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Fünfjährige bei Pädophilen-Treffen als Lockvogel eingesetzt

Aschersleben (dpa) - Die Mitglieder eines am Wochenende enttarnten Pädophilenrings sollen ein fünfjähriges Mädchen als Lockvogel missbraucht haben.

Festnahme
Ein Polizist bewacht in Aschersleben einen Festgenommenen. Foto: Frank Gehrmann Foto: dpa
Razzia in Aschersleben
Die Polizei führt bei der Razzia in Aschersleben einen Verdächtigen ab. Foto: Paul Bertrams Foto: dpa

Nach Erkenntnissen der Ermittler nahmen die elf Verdächtigen das Mädchen zu ihrem Treffen in Sachsen-Anhalt mit, um etwa auf Spielplätzen mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen.

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Gegen die Verdächtigen - zehn Männer und eine Frau - werde wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt, erläuterte die Polizei am Montag. Zudem gebe es den Verdacht des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie. Die zunächst festgenommenen Verdächtigen im Alter von 23 bis 60 Jahren sind vorerst wieder frei.

Die Gruppe kannte sich aus einem Chatroom im Internet, wie der Leiter der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung, Holger Herrmann, in Magdeburg erläuterte. «In diesem Chatroom agiert man sehr vorsichtig und konspirativ.» Dort seien etwa Informationen ausgetauscht worden, «wie man ein stabiles Kinderbett aufbauen sollte, falls man irgendwelche Fesselpraktiken durchführen möchte», sagte Herrmann.

Ein 54 Jahre alter Mann aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt habe dann das Treffen der Forumsmitglieder organisiert. Jeder habe eine persönliche Einladung benötigt. Ziel sei es gewesen, Aufenthaltsorte von Kindern zu besuchen und Kontakte zu Kindern herzustellen. Auf dem Programm stand der Besuch eines Kinderflohmarktes und eines Zoos. Der 54-Jährige soll dazu seine fünfjährige Nichte als Lockvogel mitgenommen haben. Das Kind sei von der Polizei dem Jugendamt übergeben worden und befinde sich inzwischen beim Vater, erklärten die Fahnder.

Laut Polizei bekamen die Ermittler von einem Journalisten Ende April den Tipp auf das geplante Treffen in Aschersleben. Ziel sei es gewesen, die Identität aller Teilnehmer festzustellen. Laut Polizei kommen die Verdächtigen aus Berlin, Dresden, Leipzig, aus Nordrhein-Westfalen und der Schweiz.

Den Samstag über habe man die Gruppe beobachtet, am Abend dann vor einem geplanten Grillfest zugeschlagen. Gefahr für Kinder habe nicht bestanden, sagte Herrmann. Die Polizei habe die Lage jederzeit unter Kontrolle gehabt. Nach der Festnahme seien bei Durchsuchungen Rechner, Datenträger und Kommunikationstechnik beschlagnahmt worden. Drei der Verdächtigen seien einschlägig vorbestraft, einige hätten pädophile Neigungen eingeräumt.

Es bestehe der Verdacht, dass die Gruppe international tätig geworden sei. Die Verdächtigen seien erkennungsdienstlich behandelt und verhört worden, dann aber auf freien Fuß gesetzt worden. Es gebe zwar einen Anfangsverdacht, das reiche aber nicht für einen Haftbefehl, erklärte Herrmann. Die Ermittlungen stünden ganz am Anfang.