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Taliban attackieren Karsais Regierungspalast in Kabul

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Regierungsviertel
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Hinter hohen Mauern: Das Regierungsviertel in Kabul. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa
Nach dem Taliban-Überfall
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Nach dem Taliban-Überfall: Afghaniswche Sicherheitskräfte schirmen das Regierungsviertel ab. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa
Nato-Helikopter über Kabul
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Ein Nato-Helikopter kreist über der Schlacht um den Kabuler Regieruntgspalast. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa
Kämpfe im Regierungsviertel
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Taliban lieferten sich nahe der Außenmauer des Palastgeländes in Kabul ein knapp zweistündiges Feuergefecht mit Sicherheitskräften. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa
Taliban-Angriff in Kabul
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Rauch über dem Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul: Hier kam es zu Kämpfen mit den Taliban. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa
Ruhe nach dem Sturm
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Trügerische Ruhe nach dem Sturm: Afghanische Sicherheitskräfte nach dem zweistündigen Schusswechsel mit den Taliban. Foto: S. Sabawoon Foto: dpa

Kabul (dpa) - So nah sind die Taliban noch nie an den Präsidentenpalast herangekommen: Ein Selbstmordkommando dringt mit gefälschten Papieren in das Regierungsviertel von Kabul ein und liefert sich zwei Stunden lang Gefechte mit den Sicherheitskräften.


Nach Angaben des Innenministeriums wurden dabei alle vier Angreifer und drei Elite-Soldaten der Leibgarde von Präsident Hamid Karsai getötet. Karsais Büro sagte, es habe sich bei den Toten nicht um Mitglieder der Leibgarde gehandelt, sondern um Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen. Bislang war es den Taliban noch nie gelungen, so nahe an den Palast heranzukommen.

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Aus dem Präsidentenpalast hieß es, Karsai sei während des Angriffs anwesend gewesen. Die Gefechte seien aber «weit weg» vom Palastgebäude gewesen. Zwischen dem Ort des Gefechts und dem mehrere hundert Meter entfernten Palastgebäude mit Karsais Büro liegen noch mehrere Kontrollstellen mit zahlreichen Sicherheitskräften.

Die Taliban hatten in der vergangenen Woche ein Verbindungsbüro im Golf-Emirat Katar eröffnet, um Friedensgespräche mit den USA zu beginnen. Sie kündigten aber an, weiterhin Angriffe in Afghanistan zu verüben.

Die Taliban bekannten sich noch während der laufenden Gefechte zu dem Angriff. Mudschaheddin-Kämpfer hätten den Präsidentenpalast, das Verteidigungsministerium und das frühere Ariana-Hotel mit der örtlichen Zentrale des US-Geheimdienstes CIA angegriffen, hieß es in einer Mitteilung von Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.

Karsais Büro teilte am Dienstagabend dagegen mit, der Angriff habe nicht dem Palast gegolten. Bei den getöteten Sicherheitskräften habe es sich nicht um Angehörige von Karsais Leibgarde, sondern um Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen gehandelt, die «ausländische Einrichtungen» in der Gegend bewachten.

Augenzeugen berichteten von zahlreichen Explosionen. Sie sagten, die Angreifer hätten Armeeuniformen getragen und sich ein Feuergefecht mit Angehörigen von Karsais Leibgarde und mit amerikanischen Sicherheitskräften an dem CIA-Büro geliefert.

Als der Angriff begann, warteten am Osttor des Palastgeländes mehrere Journalisten auf die Sicherheitskontrolle, um zu einer Pressekonferenz mit Karsai zu gelangen. «Plötzlich knallte es um uns herum», sagte der BBC-Reporter Bilal Sarwary in seinem Sender. «In meinen Augen handelt es sich hier um die größte Sicherheitslücke der vergangenen zwölf Jahre.» Augenzeugen berichteten, zu den Kämpfen sei es etwa 20 Meter entfernt vom Osttor gekommen.

Kabuls Polizeichef Ajub Salangi sagte, die Aufständischen seien in einem Auto unterwegs gewesen und hätten gefälschte Sicherheitsausweise gehabt. Sicherheitskräfte hätten die Angreifer schließlich identifiziert und gestoppt. Die Taliban hätten daraufhin das Feuer eröffnet.

Den Angreifern gelang es mit den gefälschten Papieren offenbar, mehrere Checkpoints zu passieren, die vor dem Ort der Gefechte liegen. Die Gegend ist Hochsicherheitsgebiet und weiträumig von der Außenwelt abgeriegelt.

Bei einem Anschlag in der südafghanischen Provinz Kandahar wurden am Dienstag acht Frauen und zwei Kinder getötet. Drei Männer seien verletzt worden, als der Kleinbus der Opfer in eine Sprengfalle geriet, teilte die Provinzregierung mit.