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Gehäufte Handfehlbildungen bei Babys: 3 Fälle in 12 Wochen

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Sankt Marien-Hospital
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Im Sankt Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Buer hat es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben. Foto: Marcel Kusch Foto: dpa
Kreißsaal
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Aufschrift auf der Tür eines Kreißsaales. Foto: Stefan Sauer/Symbolbild Foto: dpa

Drei Neugeborene mit fehlgebildeten Händen innerhalb weniger Monate in einer Gelsenkirchener Klinik: Ist die Häufung zufällig oder gibt es einen Zusammenhang? Mediziner rätseln.


Gelsenkirchen (dpa) - In einem Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen sind innerhalb von zwölf Wochen gleich drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Zuvor hatte es dort jahrelang keinen einzigen Fall gegeben.

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Die Kinder kamen im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen zwischen Mitte Juni und Anfang September auf die Welt, wie die Klinik auf ihrer Homepage mitteilte. »Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig.« Fehlbildungen dieser Art habe man in der Klinik viele Jahre nicht gesehen, hieß es weiter. Hebammen hatten auf die Fälle aufmerksam gemacht, mehrere Medien berichteten.

Extremitätenfehlbildungen könnten während der Schwangerschaft unter anderem durch Infektionen auftreten, seien insgesamt aber selten, schreibt das Sankt Marien-Hospital Buer. Bei allen drei Kindern ist jeweils eine der beiden Hände betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt. Der Unterarm sei normal. In der Klinik wurden 2018 nach eigenen Angaben mehr als 800 Kinder geboren.

Alle betroffenen Familien wohnten im lokalen Umfeld, hieß es weiter. Ethnische, kulturelle oder soziale Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien habe man nicht feststellen können. »Eine vertiefte Ursachenforschung können wir erst bei Einwilligung der Eltern betreiben«, sagte Wolfgang Heinberg, Sprecher des Krankenhausverbundes St. Augustinus, zu der das Marien-Hospital Buer gehört. Die Eltern der Kinder seien eingeladen worden, mit der Klinik Kontakt aufzunehmen. »Wir haben ihnen Begleitung und Unterstützung zugesagt. Da werden wir auch die Frage nach Untersuchungen besprechen.«

Die Gelsenkirchener Klinik will die Fälle jetzt in regionalen Qualitätszirkeln der Kinder- und Jugendärzte thematisieren. Auch habe man Kontakt mit Fachleuten der Berliner Charité aufgenommen. Von dort hieß es am Freitag: »Der derzeitige Informationsstand erlaubt weder der Charité noch insbesondere der Embryonaltoxikologie eine inhaltliche Stellungnahme zu diesem Thema.« Auch der Deutsche Hebammenverband lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab.

Nach Angaben der Klinik gibt es kein bundesweites Melderegister für Fehlbildungen. Auf Bundesländerebene werden Fehlbildungen beispielsweise in Sachsen-Anhalt erfasst. Dort gibt es das sogenannte Fehlbildungsmonitoring, eine seit 1980 bestehende Einrichtung zur Erfassung von angeborenen Fehlbildungen und Anomalien. Die Institution ist der Medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg angegliedert.

Nach Beobachtungen der Forschungsstelle entfiel 2017 auf 1127 Geburten eine sogenannte Reduktions-Fehlbildung von Extremitäten. Im Vergleich zum Zeitraum 2005 bis 2016 sei dies eine Verringerung, hatte das Landessozialministerium im November 2018 berichtet.

Auch im rund 25 Kilometer von Buer entfernten Datteln soll im Sommer ein Kind mit fehlgebildeter Hand zur Welt gekommen sein, wie die Online-Ausgabe der »Recklinghäuser Zeitung« berichtet. Es handele sich nach Angaben der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln um die gleiche Fehlbildung, wie sie bereits in Gelsenkirchen aufgetreten sein soll.

Chefärztin Claudia Roll findet der Zeitung zufolge vier Fälle in so kurzer Zeit verdächtig. Nun sei es laut Roll wichtig, herauszufinden, wo weitere Fälle in Nordrhein-Westfalen aufgetreten sind. Dahinter könnten der Medizinerin zufolge Medikamente, Umweltgifte oder auch Virusinfektionen stecken.

Auch der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister dringt auf Aufklärung. »Die Berichte über Fehlbildungen bei Säuglingen müssen wir ernst nehmen«, erklärte Karl-Josef Laumann (CDU) laut einer Mitteilung. »Hierbei helfen allerdings keine Spekulationen. Vielmehr muss den möglichen Ursachen mit der gebotenen Sorgfalt nachgegangen werden.«

Am ebenfalls im Ruhrgebiet gelegenen Essener Elisabeth-Krankenhaus, mit mehr als 2500 Geburten pro Jahr eine der größten Geburtskliniken in Nordrhein-Westfalen, gibt es nach Angaben einer Sprecherin keine Häufung von Handfehlbildungen. »Etwa ein Mal im Jahr haben wir ein Kind mit einer Handfehlbildung. Wir können damit nicht von einer Häufung solcher Fälle sprechen«, sagte sie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Mitteilung Krankenhaus