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US-Zeitungen vs. Trump: »Journalisten sind nicht der Feind«

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New York Times
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Eingang zum Gebäude der «New York Times». Foto: Mary Altaffer/AP Foto: dpa

Seit dem Wahlkampf stilisiert Donald Trump die Medien zu einem Feindbild. Hunderte US-Zeitungen beziehen nun Position gegen die ständigen Angriffe des Präsidenten. Aber nicht alle Medien finden das gut.


Boston (dpa) - Mit einer großangelegten Kampagne wehren sich Hunderte Zeitungen in den USA gegen die ständigen Angriffe von Präsident Donald Trump. In Leitartikeln bezogen sie Position gegen die Anschuldigung Trumps, Falschnachrichten zu verbreiten und »Feinde des Volkes« zu sein.

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Initiiert wurde die Aktion von der Zeitung »Boston Globe«. Nach Angaben des Blattes beteiligten sich bislang etwa 350 Medien. Trump reagierte mit einer Reihe wütender Tweets.

Der Republikaner hatte die Medien schon während des Wahlkampfes zu einem Feindbild stilisiert. Auch derzeit vergeht kaum eine Rede des Präsidenten, in der er nicht gegen sie wettert. Kritische Berichterstattung über seine Politik, wie sie etwa die vielfach ausgezeichnete »New York Times« betreibt, bezeichnet Trump als »Fake News«. Journalisten nennt er immer wieder »Feinde des Volkes«.

Der Präsident behauptet, die Medien würden absichtlich nicht über bestimmte Themen berichten, um ihn zu diskreditieren. Im vergangenen Jahr erklärte er, er finde es »ekelhaft«, dass die Presse in der Lage sei, zu schreiben, was sie wolle.

Der »Boston Globe« warnte in einem Leitartikel, dass Trumps ständige Angriffe auf die Medien gefährliche Konsequenzen haben könnten. Freie Medien durch staatlich kontrollierte zu ersetzen, sei stets eine der ersten Ziele eines korrupten Regimes bei der Machtübernahme in einem Land. Trump verbreite unter anderem die Lüge, dass Medien, die seine Regierungspolitik nicht unterstützten, »Feinde des Volkes seien«.

Der »Globe« verwies auf ein Zitat von John Adams, einem der Gründungsväter der USA, der erklärt hatte, dass die Freiheit der Presse unabdingbar für die Sicherheit der Freiheit sei. Heutzutage sei dieses »grundlegende amerikanische Prinzip« bedroht, hieß es in dem Leitartikel. Das sende ein »alarmierendes Signal« an Despoten im Ausland, die sich dadurch ermutigt fühlen könnten, Journalisten wie Feinde zu behandeln.

Es sei kein Zufall, dass Trump - dessen finanzielle Angelegenheiten im Dunkeln lägen und dessen Verhalten sein eigenes Justizministerium auf den Plan gerufen habe - nun versuche, Journalisten einzuschüchtern, die ihm auf die Finger klopfen, meinte der »Globe«.

An der Aktion beteiligten sich Zeitungen aus dem ganzen Land. »Wir sind nicht der Feind des Volkes. Wir sind das Volk. Wir sind nicht Fake News. Wir sind Ihre Nachrichten, und wir arbeiten Tag und Nacht hart, damit wir die Fakten richtig berichten«, schrieb etwa die »Syracuse New Times« aus dem Bundesstaat New York.

Die »New York Times« forderte in ihrem Kommentar die Leser auf, Lokalzeitungen zu abonnieren.

Einige Medienhäuser zeigten sich jedoch auch kritisch. Das konservative »Wall Street Journal« etwa warnte in einem Kommentar in den Tagen vor Veröffentlichung der Leitartikel, dass eine solche abgestimmte Aktion eben nicht den Eindruck von Unabhängigkeit der Redaktionen erwecke. Auch die »Los Angeles Times« distanzierte sich von der Initiative.

Trump warf den Medien am Donnerstagmorgen vor, dem Land zu schaden. »DIE FAKE NEWS MEDIEN SIND DIE OPPOSITIONSPARTEI«, schrieb er auf Twitter. »Das ist sehr schlecht für unser großartiges Land...ABER WIR GEWINNEN!«

In einem weiteren Tweet erklärte er: »Es gibt nichts, was ich für unser Land mehr wollen würde, als eine wahre PRESSEFREIHEIT. Tatsache ist, dass die Presse FREI ist, zu schreiben und zu sagen, was sie will, aber vieles von dem, was sie sagt, ist FAKE NEWS, mit denen eine politische Agenda vorangetrieben werden soll oder versucht wird, Menschen zu schaden. EHRLICHKEIT GEWINNT!«

Trumps Angriffe auf die Medien haben auch international Besorgnis ausgelöst. »Seine Attacken sind strategisch, sollen das Vertrauen in die Berichterstattung untergraben und Zweifel an überprüfbaren Fakten schüren«, schrieben die Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen und der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, David Kaye und Edison Lanza, Anfang August. Der Präsident habe aber nie den Beweis erbracht, dass Medien aus unlauteren Motiven falsch berichtet hätten, so die Menschenrechtler. »Wir sind besonders besorgt, dass diese Angriffe das Risiko erhöhen, dass Journalisten Gewalt ausgesetzt werden«, hieß es weiter.

Die Faktenprüfer der »Washington Post« hatten Anfang August berichtet, dass Trump in den 558 Tagen seit Amtsantritt 4229 falsche oder irreführende Angaben gemacht habe - das seien 7,6 Behauptungen pro Tag. Das Blatt gehört gemeinsam mit der »New York Times« und dem US-Sender CNN zu den bevorzugten Zielscheiben von Trump.

Leitartikel Syracuse New Times

Leitartikel Boston Globe

Leitartikel New York Times

Boston Globe, Zusammenstellung der Kommentare

Kommentar Wall Street Journal, Bezahlschranke