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21 Menschen sterben in Moskaus Metro

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Bild der Verwüstung
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Rettungskräften bietet sich im Unglückstunnel ein Bild der Verwüstung. Foto: epa Foto: dpa
Moskauer Metro
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Ein voll besetzter Zug hatte heftig gebremst, dabei entgleisten in einem Tunnel drei Wagen. Foto: Yuri Kochetkov Foto: dpa
Rettungskräfte
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Bei dem schweren Unfall in der Moskauer Metro gab es viele Tote. Foto: Yuri Kochetkov Foto: dpa
Krankentransport
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Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Foto: Yuri Kochetkov Foto: dpa
Rettungshubschrauber
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Mehrere Rettungshubschrauber stehen bereit. Foto: Juri Kochetkow Foto: dpa
Notärzte
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Notärzte warten auf ihren Einsatz. Foto: Juri Kochetkow Foto: dpa
Verletzt
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Ein Verletzter wird von Rettungskräften aus der Metro gebracht. Foto: Yuri Kochetkov Foto: dpa

Moskau (dpa) - Beim schwersten Unfall in der Geschichte der berühmten Moskauer Metro sind mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Mitten im morgendlichen Berufsverkehr entgleisten drei voll besetzte Waggons in einem Tunnel.


»Mehr als 160 Menschen wurden zudem verletzt«, sagte Viktor Jazuzenko vom russischen Zivilschutzministerium am Dienstag. Aufnahmen zeigen ein zwischen den Stationen »Park Pobedy« und »Slawjanski Boulevard« verkeiltes Wrack, aus dem Rettungskräfte nur mühsam eingeschlossene Passagiere bergen konnten. Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde schloss einen Terroranschlag aus. »Es handelt sich allem Anschein nach um eine technische Katastrophe«, sagte er.

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Der Zug habe etwa 200 Meter vor der Station »Slawjanski Boulevard« heftig gebremst, dabei seien die Waggons entgleist, sagte Markin der Agentur Itar-Tass. Er bezweifelte die zunächst verbreitete Version, ein Spannungsabfall könnte den Unfall verursacht haben. Die Energiewerke hätten eine Stromschwankung nicht bestätigt. »Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen. Ein Defekt am Fahrgestell ist ebenso nicht ausgeschlossen wie eine kaputte Weiche.« Der Zug sei zum Unfallzeitpunkt um 08.39 Uhr (06.39 Uhr MESZ) etwa 70 Kilometer pro Stunde gefahren, sagte Markin. Die Linie bleibe zwei Tage gesperrt.

Mit täglich neun Millionen Passagieren gilt die U-Bahn als wichtigstes Verkehrssystem der mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern größten Stadt Europas. Die 1935 eröffnete Metro ist aber renovierungsbedürftig. Die betroffene Strecke wurde erst 2008 gebaut.

2010 waren bei zwei Selbstmordanschlägen insgesamt 40 Menschen ums Leben gekommen. Zur Entgleisung kam es dem Radiosender Echo Moskwy zufolge nur 1979 und 2008. Beim bisher schwersten Unfall in der Metro waren 1982 beim Einsturz einer Rolltreppe 15 Menschen gestorben.

Präsident Wladimir Putin beauftragte Chef-Ermittler Alexander Bastrykin mit der Untersuchung des Unfalls. Telefonisch von einer Brasilien-Reise aus übermittelte der Kremlchef zudem sein Beileid. Regierungschef Dmitri Medwedew nannte den Unfall »tragisch«. Metrochef Iwan Bessedin brach seinen Urlaub sofort ab.

Überlebende berichteten im Staatsfernsehen von Chaos in den Waggons. »Wir stürzten wie Dominosteine«, sagte ein Passagier. »Ich dachte, das ist das Ende«, sagte ein anderer Fahrgast, dem Sanitäter einen Kopfverband angelegt hatten. Rettungskräfte trugen blutende Verletzte aus der benachbarten Station »Park Pobedy«. Die Haltestelle liegt mehr als 70 Meter unter der Erde und ist damit die tiefste Station in Moskau, was die Rettungsarbeiten zusätzlich erschwerte.

Unter den Betroffenen seien auch Ausländer vor allem aus zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken, sagte ein Behördensprecher. So kamen ein Tadschike und auch ein Chinese ums Leben. Unter den Verletzten sind Bürger Kirgistans und Usbekistans. Aus der armen Region kommen viele Lohnarbeiter - oft illegal - nach Moskau.

Insgesamt kamen nach Behördenangaben 21 Menschen ums Leben. Insgesamt seien 129 Menschen in Kliniken gebracht worden, einige von ihnen per Hubschrauber. Viele Passagiere erlitten Prellungen und Blutergüsse. Einige Fahrgäste waren zunächst in ihrem völlig zerstörten Waggon eingeklemmt und mussten von Rettungskräften befreit werden. Insgesamt wurden mehr als 1000 Menschen in Sicherheit gebracht. Mehrere Stationen waren gesperrt.

Bürgermeister Sergej Sobjanin und Zivilschutzminister Wladimir Putschkow eilten an die Unfallstelle und sagten den Opfern Hilfe zu. Hinterbliebene sollen mehr als eine Million Rubel (rund 21 500 Euro) Schmerzensgeld erhalten. Die Justiz eröffnete ein Strafverfahren wegen Verstößen gegen technische Sicherheitsvorschriften. Sobjanin ordnete für diesen Mittwoch öffentliche Trauer in der Hauptstadt an.