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Seilbahn und Supraleitung: Die Stadt der Zukunft

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Hannover (dpa) - Seilbahnen, Mega-Drehscheiben, Supraleitung: Die Stadt der Zukunft hat viele Gesichter. Auf der Hannover Messe zeichnet sich ab, was machbar ist. Ein Trend ist erkennbar: Neue Kabel werden nicht nur die Energiewende voranbringen, sondern auch das Stadtbild verändern.


Alles drängt in die Städte. Ob Moskau, Rio, Tokio oder Johannesburg - angesichts von weltweitem Bevölkerungswachstum und Verstädterung hat die Suche nach urbanen Zukunftskonzepten für die Mega-Citys dieser Welt längst eingesetzt. Die Antworten auf die Herausforderungen von morgen reichen von pfiffigen Lösungen wie urbanen Seilbahnen etwa in London, New York oder Medellin bis hin zu innovativen Hightech-Lösungen wie in Essen. Dort testet demnächst der Stromkonzern RWE das weltweit längste Supraleiterkabel, das auf minus 200 Grad gekühlt wird und Strom fast ohne Verluste transportiert.

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Es ist die Technik der Zukunft, die in Dresden auch schon für ein völlig neues Konzept einer Magnetschwebebahn erprobt wird: «Das Thema ist mehr denn je reif für die Anwendung, die Industrie entdeckt die Supraleitung gerade», sagt Werner Prusseit, der Vorstandsvorsitzende des Industrieverbands Supraleitung. Auf der Hannover Messe boten im vergangenen Jahr gerade mal drei Betriebe entsprechende innovative Anwendungsmöglichkeiten an - diesmal sind dort bereits sieben Unternehmen vertreten. Der Automatisierungsspezialist Festo etwa präsentiert mit dem Dresdner Tüftlerbüro Evico einen Stuhl, auf dem Besucher dank Supraleitung ohne Bodenkontakt über den Boden schweben.

In Großstädten kann diese Technik die Stromverteilnetze von mehreren tausend Kilometern Länge ausdünnen und zugleich die Zahl der Transformatoren-Gebäude um mehr als 40 Prozent reduzieren. Wo früher fünf Kabel verlegt werden mussten, reicht nun eins. «Man kann durch dieselbe Trasse fünfmal mehr Energie transportieren», sagt Prusseit. Da zudem keine Magnetstrahlung auftritt, ist auch eine nähere Verlegung an Wohngebäude oder entlang von Brücken möglich - ein Faktor, der auch dem wachsenden Siedlungsdruck Rechnung trägt.  

«Die Städte kommen mehr und mehr durch das Bevölkerungswachstum unter Druck», bestätigt Gino van Begin, Generalsekretär des weltweiten kommunalen Netzwerks ICLEI. Es fördert seit mehr als zwei Jahrzehnten in 84 Ländern den Austausch zwischen Städteplanern und Bürgermeistern. «Ziel ist, voneinander zu lernen», so van Begin, der auch auf der Messe diverse Bürgermeister oder kommunale Spitzenbeamte zusammenführte. Auf einer erstmals durchgeführten Schwerpunkt- Veranstaltung geht es ihnen nicht nur um soziale, sondern auch stadtplanerische oder ökologische Akzent-Setzung. 

«Wir schieben das noch relativ junge Thema jetzt als Premiere an», sagt Messe-Vorstand Jochen Köckler. Er testet das Interesse mit der Spezialmesse «Metropolitan Solutions». 140 Aussteller sind gekommen und wollen die Besucher unter anderem mit technologischen Lösungen für die urbanen Probleme der Zukunft inspirieren. Die Bandbreite reicht von der direkten Stadtplanung über komplexe Steuerungstechnik für Fernwartung bis zum Bus-Wartehäuschen mit Solardach und Aufladestation für E-Fahrräder. Neue Verkehrskonzepte und neuartige Dienstleistungen sollen das Gesicht der Stadt der Zukunft prägen.

«Die Gebäude sind für 40 Prozent des Energieverbrauchs in Städten verantwortlich», erklärt Susanne Berger von Schneider Electric. Also setzt das urbane Konzept ihrer Firma etwa in Berlin auf weitgehend autarke Gebäude. Innovative Hochhaus-Neubauten der Zukunft kommen grüner und menschlicher daher, haben Abwasseraufbereitung und eigene Energiequellen. Intelligente Lösungen wie die Supraleiterkabel spielen dabei eine Schlüsselrolle, die mit Stickstoff auf minus 200 Grad gekühlt Strom fast ohne Verluste transportieren.

Mitunter kommen die Lösungsansätze auch banal daher. Elendsviertel am Rande der Gesellschaft etwa - wie die Favelas in Sao Paulo - können auf einmal zu Entwicklungszentren werden. «Die Stadtväter sagen sich irgendwann, dass sie die Favelas nicht los werden, also werden sie sie besser integrieren», meint Harriet Korponay auf der Hannover Messe. Wenn sie dann allein die lecke Wasserversorgung modernisieren, sparen sie nicht nur bis zu 70 Prozent Wasser, sondern schaffen Arbeitsplätze und reduzieren damit die Kriminalität, meint die Direktorin des Stadtentwicklungsmanagements bei Siemens.

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