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Bis zu 960 Euro pro Impfschicht

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Das Impfzentrum in Ainring soll noch »bis mindestens 31. August« dieses Jahres geöffnet bleiben. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – »Impfarzt müsste man sein«. Das sagt Werner Huber, Pflegefachkraft im Landkreis und mit der Versorgung von Corona-Patienten vertraut. Seinen echten Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Über mehr Geld aber, darüber würden sich auch Pflegekräfte freuen, sagt er. Was er meint, ist die Entlohnung der Impfärzte, um die im Vorfeld für das Impfzentrum in Ainring geworben worden war. Über Honorarsätze wollte das Landratsamt keine Auskünfte erteilen. Nach Recherchen des »Berchtesgadener Anzeigers« erhält ein Arzt aber 130 Euro, am Wochenende 160 Euro – pro Stunde. Ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sagt auf Nachfrage: »Es geht um eine verantwortungsvolle ärztliche Tätigkeit, die auch entsprechend honoriert werden sollte.«


Als bekannt war, dass das Impfzentrum nach Ainring kommt, wurde schon mit der Anwerbung von Ärzten begonnen. Denn klar war auch: Ein Impfzentrum ist nur mit ärztlichem Personal zu führen. Um dieses zu bekommen, bedarf es eines Anreizes. Dieser funktioniert in der Regel über den finanziellen Weg. Für den südlichen Bereich Oberbayerns hatten sich mehrere Hundert Ärzte gemeldet, um in den Impfzentren mitzuwirken, das teilte Dr. Joachim Leßke, Ärztlicher Leiter des Impfzentrums, vor kurzem auf Anfrage mit. »Das sind gute Stundensätze, über die wir uns nicht beklagen können«, sagt ein Impfarzt aus dem mittleren Landkreis.

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Bayernweit hatten sich über 6 000 Ärzte freiwillig gemeldet, wie die KVB mitteilt. Eine zahlengenaue Auswertung für den Landkreis liegt hingegen nicht vor. Für das Berchtesgadener Land sollen es mehrere Dutzend Ärzte sein, die sich für den Dienst im Impfzentrum beworben hatten, sowohl Ruheständler als auch niedergelassene Ärzte, die eine Praxis führen. Das Impfzentrum wird in Eigenregie durch die Kreisverwaltungsbehörde betrieben. Die KVB kann bei Bedarf Ärzte zusätzlich vermitteln, »etwa die Hälfte der Impfzentren in Bayern machen von diesem Angebot Gebrauch«, heißt es bei der KVB.

Die Vergütung über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns umfasst pauschal pro Stunde für die Aufklärung und eine sich gegebenenfalls anschließende Prüfung der Impffähigkeit sowie die Impfung selbst für den Arzt werktags 130 Euro. Medizinisches Assistenzpersonal erhält 40 Euro pro Stunde. Ab Freitag, 13 Uhr, sowie samstags und sonntags werden Ärzte mit 160 Euro pro Stunde vergütet, Assistenzpersonal mit 50 Euro. Schichten dauern meist fünf bis sechs Stunden. Bei einer Sechs-Stunden-Schicht kommen für einen Arzt unter der Woche 780 Euro zusammen, am Wochenende sind es 960 Euro.

Die Honorarsätze wurden zwischen dem Bayerischen Gesundheitsministerium und der KVB verhandelt. Sie orientieren sich an den »Vergütungssätzen in den Corona-Testzentren sowie dem Kostenersatz für die Ausfallzeiten in den Praxen«, heißt es.

Die aufgerufenen Honorare pro Stunde sollen primär die Einnahmeausfälle in den Praxen ausgleichen, teilt der KVB-Sprecher mit. Diese entstünden dadurch, dass niedergelassene Ärzte während der Tätigkeit in Impfzentren oder in mobilen Impfteams nicht zugleich in ihren eigenen Praxen tätig werden können. Bei der Tätigkeit in Ainring gehe es allein um die Impfaufklärung und die sich eventuell anschließende Prüfung der Impffähigkeit. Die Impfung selbst wird in der Regel von medizinischem Personal durchgeführt. Der Arzt informiert dabei im Vorfeld. Die Stundensätze seien im gesamten Bundesgebiet in vergleichbarer Höhe verhandelt worden, heißt es aus der Stabsstelle Kommunikation bei KVB. Die ärztliche Tätigkeit sei »verantwortungsvoll«. Das solle auch »entsprechend honoriert werden«.

Bei den Impfzentren handelt es sich um eine zeitlich befristete »Sondersituation während der Corona-Pandemie«. Das Landratsamt Berchtesgadener Land teilte auf Anfrage mit, dass das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege nach aktuellem Stand einen Betrieb des Impfzentrums »bis mindestens 31. August« dieses Jahres vorsieht.

Über das finanzielle Gesamtbudget für das Impfzentrum schweigt man sich aus: »Hinsichtlich der Vergütung der im Impfzentrum eingesetzten Ärzte wurden Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege umgesetzt.« Man bitte um Verständnis, »dass hinsichtlich des Budgets für das Impfzentrum keine Angaben gemacht werden können«, so die Pressesprecherin des Landratsamtes. Sofern genug Impfstoff vorhanden und die Rahmenbedingungen, wie etwa die Lagerung des Impfstoffes, geklärt seien, soll die Corona-Impfung zukünftig in den Praxen niedergelassener Ärzte stattfinden, weiß man bei der KVB.

Im Berchtesgadener Land ist hierzu bereits ein Pilotprojekt gestartet, an dem zwei Arztpraxen teilnehmen (wir berichteten). Beim Hausärztemodell bestimmt der jeweilige Hausarzt aus seinem Patientenstamm diejenigen Patienten, die die Kriterien der höchsten Priorisierungsgruppe erfüllen und klärt deren Impfwilligkeit ab, heißt es aus dem Landratsamt. Vorteil dabei sei, dass der Hausarzt die Gesundheitsgeschichte seiner Patienten am besten kenne. Impfwillige Patienten werden an das Impfzentrum zur Datenerfassung gemeldet.

Kilian Pfeiffer

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