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US-Gericht hebt Todesstrafe gegen gebürtige Berlinerin auf

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Debra Wilke
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Eine in den USA zum Tode verurteilte gebürtige Berlinerin kann auf ihre Freilassung hoffen. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Urteil gegen Debra Milke hob ein US-Berufungsgericht die Strafe auf. Foto: Arizona Department of Corrections Foto: dpa

San Francisco/Washington (dpa) - Sie sollte den Mord an ihrem Sohn eingefädelt haben und saß dafür 22 Jahre in einer Todeszelle in Arizona. Nun könnte die in Berlin geborene Debra Milke (49) überraschend in Freiheit kommen.


Wegen eines Verfahrensfehlers hob ein Bundesberufungsgericht in San Francisco die 1990 verhängte Todesstrafe gegen die Frau auf.

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Das Gericht erklärte: Milke habe keinen fairen Prozess erhalten. In der am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Entscheidung spricht Richter Alex Kozinski von einem »besorgniserregenden Fall«. Das Urteil habe Milke in einen Schockzustand versetzt, erklärte ihr Anwalt dem TV-Sender ABC-News.

»Du sitzt fast 23 Jahre im Todestrakt und hast das Damoklesschwert über dir und plötzlich ist es weg«, sagte der Jurist Michael Kimerer. Seine Klientin müsse nun erst einmal lernen, damit umzugehen. Sie bleibe vorerst in ihrer alten Zelle.

Die Deutsch-Amerikanerin, die seit ihrer Kindheit in Arizona lebt, sitzt wegen Anstiftung zum Mord im Frauengefängnis von Perryville. Die meiste Zeit verbrachte sie dort völlig isoliert.

Weil sie jahrelang die einzige Todeskandidatin in dem Gefängnis war, wurde für Milke ein eigener Hochsicherheitstrakt auf dem Gelände der Haftanstalt, mitten in der Wüste, gebaut. Wäre sie hingerichtet worden, wäre sie es als erste Frau in dem Bundesstaat seit 1932.

Die Tochter eines Amerikaners und einer Deutschen hat stets auf ihre Unschuld gepocht. Vom Auswärtigen Amt in Berlin hieß es Samstag: »Es gibt keine Anhaltspunkte, dass es sich bei Frau Milke um eine deutsche Staatsangehörige handelt.«

Milke war von einer Jury im Alter von 25 Jahren dafür verurteilt worden, 1989 zwei Männer angestiftet zu haben, ihren vier Jahre alten Sohn zu töten. Auch sie erhielten die Todesstrafe.

Der kleine Junge war mit einem Mitbewohner seiner Mutter und dessen Freund zu einem Ausflug aufgebrochen. Doch die Männer fuhren das Kind in die Wüste und töteten es durch mehrere Schüsse in den Kopf. Einer der beiden Männer hatte kurz darauf gestanden und Debra Milke belastet. Sie habe den Männern Geld geboten.

Richter Kozinski zufolge gab es keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten. Ein Ermittler der Polizei jedoch hatte behauptet, dass Milke ihm ihre Mitschuld gestanden habe. Der Mann, der als Hauptzeuge in ihrem Verfahren auftrat, hatte dafür weder Tonaufnahmen noch ein Protokoll.

In dem Prozess sei es um ihre Aussage gegen die Aussage des Ermittlers gegangen, befand Kozinski. Die Jury habe dem Detektiv geglaubt, ohne zu wissen, dass der Beamte eine »lange Vorgeschichte« als Lügner unter Eid und für anderes Fehlverhalten hatte.

Der Generalstaatsanwalt von Arizona kritisierte am Freitag die Entscheidung des zuständigen US-Berufungsgerichts in Kalifornien. Milke habe ein »schreckliches Verbrechen« begangen, zitierte der US-Sender CNN aus einer Mitteilung von Tom Horne. Die Staatsanwaltschaft in Arizona muss nun innerhalb eines Monats entscheiden, ob der Fall neu vor Gericht gehen soll. Ansonsten muss Milke nach Anordnung eines Bezirksgerichts freigelassen werden.

In Deutschland kämpfte Uschi Glas (69) jahrelang um Gerechtigkeit für Milke. »Das Engagement, der Kampf, haben sich endlich gelohnt«, sagte die Schauspielerin dem »Berliner Kurier« vom Samstag. Milkes Mutter Renate Janka hatte Glas demnach am Abend der Richterentscheidung angerufen. »Als Renate mir sagte, dass es Hoffnung gibt, dass der Fall ihrer Tochter neu aufgerollt wird - da habe ich vor Freude einen Luftsprung gemacht.«

Gerichtsentscheid

CNN-Bericht

ABC News

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