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Bundesgericht setzt der Ausweitung der Sonntagsarbeit Grenzen

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Auch Sonntags geöffnet
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An einem Kaufhaus informiert ein Transparent über die Öffnung an Sonntagen. Foto: Bernd Wüstneck/Illustration Foto: dpa
Callcenter der Bahn
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Callcenter der Deutschen Bahn während der Lokführerstreiks: Am Bundesverwaltungsgericht wird ein Grundsatzurteil zur Arbeit an Sonn- und Feiertagen erwartet. Foto: Jörg Carstensen Foto: dpa
Krankenhausärzte
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Auch hier ist der arbeitsfreie Sonntag ein Fremdwort: Ärzte vor der Notaufnahme der Universitätsklinik in Regensburg. Foto: Armin Weigel/Archiv Foto: dpa
Taxis am Hauptbahnhof Köln
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Rund um die Uhr unterwegs: Taxis am Bahnhofsvorplatz in Köln. Foto: Oliver Berg/Archiv Foto: dpa
Köchin
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Gut gelaunt: Eine Hotelköchin im Wintersport-Ort Willingen. Foto: Uwe Zucchi/Archiv Foto: dpa
Arbeit im Biergarten
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Auch sonn- und feiertags: Eine Bedienung schleppt beim Gäubodenvolksfest in Straubing Bierkrüge. Foto: Armin Weige/Archiv Foto: dpa
Rettungswagen
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Immer im Dienst: Rettungssanitäter und Notärzte. Foto: Nicolas Armer/Archiv Foto: dpa
Eisherstellung
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Das Land Hessen hatte 2011 bei der Sonntagsarbeit weitreichende Ausnahmen etwa für Callcenter und Eishersteller festgelegt. Foto: Frank May/Archiv Foto: dpa

Leipzig/Wiesbaden (dpa) - Busfahrer und Feuerwehrleute müssen sonntags arbeiten. Aber müssen auch Videotheken und Callcenter am Wochenende offen sein? Nein, sagt das Bundesverwaltungsgericht und schiebt der Sonntagsarbeit einen Riegel vor.


Das Bundesverwaltungsgericht hat der Ausweitung der Sonntagsarbeit Grenzen gesetzt. Die Leipziger Richter sehen keine Notwendigkeit für sonntags geöffnete Videotheken, Bibliotheken, Callcenter sowie Lotto-Annahmestellen. Damit erklärten sie wesentliche Teile einer Verordnung des Landes Hessen für unwirksam, das 2011 weitreichende Ausnahmen für den gesetzlich geschützten, arbeitsfreien Sonntag festgelegt hatte. Das Urteil dürfte weitreichende Folgen haben, da auch die meisten anderen Bundesländer ähnliche Verordnungen haben (Az.: BVerwG 6 CN 1.13).

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Die Gewerkschaft Verdi und zwei evangelische Gemeindeverbände hatten gegen die sogenannte Bedarfsgewerbeverordnung des Landes Hessen geklagt. Schon vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hatten sie in der Vorinstanz recht bekommen. Teile dieses Urteils bestätigten jetzt die Leipziger Richter.

»Das ist für uns ein außerordentlich positiver Erfolg«, sagte Bernhard Schiederig, Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi in Hessen. Die hessische Landesregierung kündigte an, das Verbot in den betroffenen Branchen sofort umzusetzen. Der Sozial-Staatssekretär Wolfgang Dippel (CDU) sprach von einem »sehr ausdifferenzierten Urteil«, das auch andere Bundesländer betreffe. »Wir haben uns in Hessen bewusst an den in den anderen Ländern geltenden Regelungen orientiert.«

Der Call Center Verband kritisierte das Urteil als einen »Schlag ins Gesicht der Verbraucher«. Am Sonntag telefonisch nicht erreichbar zu sein, sei für viele Unternehmen keine Option. »Jetzt ist der Bundesgesetzgeber gefordert, schnell mit einer Änderung des Arbeitszeitgesetzes zu reagieren«, erklärte Verbandspräsident Manfred Stockmann.

Nach dem Arbeitszeitgesetz ist in Deutschland eine Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen nicht erlaubt. Das Gesetz selbst sieht jedoch Ausnahmen vor - etwa für Polizei, Feuerwehr, Krankenschwestern oder Notdienste. Zudem ermächtigt es die Bundesländer, weitere Ausnahmen vom Sonntagsschutz zu beschließen. Die Frage war, wie weit die Länder gehen dürfen.

Der VGH in Kassel hatte entschieden, dass auch Ausnahmeregelungen für Getränke- und Eisfabriken nichtig seien, die das Land Hessen vorgesehen hatte. Diese Eingriffe in den Sonntagsschutz seien so gravierend, dass nicht die Länder, sondern nur die Bundesregierung sie vornehmen dürften. Dem folgten die Bundesrichter nicht. Sie gaben dem VGH auf, sich noch einmal mit der saisonalen Sonntagsarbeit in Brauereien und Eisfabriken zu beschäftigen.

Nur in einem Punkt waren die Bundesrichter mit der hessischen Verordnung einverstanden: Buchmacher auf Pferderennbahnen dürfen auch sonntags arbeiten, da sie untrennbar mit den ohnehin veranstalteten Rennen verbunden sind.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sah einen Teilerfolg. »Das Urteil ist hilfreich für die weitere Diskussion rund um die Zukunft unserer Sonn- und Feiertage«, sagte Ulrike Scherf, Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten. Wichtig sei das Verbot der Sonntagsarbeit in Call-Centern.

Bedarfsgerwerbeverordnung des Landes Hessen

Terminankündigung BVerwG

Arbeitszeitgesetz

PM des VGH Kassel zum Urteil vom 12. September 2013

Allianz für den freien Sonntag

Auskunft der Bundesregierung zur Sonntagsarbeit, ab Seite 61