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Der Quertreiber – Wolfgang Koch bewirbt sich für die AfD um den Landratsposten

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Der Quertreiber – Wolfgang Koch bewirbt sich für die AfD um den Landratsposten
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Wolfgang Koch sieht sich selbst als Quertreiber. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Transparenter soll die Politik im Landkreis Berchtesgadener Land gestaltet werden, die »Mauscheleien« müssten aufhören und das sture »Abnicken« von Projekten ein Ende finden. So die Vision von Landratskandidat Wolfgang Koch. Er tritt für die AfD an.


2007 fing seine politische Karriere an: In Anger sollte das »Hans-Peter-PorscheTraumwerk« entstehen, »quasi direkt vor meiner Nase«. Er lehnte sich dagegen auf, mit einer »unpolitischen Aktion«, wie er selbst sagt. Am Ende entschied man sich für einen anderen Standort im Ort. »Ich war immer ein CSU-Wähler, aber damals wurden Dinge über Nacht einfach so abgenickt.« Sechs Jahre später klopfte die CSU an seiner Türe an. Das Interesse, der Partei beizutreten war schon damals nicht mehr gegeben. Heute sagt er, die CSU ist ein degeneriertes Adelsgeschäft. »Ich bin kein weißes Lämmchen, man muss mich nicht mögen, aber ich will etwas verändern.« Im Februar 2018 stellte Koch einen Antrag bei der AfD. Schnell wurde er Kreisvorsitzender.

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Sich der AfD anzuschließen, sei keine Kurzschlussreaktion gewesen. Koch ist viel im Landkreis unterwegs, er besucht Gemeinderatssitzungen und Bürgerversammlungen. Auch an Stammtischen der AfD nahm er vor dem Beitritt teil. Damals habe ihn die Euro- und die Flüchtlingskrise beschäftigt. »Ständig sind die Hubschrauber geflogen und mit Hundestaffeln haben sie alles abgesucht.« Koch sieht sich politisch nicht auf der rechten Seite. Generell dürfe man nicht alles glauben, was gesagt werde. Mitglieder würden auch dafür bezahlt werden, rechtsradikale Parolen von sich zu geben. »Wenn man sich mit ihnen unterhält, merkt man, dass sie anders denken«, sagt Koch. Manchmal sei auch Übereifer ein Grund. »Die Politik ist ein Geschäft und das Geschäft muss funktionieren.«

Wolfgang Koch unterstützte Markus Plenk bei dessen Bestrebungen, in den Landtag gewählt zu werden. »Ich habe seinen Wahlkampf gemacht, ohne mich wäre er nicht so weit gekommen.« Markus Plenk war bis April 2019 neben Katrin Ebner-Steiner Vorsitzender der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Koch übernahm damals die Position des persönlichen Referenten.

»Wir sind im Landtag sehr gut aufgenommen worden, haben auch gute Kontakte zur CSU gepflegt«, sagt Koch. Zwischen den Vorsitzenden der AfD im Landtag gab es von Anfang an Streitigkeiten. Plenk sah sich im Gegensatz zu Ebner-Steiner eher in der bürgerlichen Mitte. Im April 2019 legte er ohne Vorankündigung sein Amt nieder, später distanzierte er sich von der Partei. Damit endete auch für Wolfgang Koch die Zeit im Landtag. »Er hat mir kein Wort über den Austritt gesagt.« Darüber ist Wolfgang Koch noch immer sauer.

Eine ähnliche Situation erlebte er aber auch im Berchtesgadener Land, denn Koch und Jens Schosnowski, stellvertretender Kreisvorsitzender, arbeiten nicht zusammen. »Er wollte nicht dass ich als Landrat kandidiere, deshalb hat er mich in der zweiten Aufstellungsversammlung auch abgewählt. Ich war damals krank und konnte nicht teilnehmen.« Koch beklagt auch, dass Schosnowski nicht dazu befugt gewesen sei, eine zweite Liste im Landratsamt einzureichen. »Ich habe schon angekündigt, weder mit Jens Schosnowski noch mit Birgit Filzer zusammen Wahlkampf zu betreiben.«

Als Landrat würde Wolfgang Koch vor allem dafür sorgen, Politik transparenter zu gestalten. »Man muss klar und deutlich vermitteln, was im Landkreis passiert«, so der Kreisvorsitzende. Auch Kritik müsse man aushalten können. »Ich sage immer, die AfD ist kein Opfer, aber auch nicht heilig.«

Kritisch sieht er die Tatsache, dass Krankenhäuser gewinnbringend wirtschaften müssen. »Im Landkreis haben wir eine AG und die lässt sich schnell verkaufen«, so der Politiker. Ein anderes Thema ist der Tourismus. »Eine Unterteilung in Nord und Süd ist unnötig. Den Touristen ist das völlig egal. Sie kennen Berchtesgaden, alles andere zählt für sie dazu.« Die Unterscheidung sei nur für die Einheimischen von Bedeutung. Auch das Thema Mobilität spiele eine Rolle. Zwar müsse der ÖPNV ausgebaut werden, allerdings könne man die Menschen nicht weg vom Auto bekommen. »Wer sich eine Luxussuite bucht, der wird sicher nicht mit der Bahn anreisen«, argumentiert der 57-Jährige.

Als Pilotprojekt möchte er die »Königsseebahn« wieder einführen. Schwierigkeiten mit Grundstücksverhandlungen und andere Hürden könne man durch ausreichend Aufklärung und Würdigung beseitigen. »Ich darf nicht mit Zwangsenteignung drohen, sondern muss einen angemessenen Preis zahlen oder eine andere Fläche zur Verfügung stellen.«

Das Thema Wohnen ist für Koch hingegen ein Aspekt, der nur über viele Jahre hinweg verbessert werden kann. »Da ist in der Politik viel falsch gelaufen, das kann nicht von heute auf morgen gerichtet werden.«

»Abgerechnet wird am 15. März«, sagt Wolfgang Koch und fügt hinzu: »Aber ich bin ein Realist, es geht vor allem darum, bei der Wahl anzutreten.« Lena Klein

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