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Krim vor Anschluss an Russland

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Protest gegen Russland
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Protest gegen Russland: Eine Ukrainerin demonstriert gegen einen möglichen Anschluss der Krim an den mächtigen Nachbarn. Foto: Artur Shvarts Foto: dpa
Treffen
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Kerry und sein russischer Kollege Lawrow konnten die Differenzen am Freitag bei einem rund sechsstündigen Gespräch in London nicht ausräumen. Foto: EPA/HO Foto: dpa

Kiew/Moskau (dpa) - Ungeachtet heftiger internationaler Kritik stimmen die Bewohner der ukrainischen Halbinsel Krim an diesem Sonntag über einen Anschluss an Russland ab. Moskau unterstützt das Vorhaben der russlandfreundlichen Krim-Regierung und nimmt dabei Sanktionen der USA und der EU in Kauf.


Die Verfassungsrechtsexperten des Europarats halten das Referendum für illegal, weil es sowohl gegen die Verfassung der Ukraine als auch gegen die Verfassung der Region Krim verstoße. Zudem entsprächen die Umstände der Abstimmung nicht den demokratischen Standards, meint die sogenannte Venedig-Kommission in einem Papier, das der dpa vorliegt. Die «Venedig-Kommission» soll ihr Rechtsurteil der Vollversammlung am 21. und 22. März vorlegen.

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Das ukrainische Parlament erklärte in einem symbolischen Protest gegen das Referendum das Parlament der Krim für aufgelöst. Zuvor hatte Interimspräsident Alexander Turtschinow die Beschlüsse auf der Krim für unzulässig erklärt. Umgekehrt erkennt die prorussische Führung der Schwarzmeerhalbinsel die nach dem Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch gebildete Regierung in Kiew nicht an. Der Oberste Sowjet der Krim in Simferopol hatte stattdessen das Referendum angesetzt und die Unabhängigkeit von der Ukraine beschlossen.

Die USA und die EU-Staaten wollen auf das Referendum rasch mit weiteren Sanktionen reagieren. Im UN-Sicherheitsrat verhinderte Russland am Samstag per Veto eine Resolution zur Krim-Krise. Moskaus Botschafter Witali Tschurkin stimmte wie erwartet gegen den von den USA vorgelegten Entwurf. China enthielt sich. In dem Papier sollten alle Staaten aufgerufen werden, das Krim-Referendum nicht anzuerkennen.

Die EU-Außenminister wollen an diesem Montag Kontensperrungen und EU-Einreiseverbote für Personen beschließen, die sie für das Referendum verantwortlich machen. US-Vizepräsident Joe Biden wird von Montag bis Mittwoch nach Polen und ins Baltikum reisen, um mit den dortigen Regierungen über die Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine zu beraten.

Der französische Präsident François Hollande sagte am Samstag in Paris: «Weder Frankreich noch die Europäische Union werden die Gültigkeit dieser Pseudo-Abstimmung anerkennen.» Er schloss aber ein Waffenembargo gegen Russland vorerst aus. Auf die Frage, ob Paris die Lieferung bereits von Russland bestellter Kriegsschiffe aussetzen würde, sagte er: «Das ist die dritte Sanktionsstufe. Wir sind bei der ersten.»

Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte bei einem Treffen mit Hollande in Paris, das Referendum sei zwar «rechtlich wertlos», doch es müsse «alles getan werden, um zurück zum Verhandlungstisch zu kommen».

In Moskau gingen am Samstag jeweils Zehntausende Gegner und Befürworter des Krim-Referendums auf die Straße. Kreml-Gegner protestierten mit Parolen wie «Hände weg von der Ukraine!» und «Schluss damit, Schande über Russland zu bringen!» gegen die Krim-Politik des Präsidenten Wladimir Putin. Darunter waren der frühere Vize-Regierungschef Boris Nemzow und die Punkband Pussy Riot. Kremltreue Kräfte forderten den Anschluss der Krim an Russland.

Die frühere ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko warnte vor einer weiteren Eskalation des Konflikts: «Dieses aggressive Machtstreben gegenüber der Ukraine birgt nicht nur eine Gefahr gegenüber dem ukrainischen Staat, auch andere Teile Osteuropas sind gefährdet», sagte die Politikerin dem «Tagesspiegel» (Sonntag). Sie wird derzeit in Berlin wegen eines Rückenleidens behandelt. Sollte Putin «nach der Annexion der Krim seinen Angriff auf unser Land fortsetzen, rufe ich die Führer der demokratischen Welt dazu auf, das stärkste Instrument anzuwenden, um diesen Angreifer zu stoppen», fügte Timoschenko hinzu.

Europarat-Generalsekretär Thorbjørn Jagland nannte den «Schutz der Rechte aller Minderheiten unabdingbar für die Einheit, Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit der Ukraine». Der 1949 gegründete Europarat, zu dessen 47 Mitgliedern auch Russland und die Ukraine gehören, soll die Demokratie auf dem Kontinent stärken. Seine Venedig-Kommission berät die Staaten in Verfassungsfragen.

Der Venedig-Kommission zufolge widerspricht das Krim-Referendum der Verfassung der Ukraine, die Abstimmungen über eine Sezession nicht zulasse. Es widerspreche zudem der Verfassung der Krim, die die Rechte der Teilrepublik in den Rahmen der ukrainischen Verfassung stelle. Außerdem seien die Bedingungen für eine demokratische Abstimmung angesichts der massiven Präsenz paramilitärischer Kräfte und der kurzen Vorbereitungszeit von zehn Tagen nicht gegeben.

Europarat

Europarat-Erklärung

Human Rights Watch zur Krim