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Zeugen sahen Radfahrer bei NSU-Mord in Nürnberg

NSU-Prozess vor Sommerpause
Die Angeklagte Beate Zschäpe zwischen ihren Anwälten. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
NSU-Prozess
Nach 32 Verhandlungstagen geht der NSU-Prozess in die Sommerpause. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Zschäpe im Gerichtssaal
Wie an den anderen Prozesstagen kehrt sie den anwesenden Pressevertretern den Rücken zu. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Staatsschutzsenat im NSU-Prozess
Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl (2.v.l.) hat Termine bis Dezember 2014 vorgemerkt. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Holger G.
Auch der Angeklagte Holger G. will nicht fotografiert werden. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
NSU-Mordopfer
Ein Mitglied der Türkischen Gemeinde legt in Hamburg vor dem Bild des NSU-Mordopfers Süleyman Tasköprü eine Rose nieder. Foto: Axel Heimken/Archiv Foto: dpa

München (dpa) - Beim NSU-Mord an Ismail Yasar 2005 in Nürnberg wurden die mutmaßlichen Täter von mehreren Zeugen beobachtet. Wie ein Polizeibeamter am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München berichtete, hatten vier Zeugen das «Kerngeschehen» beobachtet.


Dabei gab es mehrere Hinweise auf Fahrradfahrer. Nach dem 32. Verhandlungstag wurde der NSU-Prozess für die Sommerpause unterbrochen. Das Verfahren soll am 5. September fortgesetzt werden.

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Ismail Yasar wurde am 9. Juni 2005 in seinem Dönerstand erschossen. Eine Zeugin hatte kurz vorher zwei Fahrradfahrer gesehen, wie der Polizeibeamte berichtete. Später, als sie wieder mit dem Auto an dem Imbiss-Stand vorbeikam, sah sie die Männer wieder. Einer von ihnen sei aus dem Stand gekommen und habe dem anderem eine gelbe Plastiktüte in den Rucksack gesteckt.

Die Anklage geht davon aus, dass jeweils die Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Taten vor Ort ausführten. Sie hatten sich 2011 selbst getötet, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe ist als Mittäterin angeklagt. Sie ist die einzige Überlebende des Trios und soll für die legale Fassade der Gruppe gesorgt haben.

Ein anderer Zeuge, der mit einem Kleintransporter unterwegs war, hatte sich über die Radfahrer geärgert, weil sie vor ihm «im Zeitlupentempo über die Straße gefahren» seien. Kurz danach hörte er mehrere Schüsse.

Auch bei mehreren anderen NSU-Anschlägen gab es Hinweise auf Fahrradfahrer: Sowohl bei den Morden an Enver Simsek 2000 in Nürnberg als auch an Habil Kilic 2001 in München waren Radfahrer am oder in der Nähe des Tatorts beobachtet worden, auch bei dem Bombenanschlag in der Keupstraße in Köln 2004. Nebenklagevertreter hatten wiederholt kritisiert, dass die Ermittler diesen Spuren nicht ausreichend nachgegangen seien.

Ein leitender Mordermittler aus Nürnberg berichtete, er sei bereits nach dem Mord an Ismail Yasar 2005 von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgegangen. «Für mich persönlich war hier selbstverständlich ein ausländerfeindlicher Hintergrund zu sehen, beim sechsten Mord mit ausländischem Opfer», sagte der Leiter der Mordkommission, Manfred Hänßler. Darüber habe er sich auch mit Kollegen unterhalten.

Auch im Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags hatten Zeugen berichtet, dass nach dem Mord ein ausländerfeindlicher Hintergrund geprüft worden sei. Man habe aber keine konkreten Spuren gefunden.

Am Vormittag war beim NSU-Prozess eine Polizeibeamtin gehört worden, die Yasar niedergeschossen in seinem Imbiss-Stand fand. Er habe «blutüberströmt und offensichtlich leblos» hinter dem Tresen gelegen, schilderte sie. In technokratischer Polizeisprache fügte sie hinzu: «Vom Notarzt wurde dann festgestellt, dass die Person ex ist.» Yasar wurde 50 Jahre alt. Er war geschieden und hatte einen damals 15 Jahre alten Sohn.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung

Terminhinweis OLG München