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»Wolke«-Autorin Pausewang mit 91 Jahren gestorben

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Gudrun Pausewang
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Gudrun Pausewang ist tot. Foto: Arne Dedert/dpa Foto: dpa

Gudrun Pausewang setzte sich leidenschaftlich für Frieden und Umweltschutz ein. Der Roman »Die Wolke« über die Gefahren der Atomenergie wurde in den 80ern zu ihrem größten Erfolg. Nun ist die Schriftstellerin im hohen Alter gestorben.


Bamberg/Schlitz (dpa) - Sie war eine leidenschaftliche Verfechterin von Frieden, sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz. In ihrem Roman »Die Wolke« schrieb Gudrun Pausewang über die Folgen eines Atomreaktorunfalls.

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Das 1987 - ein Jahr nach der Tschernobyl-Katastrophe - erschienene Jugendbuch wurde ein Riesenerfolg und avancierte zur Lektüre in vielen Schulen. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde es verkauft und in 16 Sprachen übersetzt.

Mehr als drei Jahrzehnte lebte Pausewang im osthessischen Schlitz, wo sie auch einen Großteil ihrer Bücher verfasste. Nach einem Sturz vor ein paar Jahren zog sie in die Nähe ihres Sohnes in ein Seniorenheim nahe Bamberg. Dort ist die Schriftstellerin am Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren gestorben.

Pausewang hat bis weit über das eigentliche Rentenalter hinaus geschrieben. Im Jahr 2013 sagte sie in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur: »Die Schriftstellerei ist kein Job, sondern Leidenschaft.«

Die Schriftstellerin blickte am Ende ihrer Schaffensperiode auf ein eindrucksvolles Gesamtwerk. Sie schrieb nach eigenen Angaben mehr als 100 Bücher. Knapp fünf Millionen Exemplare wurden verkauft. Das für sie prägendste Werk konnte sie nie nennen: »Alle meine Bücher sind mir wichtig, weil sie zeigen, wie das Leben wirklich ist. Und weil sie zeigen, wie man sich den Menschen anpasst - oder auch seinen eigenen Weg geht.« In ihrem letzten Buch (»So war es, als ich klein war«, 2016) hielt sie ihre Kindheitserinnerungen fest.

Pausewang bekam zahlreiche Preise, darunter eine besondere Ehrung im Jahr 2017: Bei der Frankfurter Buchmesse erhielt sie den mit 12 000 Euro dotierten Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk. Gewürdigt wurde damit ihr vielfältiges und politisches Schaffen. Sie habe unzählige junge Leser darin bestärkt, aktiv die Zukunft mitzugestalten, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Das Buch »Die Wolke«, das vor den Gefahren der Atomenergie warnt und 2006 fürs Kino verfilmt wurde, traf in den 80er Jahren den Nerv der Zeit. Der Roman erschien kurz nach der Reaktorkatastrophe von  Tschernobyl. 1988 wurde Pausewang dafür mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 wurde das Thema wieder aktuell - und Pausewang war wieder eine gefragte Gesprächspartnerin.

Neben »Die Wolke« verfasste Pausewang weitere bekannte Bücher wie »Die Not der Familie Caldera« und »Die letzten Kinder von Schewenborn«. Nach Fukushima schrieb sie »Noch lange danach«. In den ersten Jahren ihres schriftstellerischen Schaffens hatte sie sich noch mit Literatur für Erwachsene beschäftigt. Der Großteil ihrer Bücher richtete sich allerdings an Kinder und Jugendliche.

Für die jungen Leser seien Pausewangs Bücher nicht immer leichte Kost, sagte Daniel Schnock von der Stiftung Lesen einmal. Pausewang stehe auch für Romane, die mit aktuellen Themen und oft brutalen Szenarien Kindern und Jugendlichen viel zumuteten. Dabei habe die Autorin immer die Perspektive ihrer jungen Leser eingenommen und Probleme unverfälscht und direkt geschildert.

Manche Themen waren für Pausewang, die einige Jahre in Südamerika als Deutsch-Lehrerin unterrichtet hatte, besonders prägend: »Krieg und Frieden«, »Armut in Südamerika«, »Schutz der Umwelt« und »Nie mehr Nationalsozialismus«. Über die NS-Epoche sagte sie: »Ich bin noch Zeitzeuge.« Ihr Vater sei ein überzeugter Nazi gewesen und habe sie auch so erzogen.

Pausewang bekam als Kind einen prägenden Zugang zu Büchern. Aufgewachsen in kargen Verhältnissen als ältestes von sechs Kindern im böhmischen Dorf Mladkov (Wichstadtl) lernte sie die Welt nur über Bücher kennen. »Aber ich wusste schnell, dass nicht alle Probleme in einem Happy End aufgehen, dass nicht immer Gut gewinnt und Böse verliert«, sagte sie einmal. Sie fühlte sich als junge Leserin nicht ernst genommen. Und wollte es später selbst besser machen. »Ich wollte früh Geschichten-Erfinderin werden.«