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Sharif fordert von Obama Ende des Drohnenkrieges

Washington (dpa) - Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif hat von US-Präsident Barack Obama ein Ende der Drohnenangriffe in seinem Land gefordert.

Drohne
Eine Drohne von Typ MQ-1 Predator der US-Air-Force. Foto: Lt. Col. Leslie Pratt Foto: dpa

«Ich habe auch das Thema Drohnen bei unserem Treffen angesprochen und die Notwendigkeit betont, dass solche Angriffe aufhören müssen», sagte Sharif am Mittwoch (Ortszeit) nach einem Besuch im Weißen Haus. Nach US-Medienberichten haben pakistanische Regierungsvertreter die Drohnenangriffe jedoch jahrelang unterstützt.

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Das Thema Drohnen ist seit langem Reizthema zwischen Pakistan und den USA. Die Attacken im afghanischen Grenzgebiet seien ein «großer Störfaktor» im bilateralen Verhältnis, sagte Sharif vor dem Treffen mit Obama beim US-Friedensinstitut (USIP) in Washington. Sie schadeten den Bemühungen Pakistans, den Terrorismus im eigenen Land auszulöschen.

Zugleich machten die USA am Mittwoch klar, dass die Militärhilfen an Pakistan wieder aufnommen werden. Insgesamt ist von 1,6 Milliarden zivilen und militärischen Hilfen die Rede. Etwa die Hälfte davon sind Militärhilfen, die aber im Zuge der Spannungen in den Jahren 2011 und 2012 ausgesetzt wurden. Vor allem den Anti-Terrorkampf Pakistans werde Washington unterstützen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf den USA erst am Vortag in einem Bericht vor, durch ihre Drohnenangriffe das Völkerrecht zu brechen. Nach unbestätigten Angaben sollen schon mehr als 2500 Menschen durch Drohnen getötet worden sein, darunter viele Zivilisten. Das Weiße Haus verteidigte die Aktionen dagegen als «präzise, rechtmäßig und effektiv».

Obama ging bei dem Treffen nicht ausdrücklich auf das Thema Drohnen ein. Er sagte lediglich, bei der militärischen Zusammenarbeit müsse «die Souveränität Pakistans respektiert» werden. «Dies ist eine Herausforderung, es ist nicht einfach...». Das Treffen im Weißen Haus sei ein Zeichen der Bemühungen Washingtons, den Konflikt über die Drohnen privat zu besprechen, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums.

Ranghohe Regierungsvertreter in Islamabad haben das amerikanische Drohnenprogramm in Pakistan nach Recherchen der «Washington Post» jahrelang unterstützt - trotz ihrer öffentlichen Kritik. Von einer «geheimen Vereinbarung der beiden Länder» sprach das Blatt am Donnerstag in seiner Online-Ausgabe und bezog sich dabei auf diplomatische Schriftstücke Pakistans sowie geheime CIA-Dokumente.

Diese beschrieben mindestens 65 Drohnenangriffe und beinhalteten Karten sowie Vorher-Nachher-Fotos getroffener Ziele aus den Jahren 2007 bis 2011 in Pakistan, hieß es in dem Bericht. Kennungen auf den Akten legten nahe, dass viele der Dokumente speziell von der CIA vorbereitet wurden, um sie anschließend der pakistanischen Regierung vorzulegen.

Die als geheim eingestuften aber für Pakistan freigegeben Dokumente betonten wiederholt, dass bei den Angriffen Terroristen getötet und Zivilisten nicht zu Schaden gekommen seien. In einigen Fällen sei Pakistan direkt an der Auswahl der Ziele beteiligt gewesen, legten Dokumente nahe.

Weder Sprecher der pakistanischen Botschaft in Washington noch der CIA bestätigten dem Blatt die Angaben.

Sharifs Rede beim US-Friedensinstitut

Amnesty-Bericht, auf englisch

«Bureau of Investigative Journalism» zu Drohnen/Pakistan

Bericht «Washington Post»