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Alles Kopfsache...? Enorme Hygiene-Vorschriften belasten Friseure in Berchtesgaden

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Alles Kopfsache – Enorme Hygiene-Vorschriften belasten Friseure in Berchtesgaden
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Kann endlich wieder loslegen: Martina Hinterbrandner. (Fotos: Jörg Tessnow)

Berchtesgaden – Endlich wieder schnipp und schnapp! Die Scheren schneiden und die Föne rauschen wieder. Nach sechswöchiger Corona-Plage dürfen Friseurinnen und Friseure seit Montag auch in Berchtesgaden wieder hinter schwarzen Kunstledersesseln ihre modischen Frisuren stylen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hörte sich im Markt ein wenig um.


Schon an den Eingangstüren haben die Besitzer ordnungsgemäß dafür die erforderlichen Vorschriften plakatiert. Unter anderem findet der Kunde recht kuriose Hinweise. So liest er dort zum Beispiel: »Beratung nur über Spiegel möglich«. Wie muss man sich das vorstellen? Auch befürchtend »zugewachsen« erschien gestern kein Kunde; dennoch galt es einige Haarspitzen »nachzujustieren«. Und wenn der Haarschnitt geglückt, der Kunde zufrieden ist: Dankende Umarmungen sind abschließend nicht erlaubt.

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Doch Obacht! Kundschaft und Dienstleister kommen sich dennoch sehr nah. Rasieren, Wimpern- oder Bartpflege fallen vorerst sogar ganz flach. Haare müssen vor jedem Schnitt im Salon gewaschen werden und der Blick in die Illustrierte ist ebenfalls untersagt. Auch gelten Abstandsmarkierungen, kontrollierter Eingang oder Plexiglas an der Kasse als Bedingungserfüllung der Hygiene-Auflagen. Und: natürlich Mundschutzpflicht für alle.

All das erinnert schon fast an das Ambiente eines Operationssaals. Das ist aber immer noch nicht alles. Auf und zwischen den Stühlen passieren derzeit aufwendige Taten und Pflichten. Nach jeder Bedienung müssen Sitzgarnituren und Handwerkszeug desinfiziert werden. Das bedeutet für die Inhaber einen zusätzlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Dennoch freuen sich sowohl Personal als auch Kunden, dass ein weiterer Schritt Richtung Normalität zurückgewonnen ist. Normalität?

Geduldige Kunden – Beängstigende Bürokratie

Morgens um Punkt 8 Uhr standen gestern bereits vier Kunden vor dem Salon »Top Hair« am Weihnachtsschützenplatz. Hier ist eigentlich keine Voranmeldung geplant. Daher hieß es, bitte draußen vor der Tür Platz zu nehmen. Sechs Wochen mussten die Geschäfte schließen. Auch Martina Hinterbrandner freut sich, dass es wieder los geht. Der Kalender ist, wie bei ihren Kolleginnen auch, prall gefüllt. Der eine oder andere wird sich noch ein bisschen gedulden müssen, denn die Termine sind heiß begehrt.

Ähnlich sieht es auch bei Friseurin Sabine Denteler-Müller am Marktplatz aus. Schon während der Corona-Pause hatten sich Kunden einen Termin gesichert. Dennoch klingelt das Telefon doch häufig. Ein großer Preisaufschlag wurde in den Salons nicht erhoben. Lediglich eine kleine Gebühr um 1,50 Euro ist gelegentlich wegen des Mehraufwands für Hygieneartikel zu entrichten.

Leider steigt dafür aber der Bürokratieaufwand. So sind laut Verordnung der Landesregierung die Salons verpflichtet, Namen und Kontaktdaten des Kunden sowie den Zeitpunkt des Betretens und Verlassens des Geschäfts zu dokumentieren und drei Wochen aufzubewahren. Mögliche Infektionsketten sollen nachvollziehbar bleiben. Kunden, die mit der Datenerhebung nicht einverstanden sind, dürfen laut Landesregierung nicht bedient werden. Diese Staatsverordnung fand mancher Kunde beängstigend, einer sogar verfassungswidrig.

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Bürokratie! Bürokratie! Das finden nicht alle Kunden lustig.

Jörg Tessnow

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