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Michaela Kaniber steht zu den Forstberechtigten

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Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sagte den Forstberechtigten bei deren Jahresversammlung in Ruhpolding ihre Unterstützung zu. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Holzbezugsrechte, Almrechte und Staatswald gehörten heute zusammen: Das sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Jahresversammlung der Forstberechtigten im Hotel zur Post in Ruhpolding.


Dabei sagte die Ministerin den Forstberechtigten und Almbauern ihre unbedingte Unterstützung zu, sowohl bei    der Bedrohung durch die mögliche Rückkehr des Wolfes, als auch bei den Holzbezugs- und Weiderechten. Denn diese seien unverzichtbar für den »Erhalt unserer einzigartigen Kulturlandschaft« und nur möglich durch eine »nachhaltige Bewirtschaftung, die Rücksicht auf Natur und Umwelt nimmt«.

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Vorsitzender Landrat Siegfried Walch gedachte ebenso wie Kaniber des vor fünf Wochen im Alter von 99 Jahren verstorbenen Ehrenvorsitzenden Leonhard Schmucker, der den Verband 1952 gegründet hatte. Aus der Not heraus hatte der Sohn eines Bauernbündlers die Bauern zu gemeinsamem Handeln gegen den Staatsforst aufgerufen, weil dieser drohte, ihnen die althergebrachten Forstrechte mehr und mehr zu nehmen. 1958 erreichte er das Forstrechtegesetz, das den Bauern weitgehend ihre alten Rechte sichert. Heute zählt der Verband der Forstberechtigten rund 800 Mitglieder.

»Wasserfrage« auf den Almen

Geschäftsleiterin Maria Stöberl ging in ihrem Geschäftsbericht auf die »Wasserfrage« auf Almen ein, die wegen des heißen Sommers 2018 besonders aktuell war. Grundlegende Voraussetzung für eine »almübliche« Bewirtung auf Almen sei einwandfreies Trinkwasser, so Stöberl. Bei den Wasserquellen und Wasserfassungen im Almbereich könne oft nur mit technischer Aufbereitung einwandfreies Trinkwasser gewonnen werden. Daher stehe das Gesundheitsamt beratend zur Seite.

Die Wasserversorgung auf Almen stehe durch die klimatischen Veränderungen vor großen Herausforderungen, sodass die Wasserversorgung auf vielen Almen »ertüchtigt« werden müsse. Dabei lägen die meisten Wasserquellen meistens in naturschutzrechtlich besonders geschützten Gebieten. Für Grabungen und Eingriffe sei meist eine Ausnahmegenehmigung nach dem Naturschutzrecht notwendig. Stöberl empfahl, von Anfang an die Untere Naturschutzbehörde in ein geplantes Vorhaben mit einzubeziehen. Der Verband sei bei dem Verfahren behilflich.

Der Diplombiologe Alfred Ringler zeigte anhand vieler Lichtbilder, dass seit 1870 die Zahl der Almen in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land um ein Drittel zurückgegangen ist. Die Almstufe sei zwischen 100 und 300 Metern »herabgesunken«. Dennoch habe sich die einzigartige Kulturlandschaft der Almen in Bayern ihre Qualität weitgehend bewahrt. Die Biodiversität brauche Jahrhunderte, um sich zu entwickeln. Sehr wichtig für die Pflege und den Erhalt der Almen sei die staatliche Förderung, die oftmals noch zu starr sei, sagte Ringler.

Glück will für gegenseitiges Verständnis werben

Der Ruhpoldinger Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker äußerte sich begeistert über die Ausführungen Ringlers und schlug vor, dass auch er beim Runden Tisch für mehr Artenvielfalt mitarbeiten sollte. Daraufhin sagte der Leiter des Runden Tisches, Alois Glück, für die Bergbauern sei der Vorsitzende der AG Bergbauern, Alfons Zeller, bereits Mitglied am Runden Tisch. Glück fuhr fort, er werde in den nächsten zwei Wochen Gespräche mit den einzelnen Gruppierungen führen für gegenseitiges Verständnis und alles für eine gemeinsame gute Gesprächsbasis tun. In den vorliegenden Entwurf für das Volksbegehren sei einiges nicht sachgerecht hinein geschrieben worden, was die Initiatoren zwar jetzt auch sähen, aber selbst nicht mehr ändern könnten. Nun bestehe eine »Bringschuld«, so Glück, zum Beispiel durch Begleitgesetze den Entwurf rechtstauglich zu machen. Für sehr wichtig hielt Glück in dem Zusammenhang den Bereich der Privatgärten, wo man die Kräfte der Leute zwar nicht durch Gesetze, aber im Verständnis und Einvernehmen bündeln müsse. Sein Ziel sei es, auf breiter Basis in der Gesellschaft die Voraussetzungen für mehr Artenvielfalt und Biodiversität zu schaffen.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl sagte, es gebe ernstzunehmende wissenschaftliche Untersuchungen über den erschreckenden Rückgang der Artenvielfalt. Auch ihr sei es ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, dass alle Leute ein Empfinden dafür bekommen, wie bedroht viele Arten seien.

Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler sagte, dass sich die Almwirtschaft und ihre Probleme über die Jahrzehnte immer wieder verändert hätten. Die letzten Jahre seien von Angstmache geprägt worden. Er empfahl, sich ein Beispiel an dem Wirken des verstorbenen Altlandrats Leonhard Schmucker zu nehmen, der in den schwierigen Jahren nach dem Krieg den Verband der Forstberechtigten gegründet und dafür gesorgt hatte, dass die Probleme gemeinsam angepackt wurden. Auch jetzt heiße die Devise wie nach dem Krieg »anpacken!«. Sepp Haberlander bekräftigte, dass der »Gründergeist von Leonhard Schmucker« weiterleben solle. Er war allerdings für »so viel Gesetzgebung wie nötig und so wenig wie möglich«, da man nicht alles in ein Korsett zwingen dürfe, weil der Apparat, der dahinter stehe, sonst in der Zukunft jede spontane (positive) Reaktion erschwere.

Franz Kuchlbauer (Kederbacher) von der Mordaualm fand es schön, wie sich die Ministerin auch in Sachen Wolf für die Almbauern einsetze. An die Adresse der Grünen gerichtet sagte er, er verstehe es nicht, wie man sich für den Wolf einsetzen könne, denn der werde sich – falls er nicht »entnommen« würde – »vermehren wie das Springkraut oder die Wildsau«.

Georg Mayr, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins, bekräftigte, die Thematik Wolf und Volksbegehren stünden eng beieinander. Denn wenn der Wolf bei uns sesshaft werde, bedeute das das Aus für Artenvielfalt und Biodiversität. gi