weather-image
25°

Ägyptens Islamisten rufen zu Freitags-Protesten auf

0.0
0.0
Protestaktion
Bildtext einblenden
Anhängerinnen der Muslimbruderschaft bei einer Protestaktion für den gestürzten Präsidenten. Foto: Mohammed Saber Foto: dpa

Kairo (dpa) - Zwei Wochen nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi rufen dessen Anhänger zu neuen Großkundgebungen nach den Freitagsgebeten auf. Die Muslimbruderschaft, aus der Mursi kommt, und verbündete Organisationen kündigten Demonstrationen im ganzen Land an.


Sie verlangen die Freilassung des gewählten Präsidenten und seine Rückkehr an die Macht. Der Höhepunkt der Kundgebungen wird nach dem abendlichen Fastenbrechen im Monat Ramadan erwartet. Auf der an Israel angrenzenden Sinai-Halbinsel wurden in der Nacht zum Donnerstag bei bewaffneten Überfällen drei Polizisten getötet.

Anzeige

Die Muslimbruderschaft versucht unnachgiebig, die Dynamik der Proteste gegen die Absetzung Mursis durch das Militär am Leben zu erhalten. Ein Zeltlager in der östlichen Vorstadt Nasr City soll ein permanente Reserve von mehreren tausend Demonstranten sicherstellen. An bestimmten Tagen, darunter stets der Freitag, ruft die Führung der islamistischen Organisation zur «Eskalation» auf. Diesen Demonstrationszügen sollen sich dann auch jene Anhänger anschließen, die nicht im Protest-Camp lagern.

Zuletzt waren am Mittwoch tausende Islamisten durch ägyptische Städte gezogen. In Kairo hatten sie versucht, vor das Regierungsgebäude zu gelangen. Sie wurden aber von Sicherheitskräften daran gehindert. Größere Ausschreitungen gab es nicht. Das Innenministerium hat indes klargestellt, dass es keine Straßenblockaden oder Behinderungen von Regierungsämtern dulden werde.

Nach Ansicht von Beobachtern ist damit der Spielraum der Muslimbruderschaft eingeschränkt. Weitere «Eskalationen» sind wohl nur um den Preis blutiger Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften zu haben. Derzeit deutet aber wenig darauf hin, dass die Führung der Islamisten, die durch Verhaftungen von Top-Kadern geschwächt ist, bereit wäre, ihre Anhänger zu gewaltsamen Konfrontationen zu bewegen.

Vertreter der Muslimbruderschaft waren am Mittwoch in Kairo mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton zusammengekommen. Dabei hatten sie von der EU eine Verurteilung des «Militärputsches» gegen die islamistische Regierung gefordert. Ashton hatte bei ihrem Ägyptenbesuch auch Übergangspräsidenten Adli Mansur, seinen Stellvertreter Mohammed ElBaradei und den mächtigen Armeekommandeur, General Abdel Fattah al-Sisi, getroffen. Ashton forderte nach eigenen Angaben die Freilassung Mursis und aller politischen Gefangenen. Mursi wird an einem unbekannten Ort festgehalten.

«Ägypten als Indikator für schwache US-Außenpolitik», Analyse Cato

«USA dürfen Ägypten-Hilfe nicht stoppen», Foreign Policy

Der Iran und Ägyptens Staatsstreich, Brookings