weather-image
15°

Politischer Aschermittwoch: Alle gegen Corona, viele gegen Söder

4.0
4.0
Markus Söder spricht
Bildtext einblenden
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht beim Politischen Aschermittwoch der Partei. Foto: Peter Kneffel/dpa Pool/dpa Foto: dpa

Beim politischen Aschermittwoch gilt seit Jahrzehnten: Jeder gegen jeden - und in diesem Jahr alle gegen Corona, viele gegen den bayerischen Regierungschef. Politiker aller Couleur holen zum verbalen Rundumschlag aus. Nur die tobende Masse im Saal fehlt.


Passau/München (dpa) - Gut sieben Monate vor der Bundestagswahl haben sich die Parteien beim politischen Aschermittwoch vor allem die Corona-Politik der Bundesregierung vorgeknöpft. Schwere Verbalangriffe musste unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einstecken, der häufig als Kanzlerkandidat der Union ins Gespräch gebracht wird.

Anzeige

Söder verteidigte seinen Kurs in Bayern und sprach über Corona als Prüfung für alle. Die Sozialdemokraten um Vizekanzler Olaf Scholz beschworen den Zusammenhalt der Gesellschaft. Grünen-Chefin Annalena Baerbock bemängelte die ihrer Ansicht nach fehlenden Perspektiven in der Pandemie. Die Freien Wähler und die AfD in Bayern drängten abermals auf Lockerungen der coronabedingt verhängten Auflagen. Die Linke beklagte eine verschärfte soziale Spaltung in der Krise.

Erstmals in der mehr als 100-jährigen Geschichte fand der politische Aschermittwoch nur online statt.

CSU-Chef Söder erinnerte in der Dreiländerhalle in Passau an die Corona-Opfer und warb für Verständnis, dass in einer Pandemie nicht alles auf Knopfdruck gehe. »Alle Maßnahmen, die wir getroffen haben, waren richtig.« Jammern helfe nicht. »Das Virus ist schuld«, nicht die Politik, die Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus verhängen musste. »Durchhalten bitte. Es wird von Tag zu Tag besser.« Jedes andere Konzept sei gescheitert.

CDU-Chef Armin Laschet lobte mehrfach Söder für dessen politische Arbeit in den vergangenen Monaten. »Wenn CDU und CSU so dicht beieinander stehen, werden wir auch dieses so wichtige Wahljahr bestehen«, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident in seinem kurzen Grußwort bei der CSU-Veranstaltung.

Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Scholz verwies in Vilshofen auf die Hilfsprogramme des Bundes etwa zur wirtschaftlichen Stabilisierung. »Wir werden bis zum Ende der Krise gegenhalten«, versprach er und setzte zum Seitenhieb auf Söder an: »Ich weiß ja, in Bayern ist vieles größer, aber dass die Steinschleudern ein solches Ausmaß haben, das hätte sicher niemand gedacht.« Söder hatte einem Bericht zufolge das von Scholz »Bazooka« genannte Konjunkturprogramm als »Steinschleuder ohne Stein« kritisiert.

Für Grünen-Chefin Baerbock hat die Bundesregierung in der Pandemie mangelnde Entschlossenheit und Zusammenarbeit im Kampf gegen das Coronavirus gezeigt. Es fehle an »anpackendem Zusammenhalt«, erklärte sie in Berlin. »Das Land hält zusammen. Diese Gesellschaft wächst täglich über sich hinaus. Aber in der Bundesregierung kämpft nach wie vor jeder für sich alleine.«

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, lästerte: »Mir kommt diese Pandemie manchmal vor wie eine sehr, sehr lange Autofahrt in Richtung normales Leben, mit den bekannten Mitfahrern.« Söder verglich sie dabei mit dem Fahrer des Wagens. »Er redet während der ganzen Fahrt, er bestimmt das Radioprogramm.« Dabei habe er die Vorbereitungen für die lange Fahrt nicht richtig getroffen: So seien die Gesundheitsämter selbst nach einem Jahr immer noch nicht richtig ausgestattet.

Auch die AfD ging Söder massiv an. Der bayerische Regierungschef verrate in der Pandemie die Ideale von Franz-Josef Strauß, sagte der AfD-Politiker Gerd Mannes. Kleine Unternehmen und der Mittelstand würden absichtlich zerstört.

Druck kam auch von der stellvertretenden Linke-Chefin Janine Wissler. »In der Pandemie sitzen wir alle in einem Boot, wird gern gesagt. Ja, das stimmt. Aber die einen rudern wie verrückt, andere klammern sich an die Reling und versuchen, nicht über Bord zu gehen, während es sich andere unter Deck ziemlich gut gehen lassen.«

Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger warnte die CSU, mit der er zusammen in Bayern regiert, vor einer Koalition mit den Grünen nach der Bundestagswahl. »Immer gut aufpassen, wen Sie zur Tür reinlassen.«

© dpa-infocom, dpa:210217-99-477162/3

CSU Aschermittwoch

Grüne Aschermittwoch

SPD Aschermittwoch

FDP Aschermittwoch

Freie Wähler Aschermittwoch

Die Linke Aschermittwoch

AfD Aschermittwoch

Mehr Nachrichten
Einstellungen