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Pussy-Riot-Berufung überraschend vertagt

Moskau (dpa) - Kraftprobe im Fall Pussy Riot: Ein Moskauer Gericht hat überraschend das Berufungsverfahren gegen drei Frauen der Polit-Punkband auf den 10. Oktober verschoben.

Pussy Riot
Die Polit-Punkband Pussy Riot will ihren Anwalt austauschen. Foto: Maxim Shipenkov Foto: dpa

Die Richterin gab am Montag einem Antrag der inhaftierten Jekaterina Samuzewitsch statt, ihren Anwalt wegen «starker Differenzen» auszutauschen. Ein Justizsprecher warf der Musikerin daraufhin eine «Verzögerungstaktik» vor. Vor dem Gerichtsgebäude nahm ein Großaufgebot der russischen Polizei mehrere Demonstranten fest.

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Die drei Künstlerinnen waren für ein Protestgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche zu je zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Sie sitzen seit Anfang März hinter Gittern. Bürgerrechtler kritisieren das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert. Das Urteil hatte international Empörung ausgelöst.

Die Anwälte hoffen auf Freispruch für Russlands bekannteste weibliche Gefangene - entweder in Moskau oder vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew hatte vor kurzem die Hoffnung auf eine Verkürzung der Strafe genährt. Die Inhaftierung sei «unproduktiv», hatte der Ministerpräsident gesagt.

Ihre Position stimme nicht mit der ihrer Verteidiger überein, sagte Samuzewitsch im Gerichtssaal. Ihre beiden Mitangeklagten, die wie die 30-Jährige erneut in einem Glaskäfig saßen, sowie die Juristen der Frauen zeigten sich überrascht. Es habe nie eine offene Meinungsverschiedenheit gegeben, sagte Anwalt Nikolai Polosow.

Einer der Gründe für das Zerwürfnis sei die «undurchsichtige Verwendung von Spenden für Pussy Riot», berichtete die Zeitung «Nowaja Gaseta». Zudem sollen die Juristen Briefe unterschlagen haben. Der Anwalt der Nebenkläger sprach dagegen von einer «abgekarteten Sache». Er fürchte, dass am 10. Oktober die beiden anderen Frauen ihre Verteidiger entlassen würden, um den Prozess absichtlich in die Länge zu ziehen, sagte Alexej Taratuchin.

Nach der Vertagung wurden Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Maria Aljochina (24) - beide Mütter kleiner Kinder - sowie Samuzewitsch (30) zurück ins Untersuchungsgefängnis gebracht. «Keine Sorge, alles normal», sagten sie der «Nowaja Gaseta»-Korrespondentin. Das Gericht muss entscheiden, ob die Verurteilung «aus tiefstem Hass gegenüber Gläubigen», so der Richterspruch vom 17. August, rechtmäßig ist.

Vor dem Gerichtsgebäude nahm die Polizei mehrere Menschen fest, die mit aufblasbaren Puppen eine schärfere Verurteilung der Frauen gefordert hatten. Sie kritisierten die internationale Unterstützung für Pussy Riot als «Politschwindel». Andere Demonstranten zeigten hingegen ihre Sympathie für die Frauen. Auch hier gab es Festnahmen.

Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche hatten die drei Frauen vor Prozessbeginn zur öffentlichen Buße aufgefordert. Das sei «gut für ihr Seelenheil», sagte Wladimir Legoida vom Moskauer Patriarchat. «Falls mit Buße ein Schuldeingeständnis gemeint ist, so ist das sehr unwahrscheinlich», sagte Verteidiger Mark Fejgin. Einer Umfrage zufolge sehen angeblich mehr als die Hälfte der Menschen in Russland das Urteil als gerechtfertigt an.

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