weather-image
20°

Corona-Virus verunsichert heimische Wirtschaft und Tourismus

3.2
3.2
Bildtext einblenden
Ein Virus versetzt gefühlt die ganze Welt in Angst und Schrecken. Panik hält der Schönauer Arzt Dr. Reinhard Reichelt aber aktuell nicht für angemessen. (Symbolbild: Gerd Altmann/Pixabay)

Berchtesgadener Land – Noch hat das Corona-Virus den Landkreis Berchtesgadener Land nicht erreicht. Die weltweite Krise wirkt sich aber bereits auf die Stimmungslage im Talkessel aus, Wirtschaft und Tourismus rechnen für die nächsten Wochen durchaus mit Einschnitten. Immerhin sieht sich die Ärzteschaft gewappnet im Kampf gegen das Virus.


»Wir sind gut vorbereitet«, sagt Dr. Reinhard Reichelt, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Berchtesgadener Land, und meint damit seine Kolleginnen und Kollegen in der Region sowie das Gesundheitsamt in Bad Reichenhall. Vor allem liegt dem Allgemeinmediziner die Bekanntmachung der Telefonhotline 116-117 (Patientenservice) am Herzen. Dort sollten sich Bürger melden, wenn sie den Verdacht haben, dass sie vom Corona-Virus infiziert worden sein könnten.

Anzeige

Wenn die Spezialisten der Kassenärztlichen Vereinigung es nach einem klärenden Telefongespräch für erforderlich halten, dann schicken sie den Fahrdienst des Kassenärztlichen Notdienstes. Der holt schließlich einen Kollegen vor Ort ab, stattet ihn mit Schutzkleidung aus und fährt ihn zum Patienten, um einen sogenannten Abstrich durchzuführen.

Bis das Ergebnis feststeht – das sind in der Regel zwei Tage –, muss der Patient zu Hause in Quarantäne bleiben. Diese Quarantäne empfiehlt Dr. Reichelt auch allen, die aus Krisengebieten nach Hause zurückkommen.

Panik hält Dr. Reinhard Reichelt aktuell aber nicht für angemessen. »Meistens handelt es sich bei Beschwerden nur um einen grippalen Infekt«, weiß der Mediziner. Dennoch rät der Schönauer vehement davon ab, bei entsprechenden Krankheitssymptomen in die Arztpraxis zu kommen. »Das könnte nicht nur den Betrieb in der Praxis lahmlegen, sondern zum Zusammenbruch der gesamten Gesundheitsversorgung in der Region führen.«

Die Ärzte selbst haben dieser Tage aus Vorsicht erst eine in Teisendorf geplante Zusammenkunft von 300 bis 400 Ärzten aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein abgesagt. Der Gefahr einer eventuellen Ansteckung untereinander wollte man sich nicht aussetzen. Ansonsten gibt Dr. Reichelt die Tipps, die man aktuell überall finden kann: Regelmäßiges Händewaschen, Niesen und Husten in die Armbeuge.

Der Tourismus im Landkreis spürt erst nach und nach die Auswirkungen der Corona-Krise. Erst in den letzten Tagen kam es zu einigen Stornierungen in Beherbergungsbetrieben, die normalerweise überwiegend asiatische Gäste aufnehmen. Zwar klagt ein größeres Gästehaus in Berchtesgaden, das sich auf asiatische Gäste spezialisiert hat, über reichlich Stornos, insgesamt aber sei die Entwicklung nicht gravierend, heißt es bei der BGLT. Die weist auf Anfrage darauf hin, dass nur etwa vier Prozent der Gäste aus Asien stammten – und für die seien die Monate Januar, Februar und März noch Nebensaison. Außerdem befanden sich die ganze Woche über wegen der Special Olympics ohnehin überdurchschnittlich viele Gäste in der Region.

Gelassen zeigt sich Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp hinsichtlich der Corona-Virus-Auswirkungen. »Bei der Durchführung der sportlichen Wettbewerbe, vor allem jene, die unter freiem Himmel stattfinden, sehe ich aktuell keine Probleme. Die Kommune verfolgt die Entwicklung und sieht die Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts als maßgebend«, sagt der Rathauschef.

Große Unsicherheit macht sich aktuell in der heimischen Wirtschaft breit. »Man kann derzeit nicht abschätzen, wie die Situation in einigen Wochen sein wird«, sagt die Marktschellenberger Unternehmerin Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Gremiums Berchtesgadener Land. Für ihren eigenen Betrieb, den Automobilzulieferer psm protech GmbH & Co. KG in Marktschellenberg, befürchtet sie, dass sich die Auftragslage weiter verschlechtern wird. »Die ohnehin schwächelnde Konjunktur wird durch das Virus zusätzlich an Schwung verlieren«, vermutet die Unternehmerin. Aktuell würden in ihrem Unternehmen die Lieferketten ständig überprüft, denn psm protech hat auch Geschäftspartner in China. Irene Wagner: »Wir fahren aktuell auf Sicht und versuchen laufend, möglichst umfassende Informationen zu erhalten.«

Ulli Kastner

Bildtext einblenden
Solche Automaten erfreuen sich auch in Berchtesgaden derzeit größter Beliebtheit. Jedoch reicht laut Dr. Reinhard Reichelt auch schon normales Händewaschen aus, um sich vor Ansteckung zu schützen. (Foto: Wechslinger)
Mehr aus Berchtesgaden
Schreibwaren Miller