inzidenzwert zweistellig zu werden. »Dass die Bevölkerung diese Einschränkung mitträgt, ist mir ganz wichtig.«

Neue Informationen gab es auch. »Einwohner aus benachbarten Gebieten, zum Beispiel aus Salzburg, dürfen noch zu uns kommen. Wir sind ja nicht unter Verschluss. Aber die Wanderparkplätze sind gesperrt«, erklärte der Landrat auf eine Anfrage eines Journalisten. »Wir wollen Gäste. Aber man muss Vorsicht walten lassen.« Auch das Kleine Deutsche Eck darf befahren werden.

Was Übernachtungsgäste angeht, so gilt etwas anderes. Diese wurden nach Hause geschickt. Eine genaue Zahl konnte der Landrat nicht nennen. Für die Notbetreuung von Schul- und Kindergartenkindern, auch für die Kinder, die normalerweise in Schulen in Traunstein gehen, sind die Kommunen der richtige Ansprechpartner. Zu letzteren sagte Schulamtsdirektor Klaus Biersack: »Unsere Schüler, die in Traunstein zur Schule gehen, besuchen ja vor allem weiterführende Schulen. Die sind mit 13 Jahren alt genug und benötigen meist keine Notbetreuung.«

Derzeit gibt es auch Corona-Fälle in der Kinderkrippe Berchtesgaden, im Seniorenheim Berchtesgaden – hier ist eine Mitarbeiterin Corona-positiv –, im Kinderhort in Schönau am Königssee, am Gymnasium Berchtesgaden und auch in der Insula Bischofswiesen. Darüber informierte Dr. Wolfgang Krämer die Medienvertreter. Einschneidende Maßnahmen aus medizinischer Sicht seien notwendig, um Infektketten zu durchbrechen. »Wir haben aus der großen ersten Welle gelernt: Wenn es zu schweren Verläufen kommt, dann sind diese vier bis sechs Tage nach Infektionsbeginn zu beobachten«, fügte Dr. Krämer hinzu. Man habe einen Anstieg an schweren Verläufen in der Klinik Reichenhall zu beobachten. Alle Verdachtsfälle werden demnach zunächst so behandelt, als hätten sie Covid und könnten ansteckend sein.

Was die Maskenpflicht betrifft, so betonte der Leiter des Gesundheitsamtes eindringlich: »Masken tragen maßgeblich dazu bei, andere nicht anzustecken. Das konsequente Tragen eines MundNasen-Schutzes ist die geringste Einschränkung, um die vulnerable Personengruppe (Jung und Alt) zu schützen. Ich kann als Mediziner diese leidige Diskussion um das Tragen nicht nachvollziehen.«

Schulamtsdirektor Klaus Biersack sagte, man habe »dazugelernt«, was den Distanzunterricht betrifft und nutze digitale Medien. »Ganz besonders leid« tue ihm die Schulunterbrechung bei den Erstklässlern. Diese Maßnahmen seien für viele Eltern eine bittere Pille. »Mein Appell: Wir müssen da irgendwie durch und die Herbstferien irgendwie überbrücken. Ich weiß, dass viele ihre Urlaubstage bereits für die Betreuung im Frühjahr aufgebraucht haben.« Aber: Bis Jahrgangsstufe sechs soll es eine Notfallbetreuung geben. Kinder von alleinerziehenden, behinderte Kinder und Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen haben Vorrang. Wichtig sei aber, dass nicht zu viele in die Notfallbetreuung gehen. »Wir werden eine Bestandsaufnahme machen«, so Biersack. Johanna Edjal, bei der Kinderfachaufsicht, im Landkreis, sagte: »Wir hoffen, dass wir innerhalb der nächsten 14 Tage die Zahlen reduzieren können.« Sie sagte mit Blick auf die Notbetreuung von Kindergartenkindern: »Wir gehen davon aus, die nächsten 14 Tage gut überbrücken zu können.«

Die erste Frage, die an diesem Tag von einem Journalisten gestellt wurde, betraf die Gründe für die vermehrten Infektionen im Berchtesgadener Land. Hierzu sagten Landrat Bernhard Kern und auch die anderen Redner des Landkreises, es handle sich um ein »diffuses Geschehen«. »Man kann es nicht feststellen. Wir haben in vielen Einrichtungen Infektionen und es sind viele in Quarantäne. Es ist keine Gemeinde auffällig, auch keine an den Landesgrenzen.«

Magdalena Koch, Juristin des Landratsamtes, antwortete auf die Frage, welche Läden denn noch geöffnet haben dürfen: »Der Einzelhandel ist nicht betroffen. Es gibt einen Unterschied im Vergleich zum Frühjahr.« Schließlich gab es noch eine Information zu Allerheiligen: Landrat Bernhard Kern versicherte, dass der Gräberumgang unter den Hygienevorschriften der verantwortlichen Kirchen stattfinden könne. Es sei ihm wichtig, und man schulde es auch »unseren Verstorbenen«.

Annabelle Gabriel

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