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Die »Landstreichmusik« mit Hang zu skurriler Musikperformance in der Kulturfabrik NUTS

Spannende Töne auf dem Schwyzerörgeli

Einen Hang zu skurriler Musikperformance kann man den vier Musikern von »Landstreichmusik«, ohne sie düpieren zu wollen, schon nachsagen. Aber da sind sie ja in bester Gesellschaft mit Schweizer Bands wie »Stiller Has«, »Patent Ochsner« und »Stimmhorn«.

Unser Bild zeigt die »Landstreichmusik« mit (von links) Matthias Linke, Dide Marfurt, Simon Dettwiler und Christine Lauterburg. (Foto: B. Heigl)

So schlug Christine Lauterburg, die Sängerin der »Landstreicher«, auf der Bühne der leider nicht so gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS auf einem Besenstiel zünftig gewitzte Taktmuster, wenn sie nicht gerade jodelte oder etwas auf Schwiizerdütsch sang, was wegen des starken Dialektes kaum zu verstehen war. Das lautmalerische Jodeln bedurfte dagegen keiner Übersetzung, denn die Musikerin, die auch die Bratsche und ein Schwyzerörgeli (eine Variante des diatonischen Akkordeons) zu bedienen wusste, transportierte die Emotionen auch ohne Worte sehr bewegend.

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Auch waren da immer wieder einmal schrille Juchzer, die in der Schweiz Jutzer heißen, und die im Jodelgeschäft auf alle Fälle dazu gehören. In der Musik der umherziehenden Landstreicher ist die Geige, weil leicht transportierbar, natürlich ein Muss. Ganz hervorragend gespielt hat sie »Landstreicher« Matthias Lincke, der ein inspirierter Wandergeiger ist, und bei dessen Spiel man zwischen all den Walzern und Polkas des Abends auch hin und wieder eine wunderschöne Träne im Klang seines Geigenspiels erlauschen durfte.

Klein, fein und transportabel ist normalerweise auch das Schwyzerörgeli, wenn nicht Simon Dettwiler gleich fünf Stück mitgebracht hätte. Jedem dieser interessanten, hübsch anzusehenden Instrumente entlockte er einen spannenden Klang, der immer ein wenig am Rand einer Tonart zu balancieren schien. Drehorgel, E-Gitarre, Laute und Gitarrenkoffer-Percussion, dafür war Dide Marfurt zuständig, der, welches Instrument er auch gerade spielte, die Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks in seiner Vielfalt offensichtlich beherrscht und genossen hat. Geradezu begeistert zeigte sich das Publikum an diesem Abend über die traditionell wie experimentell interpretierten Landler ebenso wie über die Walzer und Polkas – wenn auch die Naturjodler manchmal ganz schön schrill klangen – und verlangte nach Zugaben. Barbara Heigl