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Auswirkungen des Coronavirus entgegenwirken: Stundung der Gewerbesteuer möglich

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Auswirkungen des Coronavirus entgegenwirken: Stundung der Gewerbesteuer möglich | BGL
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Dr. Thomas Birner (Mitte) ist Ansprechpartner der Unternehmer in der Corona-Krise. (Foto: BGLW)

Berchtesgadener Land – Die Auswirkungen der Corona-Krise sind inzwischen bei Unternehmen aller Branchen im Berchtesgadener Land deutlich spürbar.


Durch die mögliche Stundung der Gewerbesteuer bieten die Kommunen erste Hilfe an. Der Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH (BGLW), Dr. Thomas Birner, gab nun Informationen zur aktuellen Lage.

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise betreffen derzeit alle Branchen und Unternehmensgrößen. Das unterscheidet die aktuelle Situation gravierend von den Folgen der Finanzkrise 2008 in der Region. Damals waren die Auswirkungen nur für einige Branchen problematisch und aufgrund der heterogenen Wirtschaftsstruktur des Berchtesgadener Landes ohne größere Auswirkungen.

Das ist derzeit nicht der Fall. Es sind alle Branchen betroffen, vom international agierenden Maschinenbauer, über Tourismusbetriebe oder auch kleine Dienstleister, die zum Beispiel durch Stornierungen von Veranstaltungen und Messen Auftragsabsagen haben, bis hin zum Einzelhandel, der unter gesunkenen Kundenfrequenzen leidet – mit Ausnahme der derzeit stattfindenden Vorratskäufe.

Unterschiedliche Auswirkungen

Die Auswirkungen sind dabei ganz unterschiedlich, aber immer mit gravierenden Folgen. Dies geht von fertigen Produktionsanlagen im Wert von Hunderttausenden Euro, die in gesperrte Gebiete nicht geliefert werden können, über Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Komponenten für die Produktion, bis hin zu abgesagten Messen, wodurch neue Produkte nicht in den Vertrieb kommen und keine neuen Aufträge und Geschäftskontakte zustande kommen.

Viele Hotels erhalten Absagen in hohem Umfang, Gäste verschieben Urlaube oder Geschäftsreisende dürfen aufgrund der Vorgaben in den Unternehmen nicht mehr reisen beziehungsweise es wurden Geschäftstreffen abgesagt. Die Einschränkung der Reisefreiheit bedeutet zum Beispiel auch, dass keine neuen Aufträge verhandelt werden und dann verzögert Umsatzeinbrüche erst in der Zukunft entstehen.

Unsicherheiten gibt es für die Unternehmer bei Fragen: Wie müssen Mitarbeiter nach bestimmten Urlaubsaufenthalten in Quarantäne? Was passiert, wenn wie jetzt angekündigt großflächig Schulen und Kindergärten geschlossen werden und berufstätige Eltern keine Alternativen für die Kinderbetreuung haben? Wie gut wird die Arbeit vieler Menschen von zu Hause funktionieren, wie sind wir darauf eingerichtet? Die Unternehmer treffen natürlich auch selbst Maßnahmen.

Das betrifft den Abbau von Überstunden und Resturlaub, die Organisation von Betreuung für Eltern mit Kindern, die Umorganisation von Liefertätigkeiten und auch die längerfristige Bevorratung von Fertigungskomponenten. Entscheidend für die wirtschaftlichen Auswirkungen wird sein, wie lange die Einschränkungen andauern oder gar noch gravierender werden. »Ich teile derzeit die Ansicht unserer Bundeskanzlerin, die wirtschaftlichen Folgen werden stärker sein als 2008, auch bei uns«, so Birner. Wie hoch die Auswirkungen in konkreten Zahlen sind, lässt sich derzeit noch nicht sagen, das hängt davon ab, wie lange der Ausnahmezustand andauert. Es ist ein Unterschied, ob die Lieferung einer teuren Anlage um ein bis zwei Wochen verzögert ist oder um Monate.

Es geht darum, ob und wie lange Aktivitäten verschoben sind beziehungsweise sich verzögern oder völlig ausfallen. Hier liegen uns verständlicherweise noch keine Zahlen vor. Die Bundesregierung will in Notlagen unbegrenzte KFW-Kredite geben. Kurzarbeitergeld wird ermöglicht, wenn bereits ein Drittel der Arbeitnehmer betroffen ist. Auch Leiharbeitnehmer sind mit einbezogen. Ein Konjunkturprogramm könnte mittelfristig folgen.

BGLW Ansprechpartnerin für Unternehmer

Durch die mögliche Stundung der Gewerbesteuer in begründeten Fällen bieten die Kommunen erste Hilfe an. Das hat Landrat Georg Grabner am Freitag in einer Dienstbesprechung mit den Bürgermeistern besprochen. Durch diese unbürokratische Möglichkeit soll zur Stärkung der Liquiditätslage der Unternehmer beigetragen werden. Das Antragsformular zur Einreichung bei der Stadt oder Gemeinde finden Unternehmer unter www.berchtesgadener-land.de oder auf den Internetseiten der Gemeinden. Wir leisten durch das unkomplizierte Antragsverfahren schnelle Unterstützung. »Zur Sicherheit weise ich die Unternehmer darauf hin, dass gegebenenfalls noch Beschlüsse der örtlichen Gremien erfolgen müssen, bis die Regelung in Kraft treten wird. Auch hier bemühen wir uns dass das zügig geschieht«, so Birner.

Ebenso besteht für jeden Unternehmer die Möglichkeit, mit dem Finanzamt über individuelle Lösungen zur Steuervorauszahlung zu sprechen.

Weitere Informationen unter thomas.birner@berchtesgadener-land.de und 08654/77500. Die BGLW ist im Kontakt mit der Regierung, ebenso mit Landrat Georg Grabner, der IHK und den zuständigen Behörden. fb

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