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Oktoberfest abgesagt: Wegen Corona-Krise heuer keine Wiesn

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Das Oktoberfest 2020 ist abgesagt. Wegen der Corona-Pandemie wird heuer auch das größte Volksfest der Welt – wie zahlreiche andere Großveranstaltungen in Bayern und auf der ganzen Welt – nicht stattfinden. Es wird auch keine kleinere Auflage oder ein Ersatzfest geben. Das gaben Ministerpräsident Markus Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter heute Morgen bekannt.


Kann in Corona-Zeiten ein Oktoberfest gefeiert werden? Die Zeichen standen auf Absage, aber die Verantwortlichen haben sich noch einmal Zeit gelassen für Beratungen. 

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»Es tut uns weh, es ist unglaublich schade«, sagte Söder. Ein Fest in der Größe, mit der Internationalität und unter den Bedingungen bedeute jedoch eine zu hohe Gefahr. Das Risiko sei einfach zu hoch.

»Wir haben erlebt, dass der Apres-Ski in Ischgl, verschiedene Starkbierfeste beispielsweise oder auch Karnevalsveranstaltungen leider Viren-Drehscheiben waren«, sagte Söder. Insofern gelte bei Festen die größte Sensibilität. »Solange es keinen Impfstoff gibt, solange es kein Medikament gibt, muss besonders aufgepasst werden.«

OB Reiter sagte, es sei ein emotional schwieriger Moment. Die Wiesn sei das zentrale Fest und das Highlight des Jahres – jedenfalls für ganz viele Menschen. »Und es einfach nicht stattfinden zu lassen, ist schon eine bittere Pille.« Es habe auch ökonomisch in wirtschaftlich ohnehin schwierigen Zeiten negative Auswirkungen auf München. Nicht nur Schausteller, Wirte und Budenbesitzer auf dem Volksfest selbst, sondern auch Hotels, Gaststätten, Taxifahrer und Einzelhändler profitieren von dem Volksfest. Die Wiesn 2019 hatte nach Angaben der Stadt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro.

Die Wiesnwirte reagierten mit großem Bedauern, aber auch großem Verständnis. »Die Gesundheit unserer Gäste liegt uns besonders am Herzen und hat oberste Priorität«, sagte der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer. Die Absage berühre auch die Wirte emotional.

Auch andere Volksfeste wurden bereits abgesagt, darunter das Gäubodenvolksfest in Straubing. Es startet immer am zweiten Freitag im August und zählt mit rund 1,4 Millionen Gästen zu den größten Volksfesten in Bayern.

Oktoberfest 2020 abgesagt: Corona-Krise sorgt auch für Ausfall der Wiesn 2020
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Foto: Felix Hörhager/dpa

»Da glauben wir auch, es wäre für unverantwortlich, das dort zu machen. Man kann nicht auf der Wiesn ein Bierzelt nicht machen, aber woanders. Es geht nicht nur um das Oktoberfest, wir haben noch einige andere Feste, die auch kurz um die Zeit sind, sei es Gillamoos oder andere, über die wir hier ähnlich entscheiden müssen«, betonte Söder. Das Gillamoos-Volksfest in Abensberg sollte eigentlich Anfang September stattfinden. Aber auch das Herbstfest in Rosenheim war bislang für Ende August bis Mitte September geplant. Deren formale Absage scheint nach Söders Äußerungen nur noch eine Formsache. Andere, etwa das Gäubodenvolksfest in Straubing, sind schon abgesagt.

Auch Reiter betonte, es könne Volksfeste, vor allem natürlich das Oktoberfest, aber »auch andere in dieser Zeit einfach nicht geben«. Auch das Zentrale Landwirtschaftsfest, das parallel zur Wiesn in München geplant war, findet nach Angaben Reiters diesmal nicht statt.

Die Absage ist für die Wirtschaft ein schwerer Schlag. Nicht nur Schausteller, Wirte und Budenbesitzer auf dem Volksfest selbst, sondern auch Hotels, Gaststätten, Taxifahrer und Einzelhändler profitieren von dem Volksfest. Die Wiesn 2019 hatte nach Angaben der Stadt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro.

Die Wiesn 2020 sollte vom 19. September bis zum 4. Oktober stattfinden. Rund sechs Millionen Besucher aus aller Welt wurden dazu erwartet. Doch in Corona-Zeiten wäre die Ansteckungsgefahr auf dem Volksfest mit oft bis auf den letzten Platz besetzten Bierzelten und dem Gedränge in den Gassen zu groß.

Schon im 19. Jahrhundert war das Oktoberfest wegen einer Seuche ausgefallen: Wegen der Cholera wurde das Fest 1854 und 1873 abgesagt. Auch zu Kriegszeiten gab es oft keine Oktoberfeste; während der Weltkriege wurde das Volksfest gestrichen, ebenso 1923 in der Phase der Hyperinflation.

Wirtesprecher: Oktoberfest ist Herzensangelegenheit

Oktoberfest 2021 um eine Woche verlängern?

Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, hat nach der Absage der Wiesn eine Verlängerung des Oktoberfests im Folgejahr ins Spiel gebracht. »Sollte das #Oktoberfest abgesagt werden müssen, dann könnte man doch das Oktoberfest 2021 um eine Woche verlängern. Nur ein Vorschlag ...«, schrieb er bereits vergangene Woche auf Twitter.

Eine Verlängerung wäre eine Hilfe auch für die Schausteller und Wirte, denen die Einnahmen aus diesem Jahr fehlen, sagte Freller am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Zudem könnte dies den Betrieb in den Zelten etwas entzerren. »Auch wenn das Virus im nächsten Jahr hoffentlich kein Thema mehr ist, schade das nicht.« Zudem hätten Gäste aus dem Ausland so länger die Chance, einen Besuch nachzuholen.

Absagen im Überblick:

Vorbericht:

»Wir beide haben eine ähnliche Einschätzung, dass wir sehr skeptisch darüber sind, ob ein Fest in der Größe, mit der Internationalität und unter den Bedingungen überhaupt einen Sinn macht«, sagte Söder am Montag in seiner Regierungserklärung im Landtag. Reiter hatte vergangene Woche eine Entscheidung zum Oktoberfest noch im April angekündigt.

Am vergangenen Mittwoch hatten Bund und Länder beschlossen, Großveranstaltungen zunächst bis Ende August zu verbieten. Das Oktoberfest ist vom 19. September bis 4. Oktober geplant – demnach wäre die Wiesn zwar durchführbar. Allerdings sehen Experten bis dahin zu wenig Zeit, um Medikamente und Impfungen zu entwickeln.

Rund sechs Millionen Besucher aus aller Welt kommen alljährlich zur Wiesn nach München. In der Enge der oft bis auf den letzten Platz besetzten Bierzelte, aber auch im Gedränge der Gassen draußen wäre ein Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern kaum einzuhalten.

Noch Ende März hatte es geheißen, man wolle so spät wie möglich entscheiden – Ende Mai oder spätestens Anfang Juni. Dann hätten die Zulassungen für Wirte, Schausteller und Marktkaufleute durch die Stadt erteilt werden müssen. Anfang Juli hätte auf der Theresienwiese der Aufbau begonnen.

red/dpa

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