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Ein neues berufliches Bildungszentrum in Freilassing?

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In den Jahren von 1955 bis 1979 ist das Berufsschulzentrum in Freilassing stark gewachsen. Von 1982 bis 2014 folgten kleinere Erweiterungen und viele Modernisierungs- und Bestandsmaßnahmen an den Gebäuden. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgaden/BGL – Es geht für den Landkreis um 55 Millionen Euro und um die Zukunft der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land in Freilassing: Der Gebäudekomplex, in den Jahren 1955 bis 1979 gebaut und mehrfach erweitert, ist in die Jahre gekommen und stößt an seine Grenzen. Jetzt stehen eine Generalsanierung oder ein Neubau an. Um das zu klären, hatte der Kreistag im Oktober 2019 eine Bestands- und Bedarfsanalyse beschlossen, die dem Gremium in der jüngsten Sitzung am Freitag im AlpenCongress Berchtesgaden vom Architekturbüro Krug Grossmann aus Rosenheim präsentiert wurde.


Kleinere Erweiterungen und Verbesserungen von 1982 bis 2014 halfen, den Status Quo zu erhalten und Schäden abzuwehren. Die Schule bildet in den Bereichen: »Bautechnik, Berufsvorbereitung, Gastronomie, Holztechnik, Kfz-Technik, Körperpflege, Wirtschaft und Verwaltung aus und bietet weitere Möglichkeiten der beruflichen Qualifikation an.

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Als unwirtschaftlich sind laut den Experten bereits bei der letzten Sanierungsabwägung die älteren, in den Jahren 1955 bis 1962 errichteten Gebäudeteile (A) gewertet worden (siehe Plan). Im Detail würden für die Gebäudeteile B und C umfassende Sanierungsarbeiten anstehen, wobei »die angenommene Restnutzungsdauer vieler Elemente bereits überschritten ist«. Insgesamt sei ein ganzheitliches Konzept für die Architektur der Schule, sowohl städtebaulich als auch innenräumlich, gänzlich verloren gegangen.

Mängel bestünden an notwendiger Belüftung, Belichtung, Schallschutz, Raumakustik, Brandschutz und Rettungswege. Diese seien daher im Einzelnen zu prüfen. Grundvoraussetzungen an Barrierefreiheit und Inklusion werten die Architekten in weiten Teilen nur als mangelhaft. Das zweite Obergeschoss etwa könne mit dem Aufzug nicht direkt erreicht werden. Es fehle gänzlich ein Konzept für hör- und sehgeschädigte Personen.

Die vom Architekturbüro Krug Grossmann zugrunde gelegten Anforderungen sind hoch. Sie streben eine Campusbildung an. Für Lehrer und Schüler gelte es, einen »Lebensraum zu schaffen«, abgeschlossene Einheiten sollten die Identifikation stärken, um im eigenen Fachbereich »zuhause zu sein«. Verwirklicht werden solle eine angenehme Lern-Atmosphäre, eine Verknüpfung von Theorie und Praxis mit kurzen Laufwegen. Der jetzige Status habe eine zu starke Verflechtung der Fachbereiche und gestalte eine Identifikationsbildung schwierig.

Analysiert haben die Fachleute den bauphysikalischen Zustand und die gesamte Anlagentechnik von Sanitär, Heizung, Wasser und Elektrik. Ebenso ermittelten sie den Flächenbedarf, der aktuell von 8 570 Quadratmeter auf 11 410 Quadratmeter erweitert werden müsse. Der Landkreis aber solle sich noch mit der Stadt Freilassing abstimmen. Im Gespräch sei ein »Bildungszentrum am Bahnhof«, also keine Sanierung der alten Schulgebäude, sondern der Neubau eines Campus, um allen modernen Erfordernissen gerecht zu werden.

Eine Sanierung in mehreren Abschnitten würde die Kosten in die Höhe treiben. Des Weiteren müsste beim Altbestand eine Schadstoffuntersuchung erfolgen, die zu einem erheblichen Kostenaufwand führen könne. Bei allen Varianten aber sollen unterschiedliche Ansätze in der Abfolge und Intensität der Eingriffe entwickelt werden. Die Folgen für den laufenden Schulbetrieb, die Notwendigkeit von Auslagerungen sowie die Konsequenzen für Bauzeit und Kosten gelte es aufzuzeigen und zu bewerten. Die Planung soll bis 2023 und die Baudurchführung bis 2028 abgeschlossen sein.

Kreisrat und CSU-Sprecher Georg Wetzelsperger gab in der Aussprache zu bedenken, dass eine Umnutzung und Modernisierung immer Kompromisse erfordern. »Alles nur hundertprozentig verwirklichen und das Alte wegreißen, muss nicht die beste Lösung sein. Es liegt auf der Hand, dass bei einer Sanierung mehrere Bauabschnitte zu bewältigen sind und es seine Zeit braucht.« Zudem könne nicht mit Grundstücken spekuliert werden, die gar nicht im Besitz des Landkreises sind. Landrat Bernhard Kern korrigierte: »Das Grundstück direkt gegenüber des Bahnhofes zählt zwar nicht zu den Liegenschaften des Landkreises, ein anderes aber, direkt an die Schule angrenzend, sehr wohl.« Zugleich räumte er ein, dass bei einem Neubau »auf grüner Wiese« auch die Regierung von Oberbayern zustimmen müsse. Kreisrat Dr. Bartl Wimmer (Grüne) mahnte an, kein Ergebnis vorweg zu nehmen. Man wolle ja erst im Herbst weiter zum Vorgehen entscheiden und müsse dafür Klarheit haben, was juristisch möglich ist, um realistisch weiter planen zu können. Kreisrat Manfred Hofmeister (BLR) wollte sicherstellen, dass nur hochwertige und biologisch unbedenkliche Baustoffe zur Anwendung kommen. »Sonst entsteht wieder viel Sondermüll. Darum sind nachhaltige und giftfreie Baustoffe am Ende auch kostengünstiger.«

Kreisrat und SPD-Sprecher Roman Niederberger begeisterte sich für die Idee eines Campus am »Eingangstor des Landkreises in Freilassing, als eine über Generationen hinweg vorbildliche Einrichtung.« Darüber hinaus könne mit anderen Einrichtungen Synergieeffekte erreicht werden und man sich als Bildungszentrum profilieren.

Gerd Spranger

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