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West-Störche zieht es in den Osten

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Weißstorch
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Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands gibt es auch unter Weißstörchen. Foto: David Ebener Foto: dpa

Bergenhusen/Berlin (dpa) - »Wessis« unter den Weißstörchen in Deutschland machen sich immer mehr im Revier ‎der »Ossis« breit: Die Trennlinie quer durch Deutschland, die über eine westliche oder östliche Route des Vogelzugs gen Süden entscheidet, ‎verschiebt sich Vogelkundlern zufolge seit Jahren in Richtung Osten. ‎


»Wir vermuten, dass Störche aus ‎den westlichen Regionen beim Überwintern in Spanien und Portugal weniger Gefahren ausgesetzt sind und mehr ‎Nahrung finden als Störche aus den östlichen Gebieten, die meist nach Afrika fliegen«, sagte der Ornithologe ‎Hermann Hötker vom Naturschutzbund in Bergenhusen (Schleswig-Holstein) der Nachrichtenagentur dpa.

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Die West-Störche überlebten deshalb besser als‎ ihre östlichen Artgenossen und ihr Bestand wachse schneller. Diese ungleichen Bedingungen ‎seien wahrscheinlich der Grund dafür, dass sich die sogenannte Zugscheide verschiebe. Sie verlaufe durch ‎Schleswig-Holstein etwa an der Elbe entlang in Richtung Süden.

Eine Verdrängung der »Ossis« sei aber nicht zu ‎befürchten. »Es gibt noch genug Platz für Störche in Deutschland«, ergänzte Hötker. Insgesamt gehe es diesen Vögeln hierzulande gut. Im vergangenen Jahr seien über 5000 Paare gezählt worden.‎

Störche, die die westliche Route nähmen, müssten heute gar nicht mehr nach Afrika fliegen. »Vor allem auf den ‎feuchten Reisfeldern in Spanien und Portugal und auf den Müllkippen finden die Störche genügend Nahrung«, sagte ‎Hötker. Ihre Artgenossen, die traditionell die Ostroute nähmen, hätten größere Schwierigkeiten, zu überleben. »In ‎der Sahelzone beispielsweise gibt es größere Niederschlagsschwankungen und nicht so stabile Nahrungsquellen«, ‎sagte Hötker. ‎

Inzwischen sind deutschlandweit die ersten Rückkehrer aus den Winterquartieren gesichtet worden. »Es gibt auch ‎etliche Störche, die in Deutschland überwintern«, ergänzte Hötker. Das liege aber größtenteils nicht am ‎Klimawandel. Es handele sich dabei meist um Störche, die aus verschiedenen Gründen in ihrem ersten Flugjahr am ‎Winterzug gehindert worden seien - etwa durch Aufzucht in einem Gehege. »Sie verlieren dann ihren Zugtrieb«, ‎sagte Hötker. Die Kälte im Winter mache den Störchen nichts aus, jedoch Schnee und Eis: »In normalen Wintern ‎müssen diese Störche gefüttert werden, damit sie in Deutschland überleben«. In Süddeutschland gebe ‎es aber schon Einzelfälle von überwinternden Störchen, die auch ohne fremde Hilfe überlebten. ‎

Michael-Otto-Institut im Nabu