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Neuer Protest in Hamburg - Polizei rechnet mit Gewalt

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Demonstration
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Das ist nicht der schwarze Block: Polizisten marschieren an der Spitze eines Demonstrationszugs durch Hamburg. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
Völlig erledigt
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Völlig erledigt: Polizisten ruhen sich am Rande der Demonstration «Grenzenlose Solidarität statt G20» aus. Foto: Sebastian Willnow Foto: dpa
Gaffer
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Gaffer: Schaulustige fotografieren den geplünderten Drogeriemarkt im Hamburger Schanzenviertel. Foto: Bodo Marks Foto: dpa
Verwüsteter Drogeriemarkt
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Blick in einen verwüsteten und geplünderten Drogeriemarkt im Hamburger Schanzenviertel. Foto: Christian Charisius Foto: dpa
Der Tag danach
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Als wäre nichts gewesen: Entspannt bummeln Anwohner und Touristen am Samstagmittag durch das Hamburger Schanzenviertel. Foto: Christian Charisius Foto: dpa
Aufräumen nach Krawallen
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Mitarbeiter der Stadtreinigung säubern in Hamburg die Straße Schulterblatt im Schanzenviertel von den Verwüstungen aus der Nacht. Foto: Christian Charisius Foto: dpa
Zerstörter Frisörladen
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Das Interieur eines Frisörladens ist in Hamburg im Schanzenviertel vollständig zerstört worden. Foto: Axel Heimken Foto: dpa
Nach den Ausschreitungen
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Nach der Randale: Ein Geschäft im Hamburger Schanzenviertel mit zerstörten Fensterscheiben. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa
"Demonstration"
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Verwüstung, Zerstörung, Gewalt. Ein herausgerissenes Straßenschild liegt in den Flammen. Foto: Markus Scholz Foto: dpa
Endzeitstimmung
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Endzeitstimmung: Die Scheinwerfer eines Polizeifahrzeugs beleuchten die Verwüstungen in einer Hamburger Straße. Foto: Axel Heimken Foto: dpa
Geplündeter Laden
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Blick in eine geplünderte Filiale einer Supermarkt-Kette in Hamburg. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa
Einsatz auf St. Pauli
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Polizisten in St. Pauli in Hamburg vor der Kulisse einer brennenden Barrikade. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Flammen
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Eine brennende Barrikade bei Ausschreitungen von Linksextremen. Foto: David Young Foto: dpa
Spezialkräfte
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Spezialkräfte der Polizei sammeln sich im Schanzenviertel in Hamburg. Foto: Bodo Marks Foto: dpa
Randale
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Ein Randalierer wirft im Schanzenviertel in Hamburg einen Biertisch in eine brennende Barrikade. Foto: Bodo Marks Foto: dpa
Randale
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Ein Demonstrant holt während der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg zum Flaschenwurf aus. 196 Polizisten sind bei den Krawallen bisher verletzt worden. Die Zahl der verletzten Demonstranten ist nicht bekannt. Foto: Axel Heimken Foto: dpa
Schulterblatt in Flammen
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Schulterblatt in Flammen: Eine brennende Barrikade im Schanzenviertel. Foto: Markus Scholz Foto: dpa
Munition
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Aktivisten stapeln am Neuen Pferdemarkt in Hamburg Pflastersteine auf. Am 07. und 08. Juli kommen in der Hansestadt die Regierungschefs der führenden Industrienationen zum G20-Gipfel zusammen. Foto: Markus Scholz Foto: dpa
Im Dienst
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Polizisten im Einsatz in Hamburg St. Pauli. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Protest
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Ein Demonstrant stellt sich im Bereich der Reeperbahn in Hamburg einem Wasserwerfer entgegen. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Straßenschlacht
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Straßenschlacht: Die Polizei setzt in Hamburg nahe der Elbphilharmonie Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Proteste
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Bilder wie in einem Bürgerkrieg: Vor den Hamburger Landungsbrücken treffen Polizisten und Demonstranten aufeinander. Foto: Daniel Reinhardt Foto: dpa
Konfrontation
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Konfrontation: Polizisten versuchen, mehreren Tausend Demonstranten den Weg zur Elbphilharmonie abzuschneiden. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Verletzter Polizist
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Verletzte auf beiden Seiten: Polizisten kümmern sich um einen am Boden liegenden Kollegen. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Gästehaus des Senats
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Melania Trump konnte zunächst das Gästehaus des Senats nahe der Alster nicht verlassen, weil Demonstranten das Gebäude belagerten. Foto: Bodo Marks Foto: dpa
Pfefferspray
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Pfefferspray-Einsatz am Gorch-Fock-Wall in Hamburg. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Ein Drink nach Feierabend
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Ein Drink nach Feierabend: Der Polizist Alexander Schittenhelm steht mit zwei Polizeipferden der Polizei auf der Moorweide in Hamburg. Foto: Sina Schuldt Foto: dpa
Löscharbeiten
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Ein Feuerwehrmann löscht in Altona ein brennendes Auto. Foto: Bodo Marks Foto: dpa
Ausgebrannte Autos
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Ausgebrannte Autos in Hamburg-Altona: Auch am Morgen nach der «Welcome to Hell»-Demo geht die Gewalt weiter. Foto: Friso Gentsch Foto: dpa
In Flammen
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Ein Auto steht während der Demonstration «Welcome to hell» in Flammen. Foto: Christophe Gateau Foto: dpa
Umringt
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Umringt: Einer Frau, die auf ein Polizeifahrzeug geklettert war, ist deutlich anzusehen, dass Pfefferspray zum Einsatz kam. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Wasserwerfer
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Belagerungszustand: Polizisten und Wasserwerfer sperren in Hamburg das Gebiet vor der Elbphilharmonie ab. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Brennende Barrikade
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Aktivisten stehen im Hamburger Schanzenviertel vor einer brennenden Barrikade. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Aufräumen
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Randalierer haben im Hamburger Schanzenviertel eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Foto: Christian Charisius Foto: dpa

Zwei Krawallnächte in Folge - und kein Ende in Sicht: Die Hamburger Polizei rüstet sich zum Abschluss des G20-Gipfels für weitere schwere Ausschreitungen. Tausende gehen erneut auf die Straße. Die Opposition wirft Bürgermeister Scholz Versagen vor.


Hamburg (dpa) - Am letzten Tag des G20-Gipfels haben in Hamburg erneut Tausende Menschen gegen das Treffen der Wirtschaftsmächte demonstriert. Zunächst blieb es laut Polizei friedlich. Nach der zweiten heftigen Krawallnacht in Folge rechnen die Beamten allerdings erneut mit gewaltsamen Protesten.

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Die Gewalttäter würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit unter die Demonstration »Grenzenlose Solidarität statt G20« mischen, erklärte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. »Es ist davon auszugehen, dass erneut kein friedlicher Protest möglich sein wird.«

Bei der von Linken ausgerichteten Kundgebung »Grenzenlose Solidarität statt G20« beteiligten sich nach Angaben der Polizei 50 000 Demonstranten. Die Veranstalter sprachen von 76 000 Teilnehmern.

Bei der Kundgebung sei es teilweise zu Auseinandersetzungen mit etwa 120 Vermummten gekommen, schrieb die Polizei. Die Beamten seien dabei massiv getreten und mit Fahnenstangen geschlagen worden. Die vermummten Teilnehmer des Aufzuges hätten später in alle Richtungen unerkannt entkommen können. Der Demonstrationszug setzte anschließend den geplanten Weg fort.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan van Aken (Anmelder) führte die Demonstration an. Sie richtete sich vor allem gegen Armut, Krieg und die Ursachen von Flucht. Linke Gruppen und Friedensinitiativen, aber auch Autonome und Linksextreme unterstützten sie.

Bei der von einem bürgerlichen Lager getragenen Kundgebung »Hamburg zeigt Haltung« kamen laut Polizei 6000 Demonstranten, die Veranstalter sprachen von 10 000. Hier sei alles friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Aufräumarbeiten kamen nach den heftigen Ausschreitungen in der Nacht zum Samstag im linksalternativen Schanzenviertel schnell voran. Dort waren die Proteste eskaliert: Zunächst konnten Autonome mehrere Stunden lang an der Straße Schulterblatt ungehindert randalieren. Ein Laden der Drogerie-Kette Budnikowsky und ein Rewe-Supermarkt wurden geplündert.

Danach ging die Polizei mit einem massiven Aufgebot und Spezialkräften gegen mehrere hundert Randalierer vor. Mit gepanzerten Fahrzeugen wurden brennende Barrikaden weggeschoben. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Im Laufe der Nacht beruhigte sich die Lage, vereinzelt kam es in den frühen Morgenstunden noch zu Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge.

»G20: Eine solche Nacht darf sich in unserem Rechtsstaat nicht wiederholen!«, twitterte die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach sprach von »bürgerkriegsähnlichen Zuständen«. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) bezeichnete die Hamburger G20-Krawalle als »Terror«.

Hamburgs CDU-Oppositionschef André Trepoll warf Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und seinem rot-grünen Senat vor, bei der Einschätzung der Sicherheitslage rund um den G20-Gipfel versagt zu haben. »Wie kam es zu der Einschätzung, man könne den Gipfel mit dem Hafengeburtstag gleichsetzen?« Weshalb Scholz seine »markige Sicherheitsgarantie« für den Gipfel nicht habe halten können, müsse politisch aufgearbeitet werden.

Auch die Hamburger FDP warf Scholz vor, den Gipfel »massiv unterschätzt« zu haben. »Olaf Scholz hat Hamburg weltweit blamiert und in Verruf gebracht« erklärte die Vize-Bundesvorsitzende und Hamburger Landeschefin Katja Suding. Scholz selbst äußerte sich sehr besorgt über die schweren Ausschreitungen und forderte gewalttätige Demonstranten zum sofortigen Rückzug auf.

Ein Großteil der Geschäfte in der Hamburger Innenstadt blieb am Samstag geschlossen, wie City-Managerin Brigitte Engler sagte. Die Geschäftsleuten hätten dies mit dem Schutz der Mitarbeiter angesichts der Bilder aus der Krawallnacht begründet.

Die Polizei griff nach eigenen Angaben bei den schweren Krawallen in der Nacht zum Samstag nicht früher ein, weil sie um das Leben ihrer Beamten fürchtete. Nach Erkenntnissen der Polizei seien auf Dächern Gehwegplatten abgelegt und Brandflaschen vorbereitet gewesen. Beamte seien mit Stahlkugeln beschossen worden, sagte Sprecher Timo Zill. »Es ging eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben der Polizeibeamten aus. Wir wollten nicht schlecht vorbereitet in das Schanzenviertel gehen und die Räumung nicht durchbekommen.«

Die Randalierer hinterließen eine Spur der Verwüstung: Zerstörte Fahrräder, Mülltonnen, Steine und Trümmer lagen auf der Straße, Fensterscheiben waren eingeschlagen. Auf dem Rollladen eines Geschäfts stand »Chaostage Hamburg«.

Bei den gewaltsamen Protesten wurden nach Angaben der Hamburger Polizei bisher mindestens 213 Beamte verletzt (Stand: 10.00 Uhr). In der Krawallnacht zum Samstag seien 43 Menschen festgenommen und 96 in Gewahrsam genommen worden. Seit Beginn des Polizeieinsatzes am 22. Juni wurden den Polizeiangaben zufolge bisher insgesamt 143 Menschen fest- und 122 in Gewahrsam genommen. Zur Zahl der verletzten Demonstranten konnten weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen.

Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum »Rote Flora« distanzierte sich von den Gewaltexzessen. »Wir haben den Eindruck gehabt, dass sich hier etwas verselbstständigt hat, dass hier eine Form von Militanz auf die Straße getragen wurde, die sich so ein bisschen an sich selbst berauscht hat - und das finden wir politisch und inhaltlich falsch«, sagte Blechschmidt dem NDR.

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Mit einer besonderen Initiative wollen Hamburger Bürger ihre Stadt nach den heftigen Krawallen rund um den G20-Gipfel wieder auf Vordermann bringen. »Zieht euch was Weißes an und räumt auf, was der schwarze Block angerichtet hat«, schrieb ein Mann im Internet unter dem Twitter-Hashtag »#Hamburg räumt auf«. Treffpunkt ist Sonntag um 13.00 Uhr am Bahnhof Sternschanze. Viele äußerten sich im Internet begeistert über die Aktion.