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Südkorea demonstriert militärische Stärke gegen Nordkorea

«Präzisionswaffe»
Südkoreanischer Lenkflugkörper: «Eine Präzisionswaffe, die von jedem Ort auf der koreanischen Halbinsel das Fenster eines nordkoreanischen Kommandobüros treffen kann.» Foto: Südkoreanische Marine Foto: dpa
Manöver
Die viertägigen Seemanöver vor der Ost- und Westküste der koreanischen Halbinsel sind eine Reaktion auf den nordkoreanischen Nukleartest vom Dienstag. Foto: Südkoreanische Marine Foto: dpa
Erhöhte Alarmbereitschaft
Südkoreanische Soldaten auf der Insel Yeonpyeong. Durch den Atomtest haben sich die Spannungen auf der Halbinsel wieder deutlich verschärft. Foto: Yonhap/dpa Foto: dpa
Kim Hwang Sik
Südkoreas Premierminister Kim Hwang Sik (r) will mit dem Manöver militärische Stärke demonstrieren. Foto: Yonhap/dpa/Archiv Foto: dpa
Kim Jong Un
Nordkoreas Machthaber Kim Jon Un. Pjöngjang hatte den Atomtest im Januar nach der Ausweitung von UN-Sanktionen angekündigt. Foto: Nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA Foto: dpa
Marschflugkörper
Die neuen seegestützten Marschflugkörper haben Reichweiten von mehr als 1000 Kilometern und können jeden Punkt in Nordkorea erreichen. Foto: Südkoreanische Marine Foto: dpa
Grenzzaun
Südkoreanische Touristen schauen durch den Grenzzaun auf das Staatsgebiet des Nachbarn. Foto: Jeon Heon Kyun Foto: dpa
Grenzposten
Ein südkoreanischer Soldat bewacht die Demarkationslinie zwischen den Bruderstaaten. Foto: Jeon Heon Kyun Foto: dpa
Fernglas
Auch Nordkorea zeigt Präsenz: ein Soldat beobachtet durchs Fernglas die Gegenseite. Foto: Jeon Heon Kyun Foto: dpa

Seoul (dpa) - Südkorea demonstriert nach dem weltweit verurteilten Atomtest im kommunistischen Nachbarland Nordkorea militärische Stärke.


Zwei Tage nach dem unterirdischen Test und weiteren Drohungen Nordkoreas veröffentlichte das Verteidigungsministerium in Seoul am Donnerstag Videobilder von Erprobungen eines neuen seegestützten Marschflugkörpers.

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Mit Reichweiten von mehr als 1000 Kilometern können diese Waffen jeden Punkt in Nordkorea erreichen. Zugleich setzten Südkoreas Streitkräfte umfassende Übungen zu Wasser, zu Luft und zu Lande fort.

In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang feierten unterdessen Zehntausende Menschen bei einer Propagandakundgebung auf einem großen Platz den dritten Atomversuch als «Erfolg». Der Test sei eine Maßnahme zur Selbstverteidigung gegen die «feindselige» Politik der USA gewesen, sagte Kim Ki Nam, ein Sekretär der herrschenden Arbeiterpartei, laut den staatlichen Medien zu der Menge mit Soldaten und Zivilisten. Der junge Machthaber - er ist etwa 30 Jahre alt - nahm an der Kundgebung nicht teil.

Der gezeigte südkoreanische Marschflugkörper «ist eine Präzisionswaffe, die von jedem Ort auf der koreanischen Halbinsel das Fenster eines nordkoreanischen Kommandobüros treffen kann», sagte ein südkoreanischer Offizier vor Journalisten in Seoul. Südkoreas Militär hatte nach eigenen Angaben bereits 2012 damit begonnen, die neuen Waffen zu stationieren.

Die viertägigen Seemanöver vor der Ost- und Westküste hatten bereits am Mittwoch als Reaktion auf den Nukleartest vom Dienstag begonnen. An diesem Freitag sind dem Ministerium zufolge weitere Artillerie-Schießübungen auf einem Übungsgelände nahe der Grenze zu Nordkorea geplant. An den Übungen der Luftstreitkräfte beteiligten sich auch Flugzeuge des Bündnispartners USA.

Durch den Atomtest haben sich die Spannungen auf der Halbinsel wieder deutlich verschärft. «Die gegenwärtige Situation auf der koreanischen Halbinsel ist so ernst, dass selbst ein geringer zufälliger Vorfall zu einem vollständigen Krieg führen kann», hieß es in einem Kommentar der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Beide Staaten befinden sich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) völkerrechtlich noch immer im Kriegszustand, da ein Friedensvertrag bis heute nicht geschlossen wurde.

Nordkorea hatte nach seinem dritten Atomtest nach 2006 und 2009 angedeutet, weitere nukleare Sprengsätze zünden zu können. Den Atomtest hatte Nordkorea im Januar nach der Ausweitung von UN-Sanktionen angekündigt. Mit dem Sanktionsbeschluss bestrafte der Weltsicherheitsrat Nordkorea wegen eines umstrittenen Raketenstarts im Dezember. Den jüngsten Atomtest hatte das mächtigste UN-Gremium aufs Schärfste verurteilt und «angemessene Maßnahmen» angekündigt.

Noch ist unklar, ob Nordkorea den Test auf Uran- oder Plutoniumbasis unternommen hat. Atombomben können aus diesen beiden Spaltmaterialien bestehen. Bei seinen ersten beiden Tests soll Nordkorea Plutonium verwendet haben. Bisher wurden jedoch keine radioaktiven Isotope aufgespürt, die von dem jüngsten Test stammen könnten, wie die staatliche südkoreanische Kommission für Nuklear-Sicherheit mitteilte. Bei der Analyse von Luftproben, die kurz nach dem Test gesammelt worden seien, sei nichts derartiges entdeckt worden. Aus der Analyse radioaktiver Isotopen können die Experten das Material für den Sprengsatz bestimmen.