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Falscher Notruf: Mann wird in Kansas von Polizei erschossen

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Tod nach falschem Notruf
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Nach der Tragödie: Polizisten untersuchen in Wichita den Schauplatz der tödlichen Schüsse. Foto: Fernando Salazar Foto: dpa

Es sollte wohl ein Streich sein, doch es endete tödlich: Nach einem falschen Notruf haben Polizisten in den USA einen Unschuldigen erschossen. Nun wurde ein Mann festgenommen.


Los Angeles/Wichita (dpa) - Nach einem falschen Notruf, der dazu führte, dass in den USA ein Unschuldiger erschossen wurde, haben Polizisten einen Verdächtigen festgenommen. Er soll die Polizei angerufen und ihr eine Geiselnahme vorgetäuscht haben.

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Daraufhin erschossen Polizisten in Wichita im Mittleren Westen einen 28-Jährigen. Die Polizei nahm den 25-Jährigen in Los Angeles fest, wie die US-Sender ABC und NBC berichteten.

Der Anrufer habe vorgegeben, es habe eine Schießerei und eine Geiselnahme gegeben, sagte der stellvertretende Polizeichef von Wichita, Troy Livingston. Nach dem Notruf sei die Polizei zu der angegebenen Adresse gefahren. Nachdem ein Mann vor das Haus getreten sei, hätten die Polizisten vermutet, er zöge eine Waffe. Daraufhin habe ein Polizist auf den Mann geschossen.

Im Krankenhaus sei der Tod des Mannes festgestellt worden. »Wegen der Handlungen eines Spaßvogels haben wir ein unschuldiges Opfer«, sagte Livingston. »Der Vorfall ist ein Alptraum für alle Beteiligten.«

Livingston präsentierte Tonaufnahmen des Notrufs, in denen der unbekannte »Spaßvogel« behauptete, er habe seinen Vater erschossen und bedrohe seine Mutter und einen jüngeren Bruder in einem kleinen Raum mit einer Waffe. Er drohte zudem, das Haus anzuzünden.

Hintergrund des Fake-Notrufs soll ein Streit zwischen zwei Spielern von Internet-Computerspielen gewesen sein, wie NBC unter Berufung auf mehrere nicht genannte Quellen bei Strafverfolgungsbehörden berichtete. Demnach wollte der nun Festgenommene einem anderen Online-Gamer einen Streich spielen, gab jedoch bei der Polizei eine falsche Adresse an.

So gingen die Polizisten von einer Geiselnahme im Haus des 28-Jährigen aus, der mit dem Streit gar nichts zu tun hatte. Wie seine Mutter der Lokalzeitung »Wichita Eagle« sagte, spielte ihr Sohn, ein Vater von zwei Kindern, keinerlei Computerspiele. Er sei herausgegangen, um nachzusehen, warum vor dem Haus Blaulicht geflackert habe. »Ich hörte meinen Sohn schreien, ich stand auf und hörte einen Schuss.«

Die Polizei habe sie dann aufgefordert, mit erhobenen Händen herauszukommen. Die Familie sei in Handschellen zur Polizei für ein Verhör gebracht worden. Sie frage sich, was den Polizisten das Recht gegeben habe, zu schießen. »Der Polizist brachte meinen Sohn wegen eines falschen Berichts um«, sagte sie. Dafür müsse dieser ebenso wie der Mensch hinter dem Notruf zur Verantwortung gezogen werden.

Livingston bestätigte die Verbindungen in die Gaming-Szene zunächst nicht. In der Szene von Online-Spielern ist die Vorgehensweise allerdings bekannt. Das Phänomen wird dort »Swatting« genannt. Dabei setzt jemand einen solchen falschen Notruf ab, damit das Haus eines anderen von der Polizei gestürmt wird. Vorzugsweise wird ein solcher »Streich« noch gespielt, während das Opfer live vor seiner Webcam sitzt. Das Wort »Swatting« leitet sich von den »SWAT« genannten Spezialeinsatzkommandos der US-Polizei ab.