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Anzahl der Passagiere unklar

Abschiebeflug aus Deutschland in Kabul erwartet

In Afghanistan wird ein weiteres Flugzeug mit abgeschobenen Flüchtlingen aus Deutschland erwartet. An Bord der Maschine sollen vermutlich wieder Straftäter sein. Die Behörden in Kabul wissen davon allerdings noch nichts.

Abschiebung
Abschiebungen nach Afghanistan sind auf Grund der Konflike in dem Land umstritten. Foto: Julian Stratenschulte/Symbolbild Foto: dpanitf3

Kabul (dpa) - Afghanische Behörden haben die geplante Ankunft eines Abschiebeflugs aus Deutschland für diesen Donnerstag bestätigt. Der Charterflug solle am Donnerstagmorgen Ortszeit in Kabul ankommen.

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Das sagte der Leiter der zuständigen Beobachtungsgruppe im Flüchtlingsministerium, Faisurrahman Chadam, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Zahl der Passagiere kennen wir noch nicht», sagte er - es sollten aber nach einer Vereinbarung mit Deutschland nicht mehr als 50 sein. Deutsche Flüchtlingsaktivisten hatten am Dienstag von etwa 20 Passagieren gesprochen.

Unter ihnen sollen neun Männer aus Bayern sein, vier aus Hamburg, vier aus Baden-Württemberg, einer aus Rheinland-Pfalz, einer aus Sachsen und möglicherweise einer aus Nordrhein-Westfalen. Ob die Liste damit vollständig war, blieb zunächst unklar. Der Flug sollte am Mittwochabend in Frankfurt am Main starten. Bisher hat Deutschland seit 2016 insgesamt 128 Männer nach Afghanistan zurückbringen lassen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verteidigte die umstrittenen Abschiebungen. «Gefährder, Straftäter und hartnäckige Mitwirkungsverweigerer» könnten auch nach Afghanistan abgeschoben werden, sagte er am Mittwoch in Berlin. Es bleibe damit bei der Linie, die er mit Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) besprochen habe. «Das ist auch richtig so, und wir werden diese Linie fortsetzen.»

Zu dem bevorstehenden Flug nach Kabul äußerte sich der Innenminister nicht. Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten, weil es mittlerweile landesweit Gefechte und Anschläge der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt. Bisher hat Deutschland mit sieben Sammelflügen seit Dezember 2016 insgesamt 128 Männer nach Afghanistan zurückbringen lassen.

Auf dem letzten Flug im Oktober waren nach Auskunft des Bundesinnenministeriums elf der 14 Abgeschobenen Straftäter. «Bei den Straftaten handelt es sich unter anderem um Totschlag, sexueller Missbrauch von Kindern, Diebstahl, gefährliche Körperverletzung, Urkundenfälschung, Betrug», sagte eine Sprecherin damals. Nach einem massiven Bombenanschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul im Mai hatten Bund und Länder Abschiebungen auf Straftäter, Gefährder und sogenannte Identitätstäuscher beschränkt. Wieviele Straftäter diesmal an Bord sein werden, war in Kabul am Mittwoch aber noch unklar.

Ein Sprecher des Flüchtlingsministeriums, Islamuddin Dschurrat, hatte vor kurzem erklärt, die Regierung bekomme nicht viele Informationen über die Passagiere. «Wir haben bisher nur aus Medien gehört, wenn Kriminelle an Bord waren.» Ein Sprecher der Grenzpolizei, Adschmal Faisi, sagte, auch die Polizei wisse nichts über Straftaten von abgeschobenen Afghanen. «Die deutsche Regierung und das Flüchtlingsministerium sagen uns nichts. Wir schicken die Leute einfach ihres Weges.»

Listen, die die Deutsche Presse-Agentur in der Vergangenheit am Flughafen von Kabul gesehen hat, zeigten nur Namen und Herkunftsprovinzen. Eine Anfrage im Bundesinnenministerien in Berlin, wie afghanischen Behörden benachrichtigt werden, blieb zunächst unbeantwortet.

Auf der Liste der Abschiebekandidaten steheh diesmal auch zwei junge Männer, die nach Ansicht von Flüchtlingsaktivisten und Anwälten in keine der drei Kategorien gehörten, darunter ein junger Mann, der aus der Ausbildung in Bayern heraus abgeschoben werden soll.

Die Organisation Pro Asyl kritisierte die geplante Abschiebung am Mittwoch. Sie sei «in keiner Weise mit der sich immer weiter verschärfenden Lage im Land zu vereinbaren». Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten, weil es mittlerweile landesweit Gefechte und Anschläge der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gibt.