weather-image
-1°

Drogenbeauftragte kritisiert Marihuana-Freigabe in Kanada

5.0
5.0
Joint mit Marihuana
Bildtext einblenden
Kanada legalisiert den Marihuana-Konsum, der deutschen Drogenbeauftragten Marlene Mortler ist das ein Graus. Foto: Daniel Karmann Foto: dpa
E-Zigarette
Bildtext einblenden
Bei Elektrozigaretten gibt es einen klaren Aufwärtstrend. Foto: Bernd Thissen Foto: dpa
Heroin
Bildtext einblenden
Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. Foto: Boris Roessler Foto: dpa
Jugendlicher trinkt Alkohol
Bildtext einblenden
Der Umgang mit Alkohol ist häufig «viel zu gedankenlos», mahnt Marlene Mortler. Foto: Tobias Hase Foto: dpa
Internet-Abhängigkeit
Bildtext einblenden
Ein Jugendlicher spielt in einem Wohnheim für computersüchtige Jugendliche mit einem Mobiltelefon. Foto: Marcel Kusch Foto: dpa

In den Niederlanden, Uruguay und mehreren US-Bundesstaaten ist Kiffen inzwischen legal. Nun zieht Kanada mit und gibt Marihuana landesweit frei. Der deutschen Drogenbeauftragten Marlene Mortler ist das ein Graus.


Berlin (dpa) - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat die landesweite Legalisierung von Marihuana in Kanada kritisiert. Dies sei »eine Kapitulation« und ein Schritt in die falsche Richtung, sagte die CSU-Politikerin.

Anzeige

Sie verwies darauf, dass Cannabis mit dem Stoff von vor 20 Jahren inzwischen nichts mehr gemein habe, sondern viel stärker geworden sei. Statt einer Legalisierung gehe es darum, früher mit Beratung anzusetzen. Mortler machte deutlich, dass sie in diesem Sinne nach dem Motto »Hilfe statt Sanktion« in Gesprächen sei. Nähere Angaben zu möglichen neuen Lösungsansätzen machte sie vorerst nicht.

Auch die Gewerkschaft der Polizei kritisierte den Schritt in Kanada. »Fällt ein Verbot, wird damit gleichzeitig suggeriert, dass etwas ja gar nicht so gefährlich ist, wie immer behauptet wurde«, warnte der Vorsitzende Oliver Malchow. »Angesichts der schwerwiegenden Folgen des regelmäßigen Cannabiskonsums vor allem bei jungen Menschen würde mit einer Freigabe ein zu hohes Risiko in Kauf genommen.« Es sei auch ein Irrglaube, dass die Legalisierung eines verbotenen Stoffes damit in Verbindung stehende Kriminalität reduziere.

Als zweites Land der Welt nach Uruguay hat Kanada den Anbau und Verkauf von Marihuana landesweit für legal erklärt. Die Neuregelung trat in der Nacht zu Mittwoch in Kraft. In Deutschland gelten Cannabis-Produkte als illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten.

Mortler mahnte eine stärkere Vorbeugung gegen übermäßigen Konsum von Alkohol und neue Raucher-Produkte an. Bei Elektrozigaretten oder Wasserpfeifen gebe es »einen klaren Aufwärtstrend - sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen«, sagte sie bei der Vorstellung des neuen Drogen- und Suchtberichts in Berlin. »Auch Alkohol wird in Deutschland noch deutlich zu viel und vor allem viel zu gedankenlos getrunken.« Dies gelte es zu ändern, denn für viele Menschen bedeute Alkohol ein echtes Problem.

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland sank im vergangenen Jahr erstmals seit längerem wieder leicht auf 1272, wie bereits zuvor mitgeteilt worden war. Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. Mit Sorge beobachten Fachleute zudem eine immer größere Palette neuer, meist synthetischer Wirkstoffe, die teils nur schwer zu analysieren sind.

Mitteilung zu Drogentoten 2017