weather-image
13°

Autobahnbrücke stürzt bei Genua ein: Mindestens 35 Tote

2.0
2.0
Rettungseinsatz
Bildtext einblenden
Feuerwehrleute bergen einen Verletzten aus den Trümmern der teilweise eingestürzten Autobahnbrücke Ponte Morandi. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Autobahnbrücke in Genua
Bildtext einblenden
In letzter Sekunde angehalten: Ein Lastwagen steht kurz vor der Abbruchkante in der Brücke. Foto: Antonio Calanni/AP Foto: dpa
Gewaltige Lücke
Bildtext einblenden
Der Einsturz hat eine gewaltige Lücke von etwa 100 Metern in die Brücke gerissen. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Brückenpfeiler
Bildtext einblenden
Rettungsarbeiten unter den Trümmern der eingestürzten Morandi-Autobahnbrücke. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Genua
Bildtext einblenden
Die Brücke stürzte auf einer Länge von etwa 100 Meter ein. Foto: Polizia di Stato Foto: dpa
Rettungskräfte am Unglücksort
Bildtext einblenden
Rettungsarbeiten unter den Trümmern der eingestürzten Morandi Autobahnbrücke. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Fahrbahntrümmer
Bildtext einblenden
Die Brücke war auf einer Länge von etwa 100 Metern eingestürzt. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Trümmer
Bildtext einblenden
Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke haben Rettungskräfte mindestens zwei Überlebende aus den Trümmern gezogen. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Unglücksbrücke in Genua
Bildtext einblenden
Blick auf die eingestürzte Autobahnbrücke Ponte Morandi in Genua. Foto: Luca Zennaro/ANSA/AP Foto: dpa
Ponte Morandi
Bildtext einblenden
Das Videostandbild zeigt die eingestürzte Autobahnbrücke Ponte Morandi. Foto: Polizia di Stato Foto: dpa
Autobahnbrücke
Bildtext einblenden
Ein Lastwagen steht an der Kante der Autobahnbrücke Ponte Morandi, von der ein Teilstück mehr als 40 Meter in die Tiefe gestürzt war. Foto: Vigili del Fuoco Foto: dpa
Gewaltige Lücke
Bildtext einblenden
Die Opfer des Einsturzes fielen mehr als 40 Meter in die Tiefe. Foto: Antonio Calanni/AP Foto: dpa

Bei Genua stürzt eine viel befahrene Autobahnbrücke ein, Fahrzeuge stürzen in die Tiefe. Behörden und Einsatzkräfte vermelden immer neue Opferzahlen.


Genua (dpa) - Der Einsturz einer vierspurigen Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua hat möglicherweise Dutzende Menschen in den Tod gerissen. Es seien mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Feuerwehr.

Anzeige

Offiziell bestätigt sind bislang 26 Todesoper, wie die Region Ligurien am Abend mitteilte. 15 seien verletzt, neun davon in sehr kritischem Zustand. Regierungschef Giuseppe Conte sagte in Genua, dass die Zahlen steigen dürften.

Auch in der Nacht sollten die Rettungsarbeiten weitergehen. «Wir werden nicht aufhören zu suchen», sagte D'Angelo. Zuvor hatte Innenminister Matteo Salvini von 30 bestätigten Toten und Verletzten in ernster Verfassung gesprochen. Elf Überlebende seien aus den Trümmern geborgen worden, hatte Bürgermeister Marco Bucci dem Fernsehsender SkyTG24 gesagt.

Die Morandi-Brücke auf der Autobahn A10, der berühmten Urlaubsverbindung «Autostrada dei Fiori», stürzte in mehr als 40 Metern Höhe auf einem zwischen 100 und 200 Meter langen Stück ein. Nach Berichten von Zeugen wurden Autos in die Tiefe gerissen, Lastwagen landeten im Fluss Polcevera. Zahlreiche Fahrzeuge wurden unter herabfallenden Trümmern begraben. Nahe der Bahngleise soll sich Berichten von Ansa zufolge eine Art Krater gebildet haben, in dem die Rettungskräfte um die 30 Fahrzeuge vermuten.

Unter den Toten soll auch ein Kind sein. Der Polcevera-Viadukt, im Volksmund nach dem Architekten Riccardo Morandi auch Ponte Morandi genannt, überquert unter anderem Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet im Westen von Genua.

Mehr als 300 Rettungskräfte waren laut Feuerwehr im Einsatz. In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude evakuiert. Es bestehe das Risiko, dass weitere Teile des Bauwerks einbrechen, berichtete Ansa unter Berufung auf Rettungskräfte vor Ort. Drei Krankenhäuser in Genua wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Verkehrsminister Danilo Toninelli sprach von einer «entsetzlichen Tragödie». Er schloss in einem Radio-Interview aus, dass Bauarbeiten an der Brücke Grund für den Einsturz seien. Vize-Regierungschef Luigi Di Maio sagte, der Staat werde alles unternehmen, um den Familien der Opfer zu helfen. Regierungschef Giuseppe Conte kam am Abend in Genua an und zeigte sich «tief betroffen» von der Tragödie.

Kanzlerin Angela Merkel drückte den Menschen in Genua und in Italien ihre Anteilnahme aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb seinem Amtskollegen Sergio Mattarella: «Wir wünschen den Rettungs- und Bergungskräften in dieser schwierigen Situation, in der das Ausmaß des Unglücks noch nicht absehbar ist, die nötige Kraft für die Bewältigung ihrer Aufgaben. Unsere Gedanken sind bei den Opfern des Unglücks und ihren Angehörigen.» Mattarella nannte das Unglück «erschreckend und absurd».

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, das Generalkonsulat Mailand stehe in engem Kontakt mit den italienischen Behörden, um Informationen auch zu eventuellen deutschen Opfern zu sichern. Weitere Angaben konnten nicht gemacht werden. «Wir sind bestürzt über die schockierenden Bilder aus Genua», twitterte Außenminister Heiko Maas (SPD).

Auf einem Video, das die italienische Polizei ins Internet stellte, sind die beiden Seiten der abgebrochenen Brücke zu sehen. Zwischen beiden Teilen klafft eine riesige Lücke. In einem anderen Video sind Stimmen von Menschen zu hören, die aus der Ferne den Einsturz sehen und geschockt aufschreien.

Der Einsturz dürfte weitreichende Konsequenzen haben: Die Brücke werde abgerissen und das werde einhergehen mit «schwerwiegenden Auswirkungen» auf den Verkehr und mit Problemen für die Bürger und Unternehmen, sagte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi.

Zum Zeitpunkt der Tragödie waren nach Angaben der Betreibergesellschaft Autostrade per Italia Bauarbeiten im Gange. Wie das Unternehmen am Dienstag auf seiner Homepage mitteilte, sei an der Sohle des Polcevera-Viadukts gearbeitet worden. Auf der Brücke selber habe ein Baukran gestanden. Der Zustand der Brücke und der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden, teilte das Unternehmen weiter mit.

Der «Viadotto Polcevera» war nach vierjähriger Bauzeit 1967 vom damaligen Staatspräsidenten Giuseppe Saragat eröffnet worden. Der Viadukt mit einer Gesamtlänge von 1182 Metern überquert ein Industriegebiet stützt sich auf drei Betonpfeiler. Das längste Teilstück ist 210 Meter lang.

Tweet Feuerwehr mit Foto

Polizei Tweet

Sehr gut bis ungenügend: Noten für 40.000 deutsche Brücken

Immer wieder Tote bei Brückeneinstürzen

Brücken-Katastrophe in Genua: «Es ist die Hölle»

Der Polcevera-Viadukt, auch Ponte Morandi genannt, ist eine vierspurige Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua. Sie ist Teil der Autobahn 10 entlang der Riviera. Das 1967 eingeweihte Bauwerk aus Spannbeton führt über das Polcevera-Tal und überquert den gleichnamigen Fluss, Bahnanlagen sowie Wohn- und Gewerbegebiete. Die vom italienischen Ingenieur Riccardo Morandi (1902-1989) entworfene elegante Schrägseilbrücke gilt als ein Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts. Der 1182 Meter lange Viadukt wird von 90 Meter hohen Pylonen - drei davon mit Schrägseilen - gestützt. Er ist 45 Meter hoch, das längste Teilstück ist 210 Meter lang.