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SWR: Zschäpe hat Briefkontakt mit Gefangenem aus rechter Szene

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Zschäpe
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Beate Zschäpe beim Betreten des Gerichtssaals in München. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
NSU-Prozess
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Die Angeklagten Carsten S. und Beate Zschäpe (l) im Gerichtssaal in München. Foto: Tobias Hase Foto: dpa

München (dpa) - Die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess, Beate Zschäpe, soll Briefkontakt mit einem anderen Gefangenen aus der rechten Szene haben.


Wie der Sender «SWR Info» berichtet, wurde der Brief Zschäpes in der Zelle eines Strafgefangenen in Bielefeld gefunden. Dieser habe der verbotenen «Hilfsorganisation Nationaler Gefangener» (HNG) angehört.

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In dem 30 Seiten langen Brief schreibe Zschäpe über den Alltag in der Haft, das Essen und das Verhältnis zu dem Empfänger. «Zu letzterem Thema wird sie sehr persönlich und intim, scheint sich in eine Phantasiewelt hineinzuschreiben», schreibt der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt.

Sie beschreibe, wie sie mit dem Hubschrauber von Zwickau nach Karlsruhe zum Ermittlungsrichter geflogen wurde. Der Ausblick sei grandios gewesen, sie habe die weihnachtliche Stimmung genossen.

Mit ihrer Rolle als Angeklagte beschäftige sich die 38-Jährige in dem Brief jedoch nur am Rande. Zschäpe soll gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) gebildet haben. Die Terrorgruppe wird für zehn Morde verantwortlich gemacht.

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München wurde Carsten S. am Mittwoch erneut stundenlang vernommen. Der 33-jährige Szene-Aussteiger erhob dabei erneut Vorwürfe gegen den Mitangeklagten Ralf Wohlleben. Der Ex-NPD-Funktionär soll Carsten S. zu seinem Verbindungsmann zu dem untergetauchten NSU-Trio gemacht haben. Nach eigenen Angaben hat Carsten S. im Auftrag Wohllebens eine Pistole für die drei besorgt. Dabei handelt es sich nach aller Wahrscheinlichkeit um die «Ceska», mit der Böhnhardt und Mundlos neun Menschen ermordeten.

Die Bundesanwaltschaft prüft indessen Hinweise auf einen weiteren möglichen Anschlag der Terrorzelle. Ein bislang nicht aufgeklärter Rohrbombenanschlag in Nürnberg 1999 könnte auf das Konto der Neonazi-Terroristen gehen. Am Mittwoch leitete die Nürnberger Staatsanwaltschaft die Akten an die Bundesanwaltschaft weiter. Bei der Explosion des Sprengkörpers war ein 18-Jähriger verletzt worden.

Mitteilung zur Anklageerhebung

SWR-Blog «Terrorismus in Deutschland»