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Berchtesgadener Land bewirbt sich als Modellregion

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Landrat Bernhard Kern hat für den Landkreis Berchtesgaden eine Bewerbung als Modellregion für Öffnungsschritte an den Ministerpräsidenten geschickt. Foto: Landratsamt Berchtesgadener Land

Berchtesgadener Land – Der Landkreis bewirbt sich als Modellregion zur Umsetzung von Öffnungsschritten und -perspektiven in der Corona-Pandemie. Landrat Bernhard Kern hat hierzu eine Bewerbung an Ministerpräsident Dr. Markus Söder geschickt.


Ministerpräsident Dr. Markus Söder hatte diese Woche verkündet, dass nach den Osterferien mehrere Regionen in Bayern im Rahmen von Modellprojekten die Möglichkeit erhalten sollen, mit strengen Schutzmaßnahmen und einem guten Testkonzept die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten zu untersuchen. Zusätzlich zur Stadt Bad Reichenhall, der Landrat Bernhard Kern seine Unterstützung zugesichert hat, wird sich auch der Landkreis als Ganzes für dieses Projekt bewerben. „Ich bin überzeugt, dass das Berchtesgadener Land für dieses Modellprojekt aus mehreren Gründen prädestiniert ist“, erklärt Landrat Kern und fügt hinzu: „Die zahlreichen Einschränkungen sind für die Bevölkerung eine zunehmende Belastung. Insbesondere im Landkreis Berchtesgadener Land, wo die Bürgerinnen und Bürger bereits am längsten im Lockdown leben, geht es zunehmend um Existenzen.“

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Der Landkreis hat in den vergangenen Monaten viel für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung unternommen. Dies hat Landrat Kern auch in seiner Bewerbung verdeutlicht. Dabei verwies er unter anderem auf das Projekt Abwasser-Monitoring, in dem flächendeckend zwei Mal wöchentlich jeweils elf Abwasserproben analysiert werden, die durch die Korrelation mit angeschlossenen Einwohnerzahlen sowie positiv bestätigten COVID-19 Fällen Aufschluss über das Infektionsgeschehen vor Ort geben. Die Überprüfung der SARS-CoV-2-Viruslast im Abwasser ermöglicht dem Staatlichen Gesundheitsamt eine genaue Abschätzung und Vorhersage des Infektionsgeschehens, wodurch rasch auf Änderungen und lokale Ausbrüche reagiert und unmittelbar getestet und nachverfolgt wird.

Zusätzlich kann der Landkreis Berchtesgadener Land aufgrund der sehr hohen Testrate von einer deutlich niedrigeren Dunkelziffer als in anderen Landkreisen ausgehen. Aktuell werden in den beiden Kommunalen Testzentren täglich bis zu 1.800 PCR-Tests durchgeführt. Bei Hinweisen auf lokale COVID-19-Ausbrüche hat das Staatliche Gesundheitsamt in den vergangenen Wochen vier weitere Testaktionen in einzelnen Gemeinden organisiert, bei denen zusätzlich fast 1.000 Testungen durchgeführt werden konnten. Hinzu kommen nun die Schnelltests, die in guter Zusammenarbeit mit den Apotheken sowie Ärzten und weiteren Anbietern flächendeckend im Landkreis angeboten werden.

Auch bei den Impfungen nimmt der Landkreis Berchtesgadener Land eine Vorreiterrolle ein. Aktuell werden im Berchtesgadener Land neben den beiden gut strukturierten Impfzentren, in denen bei ausreichender Verfügbarkeit der Impfstoffe bis zu 800 Personen pro Tag geimpft werden können, sowie den mobilen Teams, bereits seit Anfang Februar Patienten auch durch Hausärzte geimpft. Aktuell unterstützen rund 30 Hausarztpraxen, die pro Impfaktion circa 66 bis 100 Dosen verimpfen können, das Modell. Mit Stand, 23. März, sind im Landkreis Berchtesgadener Land insgesamt 16.963 Impfungen durchgeführt worden, davon 12.097 Erst- und 4.866 Zweitimpfungen. Mit einer Quote von rund 11,4 Prozent bei den Erstimpfungen gegen COVID-19 liegt der Landkreis Berchtesgadener Land damit deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt.

Ein weiteres Projekt, bei dem der Landkreis aktuell Vorreiter ist, ist die Zusammenfassung der aktuellen Corona-Lage im Landkreis mithilfe innovativer und digitaler Werkzeuge. Durch den Einsatz von Geoinformatik wurde ein eigenes Dashboard für den Landkreis Berchtesgadener Land entwickelt, in dem die aktuellen Daten zum Infektionsgeschehen im Landkreis – im Gegensatz zum Dashboard des Robert-Koch-Instituts – auf Gemeindeebene ausgelesen werden können. Dieses Dashboard versteht sich als internes Werkzeug für das Gesundheitsamt und den Krisenstab und ist nicht öffentlich zugänglich. Angezeigt werden hierbei etwa die Verläufe des Infektionsgeschehens in den einzelnen Gemeinden, die Situation in den Krankenhäusern oder die Verteilung der Fälle in den Einrichtungen. Durch die geografische Verortung von SARS-CoV-2-Fällen, können örtliche Cluster punktgenau analysiert werden. Auch das Abwasser-Monitoring ist direkt in das Dashboard eingebunden und liefert dem Gesundheitsamt damit einen gemeindescharfen Überblick über das Infektionsgeschehen.

Auch für den Unterricht an Schulen ist im Berchtesgadener Land vermehrt nach pandemiegerechten Lösungen gesucht worden. Bedingt durch die hierfür perfekten Strukturen unseres Landkreises ist in den vergangenen Monaten durch die Sachaufwandsträger eine „Mehrhäusigkeit“ für die Schülerinnen und Schüler entsprechend der Hygienekonzepte zur ordnungsgemäßen Beschulung geschaffen worden. Damit ist ein mögliches Infektionsgeschehen auch bei 7-Tage-Inzidenzen über 100 rasch eingrenzbar.

„In den vergangenen Wochen und Monaten hat das Staatliche Gesundheitsamt im Landkreis Berchtesgadener Land mehrfach bewiesen, dass es in der Lage ist, potentiell dynamisches Infektionsgeschehen rasch einzugrenzen und damit Infektionsketten zu unterbrechen. Dies ist auch hinsichtlich unserer besonderen Lange als Grenzlandkreis zu Salzburg mit rund 6.500 Berufspendlern und einer starken Verbundenheit zwischen den Regionen zu beachten“, ergänzt Landrat Kern seine Ausführungen und verdeutlichte auch, dass der Landkreis bei der Bewerbung auf ein breites Netzwerk an Unterstützern zählen kann, darunter etwa die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA, die örtlichen Gewerbeverbände sowie die lokalen Tourismusverbände und die Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH. Auch die Bürgermeister der Landkreisgemeinden befürworten die Bewerbung des Landkreises Berchtesgadener Land ausdrücklich.

Auch Dr. Anja Friedrich-Hussong, Geschäftsführerin der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, betont, wie wichtig es für die stark betroffene Grenzregion ist, als Modellregion ausgewählt zu werden: „Viele unserer Betriebe, die sich mittlerweile seit mehr als fünf Monaten fast durchgängig im Lockdown befinden, kämpfen täglich um ihre Existenz und werden nicht mehr viel länger durchhalten. Sie benötigen jetzt dringend eine Perspektive; eine kontrollierte Öffnung mit umfangreichen Tests bietet ihnen eine einmalige Chance.“

fb/red

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