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Weiter Kritik an Linnemanns Vorstoß - aber auch Zustimmung

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Linnemanns Vorschlag, Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen notfalls später einzuschulen, steht weiter in der Kritik. Arno Burgi Foto: Arno Burgi Foto: dpa

CDU-Politiker Carsten Linnemann hat mit seinen Aussagen zu Deutschkenntnissen von Grundschülern eine breite Diskussion ausgelöst. Es gibt Zustimmung und Kritik - auch über Parteigrenzen hinweg.


Berlin (dpa) - Als »schrecklichen Vorschlag« hat Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) den Vorstoß des CDU-Politikers Carsten Linnemann bezeichnet, notfalls Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen später einzuschulen.

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»Alle Kinder haben das Recht eine Schule zu besuchen, da darf niemand ausgegrenzt werden«, sagte sie der »Rhein-Neckar-Zeitung«. »Gerade die Schulen und die Kitas arbeiten sehr erfolgreich für die Integration.«

Unionsfraktionsvize Linnemann hatte in der »Rheinischen Post« unter Hinweis auf »neue Parallelgesellschaften« gesagt: »Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.« Für betroffene Kinder schlug er eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden.

Auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann - eine Parteifreundin von Linnemann - äußerte sich in der »Rhein-Neckar-Zeitung« kritisch: »Ich teile die Einschätzung von Herrn Linnemann, dass Handlungsbedarf bei der sprachlichen Förderung besteht und dass wir möglichst früh damit beginnen müssen, Kinder zu fördern.« Ausgrenzung sei aber der falsche Weg. »Kinder brauchen ein Umfeld, das sie motiviert und zum Lernen anregt.«

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) übte ebenfalls Kritik an Linnemanns Aussagen. »Der Kontext des Zitats rund um das Drama von Frankfurt lässt dieses höchst populistisch erscheinen«, sagte Ilka Hoffmann, im GEW-Vorstand für Schulfragen zuständig, dem Portal »watson.de«. Laut Hoffmann ist nicht ein Mangel an Deutschkenntnissen das Problem im Alltag der Schulen, sondern ein Mangel an ordentlich ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, unterstützte Linnemann dagegen erneut. »Ich glaube, man tut Herrn Linnemann damit Unrecht, wenn man ihn so versteht, als wolle er Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse von der Grundschule fernhalten«, sagte er der »Passauer Neuen Presse«. »Er hat eine große Herausforderung richtig angesprochen, nämlich, dass rund ein Fünftel aller Erstklässler keine ausreichenden Deutschkenntnisse hat, um dem Unterricht zu folgen.« Da mache in dem einen oder anderen Fall eine Rückstellung durchaus Sinn, wenn in diesem Jahr dann eine entsprechende vorschulische Sprachförderung erfolge.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hatte die Debatte als »wichtiges Thema« bezeichnet. Auf Twitter schrieb er: »Damit alle Kinder in der Schule mitsprechen und gleichberechtigt teilhaben können, brauchen wir gezielte Sprachförderung im Kindergarten, überall verbindliche Sprachtests vor der Einschulung. Bei erkannten Defiziten verpflichtende Förderung und schulbegleitende Sprachprogramme.«

Nicht nur ausländische Kinder hätten Sprachprobleme. Ohne deutsche Sprache gebe es keine Chance auf gute Bildung. »Grundschullehrer lassen wir aber häufig alleine mit dieser Arbeit. Das ist schlecht für alle Kinder - mit oder ohne Sprachdefiziten. Deshalb gut, dass wir über dieses wichtige Thema diskutieren«, so Ziemiak.

Debatte über Einschulung bei fehlenden Deutschkenntnissen