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Besucher verboten: Landrat kündigt Allgemeinverfügung an

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Etliche Skitourengeher waren am Roßfeld unterwegs. Am Wochenende waren es aber überwiegend Einheimische. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Der Landrat des Berchtesgadener Landes, Bernhard Kern, wird am heutigen Montag eine Allgemeinverfügung für den Landkreis erlassen, nach der Besuche von außerhalb untersagt werden sollen. Personen, die nicht im Berchtesgadener Land leben, ist es dann verboten, den Landkreis zu besuchen. Das bestätigte Kern am Sonntag im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Auch am Wochenende waren etliche Ausflügler im Berchtesgadener Talkessel unterwegs. Mehrere Einheiten der Bereitschaftspolizei kontrollierten verstärkt an Besucher-Hotspots.


Kern äußerte gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«, man sei verpflichtet, »bei einem Inzidenzwert von über 200 als Kreisverwaltungsbehörde weiterführende Anordnungen zu treffen«. Diese werden heute Montag ausgearbeitet, abgestimmt und genehmigt. »Das Berchtesgadener Land im Moment zu besuchen, ist keine gute Idee«, sagte Landrat Kern. »Auch wenn es bei uns sehr schön ist, dürfen Personen aus anderen Landkreisen erst mal nicht mehr zu uns reinfahren.« Der Inzidenzwert, der bei knapp 350 liegt, lasse dies nicht zu. Kern bat um Akzeptanz für die »dringend notwendigen« Maßnahmen. Kern sagte, er stehe im Gespräch mit den Landräten aus Deggendorf und Miesbach, die aufgrund der momentanen Infektionslage ähnliche Allgemeinverfügungen erlassen haben oder dies noch tun wollen. Der dort verwendete Wortlaut sei ähnlich und miteinander abgestimmt. »Wir stehen in regelmäßigem Kontakt«, sagte Kern.

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Das Wochenende über hat der Landkreis-Chef mit mehreren Bürgermeistern telefoniert, »um abzuschätzen, wie die Situation in den Gemeinden ausfällt«, sagte Kern, der unter anderem mit Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber gesprochen hatte. Zwar seien die Ausflugsziele im Berchtesgadener Talkessel gut besucht gewesen, »Auffälliges gab es aber nicht«, so der 52-Jährige.

Die von der Behörde befürchteten Staus auf Zufahrtsstraßen des Landkreises blieben weitestgehend aus. Trotzdem waren die Ausflugsziele am Samstag und Sonntag häufig frequentiert, allerdings überwiegend von Einheimischen (siehe dazu Artikel auf Seite 6) Am Roßfeld waren den Samstag über Hunderte Skitourengeher unterwegs, die abschnittsweise von Polizeibeamten auf der Strecke kontrolliert wurden. Parkplätze, wie etwa jener am Taubensee in Ramsau, waren bis zum letzten Parkplatz belegt. Längere Abschnitte der Bundesstraße wurden zum Abstellen der eigenen Fahrzeuge verwendet.

Auch am Hintersee war am Samstag und Sonntag jede Menge los – Schlittschuhläufer und Eisstockschützen frönten ihrem Hobby. Zwei Gruppen der Bereitschaftspolizei waren am Sonntag im Berchtesgadener Talkessel im Einsatz und kontrollierten an besonders frequentierten Orten. Eine weitere Einheit wurde nach Bad Reichenhall entsandt. »Das ist der normale Ausflugswahnsinn«, sagte ein Berchtesgadener Polizeibeamter.

Bei der Polizei bereitet man sich indes auf die 15-Kilometer-Regelung vor, die ab heute wegen des deutlich überschrittenen Inzidenzwertes von 200 gilt: »Wir werden strukturiert kontrollieren«, kündigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Sonntagvormittag auf Anfrage an. Bürger des Berchtesgadener Landes sollen sich demnach nur noch in einem Radius von 15 Kilometer rund um die eigene Gemeindegrenze herum aufhalten dürfen. Wie die Polizei das konkret kontrollieren möchte, ist nicht klar. Nicht zu erwarten ist, dass Polizisten an den Gemeindegrenzen Kontrollen ableisten werden, wie es aus dem Polizeiumfeld heißt. Ein Laufener Bürger würde etwa mit einem BGL-Kennzeichen kaum in Berchtesgaden auffallen. Übermäßige Kontrollen seien bei der Polizei daher nicht zu erwarten. Dort wird man sich auf allgemeine Verkehrskontrollen konzentrieren, die ausgeweitet und dazu genutzt würden, anhand der Meldeadresse festzustellen, wo der Fahrzeugführer gemeldet ist, heißt es aus dem Polizeipräsidium.

In den vergangenen Wochen war in sozialen Medien häufig kritisiert worden, etliche Auswärtige mit fremden Kennzeichen würden Berchtesgaden und dessen Ausflugsziele überfluten. Allerdings: Auswärtige Kennzeichen sind zwar ein Anhaltspunkt, aber noch kein offenkundiger Beweis dafür, wo der Fahrzeugführer gemeldet ist. Je nach Lage sollen zusätzliche Polizeieinheiten angefordert werden. Verstöße würden »selbstverständlich« geahndet werden. »Wild drauflos kontrollieren werden wir aber nicht«, sagte ein Polizist.

Kilian Pfeiffer

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