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Tatort Milchstraße: Schwarzes Loch traktiert Gaswolke

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Schwarzes Loch traktiert Gaswolke
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Diese Darstellung zeigt eine Gaswolke bei der nahen Begegnung mit dem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Foto: Eso/S. Gillessen/MPE/Marc Schartmann Foto: dpa

Garching (dpa) - Das riesige Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie bietet gerade ein besonderes Schauspiel: Es zieht eine Gaswolke so sehr in die Länge, dass sie bald zerreißt.


«Man kann genau sehen, wie die Wolke regelrecht zu einer Spaghetti-Nudel wird», sagte der Leiter des Beobachtungsteams, Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik. «Genauso müsste es einem unglücklichen Astronauten in einem Science-Fiction-Film ergehen, der dem Schwarzen Loch zu nahe kommt.»

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Schwarze Löcher können aus großen kollabierten Sternen hervorgehen. Sie haben eine so große Anziehungskraft, dass weder Material noch Licht aus ihnen entweichen können. Mit ihrem minimalen Abstand von 25 Milliarden Kilometern schaffe es die Wolke gerade so, nicht direkt in das Schwarze Loch hineinzufallen, erläuterte Gillessen. Sie ziehe daran vorüber, werde aber aufgrund der starken Anziehungskräfte aber extrem gestreckt. Die Wolke habe nur die dreifache Masse der Erde. Das Schwarze Loch schätzen Astronomen dagegen auf mehrere Millionen Sonnenmassen.

«Die Wolke ist mittlerweile so stark auseinandergezogen, dass ihr vorderer Teil den Punkt der größten Annäherung an das Schwarze Loch passiert hat und sich bereits wieder mit mehr als 10 Millionen Kilometer pro Stunde davon entfernt, während der hintere Teil der Wolke weiterhin auf das Schwarze Loch zu fällt», erläuterte die Europäische Südsternwarte (Eso). Die Prognose des Forscherteams: Die Wolke wird im Lauf des nächsten Jahres komplett zerfetzt.

Die Gaswolke wurde bereits 2011 vom «Very Large Teleskop» der Eso erspäht. Die Astronomen beobachten seitdem, wie sie sich dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße mit zunehmender Geschwindigkeit näherte und schließlich von ihm immer weiter auseinandergezogen wurde. «Das ionisierte Gas an der Spitze der Wolke ist nun über eine Strecke von mehr als 150 Lichtstunden, etwa 160 Milliarden Kilometer, verteilt», sagte Gillessen. Die Zwischenergebnisse sollen in der Zeitschrift «The Astrophysical Journal» erscheinen.

«Das aufregende an den neuen Messungen ist, dass wir derzeit den vorderen Teil der Wolke schon wieder auf uns zukommen sehen. Und das mit einer Bahngeschwindigkeit von mehr als zehn Millionen Stundenkilometer, also etwa einem Prozent der Lichtgeschwindigkeit», ergänzte Reinhard Genzel, ebenfalls vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik. Er leitet ein Team, das die Umgebung des Schwarzen Lochs schon seit 20 Jahren beobachtet.

Woher die Wolke kam, wissen die Astronomen nicht - möglicherweise besteht sie aus abgestoßenen Teilchen von Sternen, die das Schwarze Loch recht nahe umkreisen. In jedem Fall möchten die Forscher mit weiteren Beobachtungen dieses Zusammentreffens im All näheres über die Geheimnisse der Schwarzen Löcher erfahren.

Eso-Mitteilung

MPI-Mitteilung