»Biosphärenregion im Schatten des Nationalparks«

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Blühende Wiesen mit Samen aus der Biosphärenregion: Im Landkreis, wie hier am Pulverturm in Bad Reichenhall, gab es in der Vergangenheit zahlreiche umgesetzte Projekte. Nun soll eine wissenschaftliche Studie die Biosphärenregion genauer unter die Lupe nehmen. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Biosphärenregion Berchtesgadener Land beabsichtigt Prof. Dr. Hubert Job vom Lehrstuhl für Geografie und Regionalforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Ab Frühsommer sollen ein Jahr lang wissenschaftliche Vertreter in der Region unterwegs sein, Gäste befragen und Besucherzahlen erfassen. Geld dazu kommt vom bayerischen Umweltministerium.


Die Biosphärenregion Berchtesgadener Land gehört zum Weltnetz der bedeutendsten Landschaftstypen, die von der Unesco ausgezeichnet sind. Sie umfasst einen repräsentativen Ausschnitt der Nördlichen Kalkalpen samt Vorland und ist das einzige alpine Unesco-Biosphärenreservat in Deutschland. »In diesem Kontext werden wir ein Jahr lang an verschiedenen Standorten im Biosphärenreservat unterwegs sein, Besucher zählen und Gäste unter anderem nach ihren Ausgaben, etwa für regionale Produkte oder Dienstleistungen, befragen«, kündigt Hubert Job im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« an.

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Vergleichbare, vom Bundesumweltministerium finanzierte Studien gibt es bereits in anderen deutschen Großschutzgebieten. Eine Biosphärenregion wie das Berchtesgadener Land müsse künftig durch verstärkte interkommunale Zusammenarbeit und Koordination eine Vorreiterrolle für eine stark reduzierte Flächennutzung einnehmen, um ihrem von der Unesco zugesprochenen Vorbildcharakter für nachhaltige Entwicklung gerecht zu werden, sagt Job.

Bislang befinde sie sich im Schatten »des großen Bruders Nationalpark«, der bekannter, älter und besser ausgestattet sei. So wird etwa auf der Gipfelstation der Jennerbahn in Schönau am Königssee demnächst die nächste Infostelle des Nationalparks errichtet. »Ein Besucherzentrum als Anlaufstelle für das Biosphärenreservat fehlt aber bis dato«, so Job. Kein Verständnis zeigt er, dass die Biosphärenregion bisher keinen Ranger vorweise. Allerdings sei dies zwingend notwendig.

Anders sieht es da beim Nationalpark Berchtesgaden aus: Dieser hat erst kürzlich drei neue Rangerstellen zugesprochen bekommen – zu den bereits 16 vorhandenen. »Um es deutlich zu sagen: Im Nationalpark wird weder der Kampf gegen den allgemeinen Biodiversitätsverlust gewonnen noch ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz geleistet, dazu ist das Areal auch viel zu klein«, sagt der Lehrstuhlleiter. Das Umsteuern, die große Transformation der Wirtschaft und der Gesellschaft sei das Thema des Biosphärenreservats.

Ein naheliegendes Beispiel nennt er auch: die Molkereiwerke in Piding und deren Zulieferer. Auf Landkreisebene müsse es das ausgewiesene Ziel sein, noch nachhaltiger zu wirtschaften, »indem Lieferketten weiter regionalisiert werden und noch mehr biologisch produziert wird«. Insofern sei die unlängst erfolgte Etablierung eines künftig gemeinsam funktionierenden Netzwerks an Partnerbetrieben von Biosphärenreservat und Nationalpark »eine gute Sache«. Wenn es nach Hubert Job geht, sollte diese »möglichst bald von einer Bio-Dachmarke für die Biosphärenregion Berchtesgadener Land gekrönt werden«.

Kilian Pfeiffer

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