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Machtdemonstration der Mursi-Gegner: Gewaltsame Zwischenfälle

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"Irhal"
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Ein Aktivist hält ein Schaf, dem eein Schild mit dem arabischen Schriftzug "Irhal" ("Hau ab" oder "Verschwinde") umgehängt wurde. Die Tamarod-Bewegung («Rebellion») hat das Schaf als Symbol für die Muslim Brüderschaft auserkoren. Foto: Sebastian Backhaus Foto: dpa
Vor dem Palast
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Vor dem Palast: Ähnliche Szenen hatten sich 2011 bei den Protesten gegen den damaligen Machthaber Husni Mubarak abgespielt. Foto: Khaled Elfiqi Foto: dpa
Nationalfarben
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Mehrere Demonstrationszüge setzten sich in Richtung Präsidentenpalast in Bewegung. Foto: Mohammed Saber Foto: dpa
Protestzug
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In einem Stadtteil Kairos schlossen sich auch Polizeioffiziere den Märschen an. Foto: Khaled Elfiqi Foto: dpa
Fahne
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Ein Aktivist zeigt Flagge vor dem Präsidentenpalast in Kairo. Foto: Mohammed Saber Foto: dpa
Tahrir-Platz
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Der Tahrir-Platz in Kairo ist das Zentrum des Protestes. Foto: Andre Pain Foto: dpa

Istanbul/Kairo (dpa) - Die Angst vor neuer Gewalt auf den Straßen in Ägypten ist groß. Bei den Massenprotesten gegen den islamistischen Präsidenten Mursi kommt es am Abend vereinzelt zu Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen den verschiedenen Lagern.


Rote Karte für einen Islamisten: Mit wehenden Fahnen und lautstarken Sprechchören haben mehrere hunderttausend Ägypter gegen ihren Präsidenten Mohammed Mursi protestiert. Am ersten Jahrestag seines Amtsantritts riefen die Menschen in Kairo und anderen Städten dem Staatschef «Verschwinde!» entgegen. Ähnliche Szenen hatten sich im Arabischen Frühling 2011 bei den Protesten gegen den damaligen Machthaber Husni Mubarak abgespielt. Am Abend wurden aus mehreren Städten gewaltsame Zwischenfälle gemeldet. Unbestätigt blieb zunächst ein Bericht über einen Toten nach einem Angriff auf Demonstranten in der Stadt Bani Sueif.

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Mehrere Demonstrationszüge zogen am frühen Abend zum Präsidentenpalast in Kairo. Oppositionsaktivisten kündigten an, dortbleiben zu wollen, bis Mursi zurücktrete. Wenige Kilometer von den Protestierenden entfernt versammelten sich im Kairoer Vorort Nasr-City Zehntausende Anhänger der islamistischen Parteien, um ihre Solidarität mit Mursi zu bekunden. Einige von ihnen trugen Stöcke und Helme bei sich.

Vereinzelt kam es am Abend zu Gewalt. Nach Angaben lokaler Medien wurden mehrere Büros der Muslimbruderschaft mit Brandsätzen angegriffen, unter anderem im Kairoer Stadtteil Mokattam sowie in den Provinzen im Nil-Delta Scharkija und Dakahlija. In Bani Sueif soll ein Demonstrant von Unbekannten angegriffen und getötet worden sein. Die Zeitung «Al-Ahram» berichtete online, dass offenbar auf die Mursi-Gegner gefeuert wurde.

In der Hafenstadt Alexandria, in Port Said und in der Tempelstadt Luxor gingen ebenfalls tausende Menschen auf die Straßen. In Alexandria klagten mehrere Demonstranten über Vergiftungserscheinungen, nachdem sie von Unbekannten am Straßenrand umsonst Flaschen mit Wasser und Limonade erhalten hatten. Medien berichteten zudem, bei Gewalt zwischen Islamisten und Regierungsgegnern in der Stadt Al-Mansura seien 17 Menschen verletzt worden.

In einem südlichen Kairoer Stadtteil explodierte ein selbst gebauter Sprengsatz. Das Innenministerium erklärte, es seien zuletzt zahlreiche Gewehre beschlagnahmt worden.

Die Massenproteste markieren das Ende einer Unterschriftenkampagne, mit der die Protestbewegung den Staatschef zum Rücktritt zwingen will. Seit Anfang Mai sammelten die Initiatoren von «Tamarud» (Rebellion) nach eigenen Angaben mehr als 22 Millionen Unterschriften gegen den Präsidenten. Die Opposition wirft Mursi vor, er handele nicht wie ein Präsident für alle Ägypter, sondern sei vor allem daran interessiert, die Macht der Muslimbruderschaft auszubauen. Die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes habe er nicht gelöst. Deshalb habe er seine Legitimität verloren und müsse abtreten.

Für die Muslimbrüder, als deren Kandidat Mursi gewählt worden war, kommen Neuwahlen nicht infrage. Ein Sprecher des Staatsoberhaupts rief die Protestbewegung bei einer Pressekonferenz zum Dialog auf. Der Berater der Muslimbruderschaft, Gehad al-Haddad, forderte die Opposition auf, zu akzeptieren, dass Mursi durch faire und freie Wahlen ins Amt gekommen sei. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa betonte er, die Anhänger Mursis würden nichts tun, solange die Demonstrationen friedlich blieben. Allerdings fügte er hinzu: «Die Mauern des Präsidentenpalasts sind eine rote Linie.»

Viele Ägypter gingen aus Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen weder zu den Protesten noch zur Arbeit. Tausende Ausländer hatten das Land bereits am Samstag verlassen. In den vergangenen Tagen gab es mehrfach gewaltsame Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern der Islamisten. Dabei starben sieben Menschen - unter ihnen ein US-Bürger.

Facebookseite der «Tamarud»-Kampagne