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Mindestens 75 Tote bei Anschlag auf Kirche in Peshawar

Blutlache
Hunderte Menschen hatten sich zum Gottesdienst versammelt, als die Mörder zuschlugen. Foto: Arshad Arbab Foto: dpa
Kirche in Peshawar
Ein Rettungswagen vor der Kirche. Viele Menschen fielen dort nach dem Gottesdienst dem Terror zum Opfer. Foto: Arshad Arbab Foto: dpa
Verletzt
Ein Verletzter wird vom Ort des Anschlags gebracht. Foto: Bilawal Arbab Foto: dpa
Verletztes Kind
Nach dem Blutbad: Ein verletztes Kind wird ins Krankenhaus gebracht. Foto: Bilawal Arbab Foto: dpa
Trümmer
Pakistanische Christen in den Trümmern einer niedergebrannten Kirche. Nun wurden in Peshawar mehrere Christen getötet. Foto: Bilawal Arbab/Archiv Foto: dpa
Trost
Angehörige versuchen sich zu trösten. Die Attentäter hatten nach dem Sonntagsgottesdienst zugeschlagen. Foto: Bilawal Arbab Foto: dpa

Islamabad (dpa) - Bei einem Selbstmordanschlag auf Christen vor einer Kirche in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar sind am Sonntag mindestens 75 Menschen getötet worden.


135 Menschen seien bei dem Doppelanschlag zum Abschluss des Gottesdienst verletzt worden, sagte der diensthabende Arzt im Leady Reading Hospital, Iftikhar Ali. Nach Angaben der Polizei sprengten sich zwei Selbstmordattentäter auf dem Kirchengelände in die Luft.

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Der Chef der örtlichen Polizeistation, Muhammed Noor, sagte, in der Kirche sei gerade das Abschlussgebet gebetet worden. Auf dem Areal davor habe zu diesem Zeitpunkt bereits die Verteilung von Essen begonnen gehabt. Dort hätten die beiden Attentäter die Gemeindemitglieder angegriffen. Ali sagte, unter den Toten seien sechs Frauen und drei Kinder im Alter von drei bis acht Jahren.

Ein Augenzeuge sagte dem Sender Geo TV, mindestens 600 Gläubige seien zu dem Zeitpunkt auf dem Kirchenareal versammelt gewesen. Nach Polizeiangaben trug jeder der beiden Attentäter sechs Kilo Sprengstoff bei sich. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Im Nordwesten Pakistans verüben Taliban-Gruppen regelmäßig Anschläge.

Bischof Sadiq Daniel, der den anglikanischen Kirchen in Pakistan vorsteht, forderte einen besseren Schutz der Gotteshäuser. Er kündigte eine dreitägige Trauer an, bei der alle christlichen Bildungs- und Sozialeinrichtungen geschlossen blieben. In christlichen Krankenhäusern würde nur die Notaufnahme geöffnet.

Premierminister Nawaz Sharif verurteilte den Anschlag. Es sei gegen die Lehren des Islam und aller Religionen, Unschuldige anzugreifen, hieß es in einer Mitteilung. «Terroristen haben keine Religion.» Sharif versucht seit seiner Amtsübernahme im Juni, Gespräche mit den pakistanischen Taliban (TTP) in die Wege zu leiten. Bislang sind diese Versuche erfolglos geblieben. Die Taliban setzen ihre Gewalttaten unbeirrt fort.

Christen in Pakistan klagen besonders im Zusammenhang mit den international umstrittenen Blasphemiegesetzen des Landes über Diskriminierung. Gezielte Angriffe auf Angehörige der Minderheit oder auf Kirchen sind aber - gemessen an der sonst in Pakistan vorherrschenden Gewalt - verhältnismäßig selten. Nicht-Muslime - darunter fallen neben Christen beispielsweise auch Hindus - stellen weniger als fünf Prozent der rund 180 Millionen Pakistaner.