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Ausgebremst: Hohe Fixkosten und wartende Schüler

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Richard Renoth hofft, dass er bald Online-Unterricht anbieten kann. (Foto: Lena Klein)

Berchtesgaden – Wer in Bayern derzeit seinen Führerschein machen will, steht vor verschlossenen Türen: Weder Theorie- noch Praxisstunden dürfen angeboten werden. Der Lockdown hat auch vor Fahrschulen nicht Halt gemacht. Richard Renoth betreibt im südlichen Landkreis die »Fahrschule Renoth«. Mit dem »Anzeiger« hat er über wartende Schüler, die Verschiebung von Prüfungen und Extrastunden im Sommer gesprochen.


»Wir hatten nach dem ersten Lockdown viel Arbeit«, sagt Richard Renoth. Durch die plötzliche Schließung im Frühjahr 2020 hat sich zum Sommer hin einiges angestaut: Da weder Theorie- noch Praxisunterricht stattfinden durfte, waren es am Ende zahlreiche Schüler, die im Sommer so schnell wie möglich ihren Führerschein machen wollten. »Einige von ihnen hatten zu Hause schon ein angemeldetes Auto stehen, konnten aber die Prüfung nicht mehr ablegen.« Im Frühjahr sei alles sehr schnell gegangen, »vieles war ungewiss, gerade in unserer Branche«. Hinzukommen würde, dass die Regelungen in Bezug auf Fahrschulen in jedem Bundesland anders ausfallen würden. »Auch aktuell ist es in anderen Bundesländern möglich, seinen Führerschein zu machen«, sagt Renoth.

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Den Andrang in den Sommermonaten konnte das Team stemmen: »Wir haben mehrere Theoriekurse zu unterschiedlichen Uhrzeiten angeboten, so konnten wir die Fahrschüler unterrichten.« Dabei galt es strenge Regeln einzuhalten: Durch die Abstandsregeln konnten weniger Schüler als bisher in den Unterrichtsräumen geschult werden. Regelmäßiges Lüften und das Tragen der Maske war obligatorisch. In den Fahrschulautos durften sich nur zwei Personen aufhalten, eine Ausnahme galt für die Prüfungsfahrt, dann durfte zusätzlich auch der Prüfer im Auto Platz nehmen. Die Fahrzeuge mussten nach den Unterrichtsfahrten gelüftet, Lenkrad, Schaltknüppel, Sitz und Co. nach dem Fahrerwechsel desinfiziert werden. Wer den Motorradführerschein machen wollte, musste eigene Kopfhörer und eigene Ausrüstung mitbringen. »Da manche die Theorie schneller erlernt haben als andere, konnten wir die Fahrstunden dementsprechend gut einteilen«, sagt Renoth. Dennoch sei eine Menge Fleiß nötig gewesen.

Keine Sommerpause

Die Fahrschulen im Landkreis legen im August normalerweise eine Sommerpause ein, 2020 hat die Fahrschule Renoth darauf verzichtet. »Wir haben den Monat genutzt und konnten so viel aufholen.« Zu langen Wartezeiten sei es deshalb nicht gekommen. Durch die vielen Stunden im Sommer und Herbst konnte Richard Renoth bis jetzt vermeiden, seine Angestellten in Kurzarbeit zu schicken. »Die Überstunden haben meine Mitarbeiter jetzt im Januar abgebaut, ab Februar muss ich sie leider in Kurzarbeit schicken.«

Aufgrund des zweiten Lockdowns kann Renoth seit Dezember abermals keinen Unterricht anbieten. »Kurios war, dass die Prüfungsorganisationen zu Beginn des Lockdowns noch prüfen durften.« Das hätte aber nicht viel gebracht: »Wenn wir keine Fahrstunden geben können, sind die Schüler auch nicht bereit für die Prüfungsfahrt.« Eine Woche später seien deshalb auch die praktischen Prüfungen eingestellt worden. Ein kleiner Lichtblick ist, dass in Bayern nun immerhin Online-Unterricht möglich sein soll. »Dieser ›synchrone Unterricht‹ in Form von Videokonferenzen kann beim Landratsamt beantragt werden«, erklärt Richard Renoth, »allerdings gilt die Regelung nur bis zum 30. September 2021«. Durch diese Schulungsform könnte die anfallenden Arbeit entzerrt werden. »Ich denke, dass viele Schüler im Moment sowieso etwas mehr Zeit haben, weil sie zum Beispiel ihren Hobbys nicht nachgehen können. Diese Zeit können sie nutzen und für die Theorieprüfung lernen.« So hofft der Fahrschulinhaber, die Ausbildungszeit der Schüler kurz halten zu können und sich nach dem Lockdown stärker auf die Praxisausbildung konzentrieren zu können.

Versicherung und Miete

Fahrschulen haben in der Regel hohe Fixkosten. Richard Renoth muss die Miete für zwei Schulungsräume bezahlen, hinzu kommen 13 Fahrzeuge, die gepflegt und gewartet werden müssen. Unerlässlich sind auch die Versicherungen, die weiterhin bezahlt werden. »Alles in allem sind das hohe Kosten, die letzten Monate haben an den Reserven gezehrt – jede Woche im Lockdown kostet Geld.« Staatliche Hilfen hat Renoth noch nicht erhalten. »Es gibt eine Umfrage von ›Mooving‹: Von 10 000 Fahrschulen haben 3 000 angegeben, durch die aktuelle Situation in Existenzschwierigkeiten zu geraten.«

Vom Lockdown betroffen ist auch so mancher Fahrschüler: Wer vor der Schließung nur noch wenige Fahrstunden gebraucht hätte, um an der Prüfung teilzunehmen, muss nun warten. »Zwei Monate Zeit dazwischen – da sind natürlich noch mal Fahrstunden notwendig«, sagt der Fahrlehrer. Er hofft, dass sich die Lage bald entspannt, nicht zuletzt, da im April eine neue Regelung in Kraft tritt: Wer seine Führerscheinprüfung in einem Auto mit Automatikgetriebe macht, darf danach auch Fahrzeuge mit Schaltgetriebe fahren. Dafür muss der Fahrschüler zehn Fahrstunden in einem Auto mit Handschaltung absolvieren. »Wir gehen davon aus, dass wir auch hier Interessenten haben werden, vielleicht nicht so viele wie in größeren Städten, aber der Führerscheinerwerb wird dadurch etwas leichter.« Denn die Schüler konnten sich zunächst auf Verkehrszeichen, Abstand und Spur halten konzentrieren und müssten sich erst später mit dem Schalten auseinandersetzen.

»Es ist die Ruhe vor dem Sturm: Wir wünschen uns, dass wir so bald wie möglich mit unserem Hygienekonzept wieder starten können«, sagt Renoth. Immerhin sei das Risiko in den Fahrschulen überschaubar. »Bis dahin sind wir natürlich erreichbar, beantworten Fragen und nehmen Anmeldungen entgegen.« Lena Klein

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